Während viele Menschen die sommerlichen Temperaturen genießen, bedeuten Hitzewellen für Menschen mit Multipler Sklerose häufig das Gegenteil: Hohe Außentemperaturen können dazu führen, dass sich neurologische Symptome deutlich verschlechtern. Das gleiche gilt auch für Saunabesuche und Infekte. Für viele Betroffene werden selbst alltägliche Aufgaben an heißen Tagen zur Herausforderung. Grund dafür ist das sogenannte Uhthoff-Phänomen. Bereits leichte Temperaturerhöhungen können die Weiterleitung von Nervenreizen beeinträchtigen und bestehende Beschwerden verstärken. Viele Menschen mit MS kämpfen dann mit Konzentrationsproblemen, Sehstörungen, Gleichgewichtsproblemen oder motorischen Einschränkungen. Besonders belastend ist zudem die sogenannte MS-Fatigue, ein extremer Erschöpfungszustand, der weit über normale Müdigkeit hinausgeht.
Unsichtbare Symptome sorgen oft für Unverständnis
„Viele Menschen unterschätzen, welche Auswirkungen Hitze auf Menschen mit Multipler Sklerose haben kann“, erklärt Uwe Meier. „Da die Symptome häufig nicht sichtbar sind, stoßen Betroffene im Alltag oder auch im Berufsleben oft auf Unverständnis.“ Insbesondere an heißen Tagen berichten viele Patienten von plötzlichem Energieverlust und starker körperlicher wie mentaler Erschöpfung. Gleichzeitig fällt es Außenstehenden häufig schwer, diese Belastung nachzuvollziehen, da die Erkrankung äußerlich oft nicht erkennbar ist. Die Folgen sind weitreichend: Viele Betroffene erleben einen hohen Rechtfertigungsdruck, beispielsweise wenn Termine kurzfristig abgesagt werden müssen oder wenn ihre Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit schwanken. Auch Angehörige, Freunde und Arbeitgeber sind häufig unsicher im Umgang mit der Erkrankung. Mit Blick auf die zunehmend heißen Sommer gewinnt das Thema zusätzlich an gesellschaftlicher Bedeutung. „Der Klimawandel betrifft auch die Lebensrealität von Menschen mit chronischen Erkrankungen“, so Uwe Meier. In Deutschland leben Schätzungen zufolge rund 280.000 Menschen mit Multipler Sklerose, und jedes Jahr kommen etwa 15.000 Neuerkrankungen hinzu. Im NeuroCentrum der St. Augustinus Gruppe werden aktuell rund 500 Menschen mit MS langfristig neurologisch begleitet und behandelt.
Was Betroffenen an heißen Tagen helfen kann
Uwe Meier rät Betroffenen insbesondere an heißen Tagen dazu, körperliche Belastungen in die Morgen- oder Abendstunden zu verlegen, ausreichend zu trinken und direkte Sonneneinstrahlung zu vermeiden. Ebenso wichtig sei jedoch mehr gesellschaftliches Verständnis für die oftmals unsichtbaren Einschränkungen der Erkrankung. „Viele Menschen mit MS wirken nach außen gesund und leistungsfähig“, erklärt Uwe Meier. „Umso wichtiger ist es, aufzuklären und Verständnis dafür zu schaffen, dass Hitze für Betroffene weit mehr sein kann als bloß unangenehmes Sommerwetter.“