Häusliche Pflege braucht ein Netzwerk

Wie Angehörige Unterstützung finden
Dagmar Mende, Pflegetrainerin, mit Angehöriger im Gespräch

Zum Weltschlaganfalltag am 29. Oktober stehen in diesem Jahr die Angehörigen im Mittelpunkt. Denn ein Schlaganfall verändert nicht nur das Leben der Betroffenen, sondern häufig auch das ihrer Familien. Wie wichtig Unterstützung in dieser Situation ist und wie sie konkret aussehen kann, weiß Dagmar Mende. Seit rund zehn Jahren begleitet sie als Pflegetrainerin in der Mauritius Therapieklinik pflegende Angehörige auf ihrem Weg in einen neuen Alltag.

Rund 7,1 Millionen Menschen (pflege.de-Studie 2025) in Deutschland pflegen einen Angehörigen zu Hause. Gemeinsam bilden sie damit den oft als „größten Pflegedienst des Landes“ bezeichneten Teil der pflegerischen Versorgung. Hinter dieser beeindruckenden Zahl stehen Millionen persönliche Geschichten – von Fürsorge, Verantwortung und Zusammenhalt, aber auch von Erschöpfung, Unsicherheit und der Herausforderung, den eigenen Alltag mit der Pflege eines nahestehenden Menschen zu vereinbaren. Neben der Sorge um den geliebten Menschen tauchen viele Fragen auf: Wie soll die Pflege zu Hause funktionieren? Welche Unterstützung steht uns zu? Was kann ich selbst leisten – und wo liegen meine Grenzen?

„Ich bin voller Bewunderung für pflegende Angehörige, weil sie sehr viel leisten“, sagt Dagmar Mende. Und sie weiß aus ihrer Erfahrung: Niemand sollte diese Aufgabe allein bewältigen müssen.

 

Viele helfende Hände machen den Unterschied

Es heißt, um ein Kind großzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf. Ähnlich ist es bei der Pflege eines Angehörigen. Auch hier braucht es Menschen, die unterstützen, entlasten und füreinander da sind. Familie, Freunde und Nachbarn können dabei eine wichtige Rolle spielen. Viele Menschen möchten gerne helfen, wissen aber oft nicht genau, wie. Manchmal braucht es deshalb nur eine konkrete Bitte: Wer kann beim Einkaufen unterstützen? Wer übernimmt einen Fahrdienst? Wer kann regelmäßig vorbeischauen, damit pflegende Angehörige auch einmal Zeit für sich haben?

Genau hier setzt die Familiale Pflege der Mauritius Therapieklinik an. Sie hilft Angehörigen, ein tragfähiges Unterstützungsnetzwerk aufzubauen, eigene Ressourcen zu erkennen und gleichzeitig die persönlichen Belastungsgrenzen im Blick zu behalten.

 

Orientierung im Dschungel der Zuständigkeiten

Pflege bedeutet nicht nur körperliche und emotionale Fürsorge. Häufig kommen organisatorische und finanzielle Fragen hinzu. Wie beantrage ich einen Pflegegrad? Welche Leistungen stehen uns zu? Wer ist zuständig – die Kranken- oder die Pflegekasse? Die Familiale Pflege bietet Orientierung im oft unübersichtlichen System der Unterstützungsleistungen. Dabei geht es um weit mehr als praktische Informationen. Im Gespräch entsteht Raum für Sorgen, Ängste, Unsicherheiten und auch für Gefühle wie Überforderung oder Scham. Alles darf angesprochen werden. Oft entstehen wichtige Antworten und neue Perspektiven schon im gemeinsamen Gespräch.

 

Sicherheit gewinnen durch praktisches Pflegetraining

Ein weiterer Schwerpunkt ist das praktische Pflegetraining. Angehörige lernen beispielsweise, wie sie pflegebedürftige Menschen beim Aufstehen, bei der Mobilisation oder bei alltäglichen Verrichtungen unterstützen können. Dabei zeigt sich häufig, dass Betroffene noch viel mehr selbst übernehmen können, als ihre Angehörigen zunächst vermuten. Entscheidend ist, zu wissen, wie man sie dabei richtig unterstützt und ihre vorhandenen Fähigkeiten aktiviert. Das schafft Sicherheit auf beiden Seiten, stärkt die Selbstständigkeit der Betroffenen und kann Angehörige im Alltag spürbar entlasten.

 

Damit das Leben zu Hause gelingt

Eine zentrale Frage begleitet die Arbeit von Dagmar Mende: Was braucht es, damit ein Leben zu Hause auch mit Pflegebedarf möglich ist? Denn was in der Klinik unter professioneller Begleitung gut funktioniert, kann im eigenen Zuhause ganz anders aussehen. Deshalb sind im Rahmen der Familialen Pflege auch Hausbesuche möglich. Gemeinsam wird geschaut, welche räumlichen und organisatorischen Voraussetzungen gegeben sind und was sich verändern lässt, um die Pflege sicher und alltagstauglich zu gestalten.

Das Ziel ist auch, den sogenannten Drehtüreffekt zu vermeiden: Wenn Menschen nach ihrer Entlassung aufgrund von Unsicherheiten, fehlendem Wissen oder mangelnder Unterstützung erneut ins Krankenhaus müssen. Stürze, Flüssigkeitsmangel oder andere vermeidbare Komplikationen können dazu beitragen. Gut vorbereitete Angehörige und ein passendes Unterstützungsnetzwerk können helfen, solche Risiken zu reduzieren.

Gut zu wissen: Die Familiale Pflege der Mauritius Therapieklinik steht allen pflegenden Angehörigen offen. Das Angebot ist nicht an einen Aufenthalt oder eine Behandlung in der Klinik gebunden.

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