Tolebrutinib bei sekundär progredienter Multipler Sklerose (SPMS)

Neue Therapie zugelassen

Für Menschen mit einer sekundär progredienten Multiplen Sklerose (SPMS) gibt es eine wichtige Neuigkeit: Die Europäische Kommission hat den Wirkstoff Tolebrutinib zur Behandlung einer bestimmten Form der SPMS zugelassen. Damit steht erstmals in Europa eine Therapie zur Verfügung, die gezielt die schleichende Behinderungszunahme bei einer SPMS ohne Schübe verlangsamen soll.

 

Was ist das Besondere an Tolebrutinib?

Die meisten MS-Medikamente wirken vor allem gegen Entzündungen, die Schübe verursachen. Viele Patientinnen und Patienten erleben jedoch irgendwann eine Phase, in der die Erkrankung auch ohne erkennbare Schübe langsam fortschreitet. Gerade für diese Form der MS gab es bislang nur sehr begrenzte Behandlungsmöglichkeiten. Tolebrutinib gehört zu einer neuen Wirkstoffklasse, den sogenannten BTK-Hemmern. Der Wirkstoff kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden und wirkt dadurch auch auf Entzündungsprozesse direkt im Gehirn und Rückenmark. Wissenschaftler vermuten, dass gerade diese chronischen Entzündungen wesentlich zur schleichenden Behinderungszunahme beitragen.

 

Für wen kommt die Therapie infrage?

Die Zulassung gilt nicht für alle Menschen mit MS. Tolebrutinib ist zugelassen für Erwachsene mit einer so genannten sekundär progredienten MS, die in den vergangenen zwei Jahren keine Schübe mehr hatten. Gerade diese Patientengruppe hatte bislang nur sehr wenige wirksame Behandlungsmöglichkeiten.

 

Für wen ist Tolebrutinib derzeit nicht vorgesehen?

Die Therapie ist derzeit nicht zugelassen

  • bei schubförmiger MS (RRMS),
  • bei primär progredienter MS (PPMS),
  • oder bei einer sekundär progredienten MS mit weiterhin auftretenden Schüben.

Ob andere Therapien in diesen Situationen sinnvoll sind, muss immer individuell mit der behandelnden Neurologin oder dem behandelnden Neurologen besprochen werden.

 

Was kann man von der Behandlung erwarten?

Wichtig ist eine realistische Erwartung: Tolebrutinib kann die MS nicht heilen und bereits eingetretene Behinderungen in der Regel nicht rückgängig machen. Ziel der Behandlung ist vielmehr, die weitere Verschlechterung möglichst zu verlangsamen und dadurch Selbstständigkeit und Lebensqualität länger zu erhalten. Genau darin liegt die besondere Bedeutung dieser neuen Therapie.

 

Gibt es Besonderheiten bei der Behandlung?

Wie alle wirksamen Medikamente kann auch Tolebrutinib Nebenwirkungen haben. Besonders wichtig ist die Überwachung der Leberwerte. Deshalb werden vor Beginn der Behandlung und anschließend in regelmäßigen Abständen Blutuntersuchungen durchgeführt. Ob die Therapie geeignet ist, wird individuell nach einer ausführlichen neurologischen Beratung entschieden.

 

Was bedeutet das für unsere Patientinnen und Patienten?

Die Zulassung von Tolebrutinib ist ein wichtiger Fortschritt in der MS-Therapie. Erstmals steht eine Behandlung speziell für Menschen mit einer sekundär progredienten MS ohne Schübe zur Verfügung, bei denen bisher nur wenige therapeutische Möglichkeiten bestanden. Ob die Therapie im Einzelfall sinnvoll ist, prüfen wir gemeinsam im Rahmen unserer MS-Sprechstunde. Dabei berücksichtigen wir den bisherigen Krankheitsverlauf, aktuelle MRT-Befunde und mögliche Begleiterkrankungen und beraten Sie individuell zu Nutzen und Risiken der Behandlung.

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