Diabetes und Übergewicht

Steigt das Risiko für Diabetes bei Übergewicht?

Übergewicht, insbesondere Adipositas, ist ein Hauptrisikofaktor für die Entwicklung von Diabetes Typ 2. Mehr als 90 Prozent der Personen mit dieser Form des Diabetes leiden an schwerem Übergewicht. Zusätzlich können ungesunde Ernährung und mangelnde Bewegung das Risiko erhöhen. Bereits bei einem BMI (Body Mass Index) von 27 steigt das Risiko um 100 Prozent, an Typ-2-Diabetes zu erkranken.

Typ-2-Diabetes ist eine chronische Erkrankung, bei der sich der Zucker- oder Glukosespiegel im Blut erhöht. Die Ursache für die Erkrankung liegt darin, dass der Körper nicht wirksam auf Insulin reagieren kann oder nicht in der Lage ist, ausreichend Insulin zu produzieren. Bei Diabetes Typ 2 ist es oft erforderlich, den Blutzuckerspiegel mit Medikamenten oder Insulin zu regulieren. Eine Gewichtsabnahme kann jedoch dazu beitragen, dass der Körper besser auf Insulin anspricht und die Dosis reduziert werden kann.

Wir haben für Sie zusammengefasst, in welchem Zusammenhang Typ-2-Diabetes und Adipositas (krankhaftes Übergewicht) stehen und mit welchen Mitteln Sie der Erkrankung vorbeugen können.

Eine Ärztin klärt eine Patientin über den Zusammenhang von Diabetes und Übergewicht bzw. Adipositas auf.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Adipositas und Diabetes?

Adipositas ist eine chronische Erkrankung, die als starkes Übergewicht definiert wird und sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern auftreten kann. Von Adipositas Betroffene haben ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Diabetes mellitus Typ 2. Adipositas ist eine weit verbreitete Krankheit und kann außerdem zu einigen Folgeerkrankungen führen.

Das Gewicht steht in einem engen Zusammenhang mit dem Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken. Denn Fettleibigkeit und Übergewicht erhöhen das Risiko aufgrund von erhöhten Glukose- und Fettspiegeln im Blut. Diese erhöhten Spiegel können zu einer Insulinresistenz führen, was die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) überbeansprucht und zu einer Erschöpfung des Organs und schließlich zur Erkrankung Diabetes Typ 2 führen kann.

Das Risiko zu erkranken steigt bereits bei einem BMI von 25 kg/m² an und erhöht sich mit steigendem BMI noch weiter. Im Vergleich zu idealgewichtigen Personen (BMI 20 kg/m²) ist es bei einem BMI von 25 kg/m² drei- bis vierfach erhöht und bei Adipositas (BMI > 30 kg/m²) sogar dreißigfach erhöht. Diabetes, ebenso wie Adipositas, erfordern beide eine lebenslange Therapie und Kontrolle, um gesundheitliche Auswirkungen gering zu halten und Begleiterkrankungen zu vermeiden.

Was ist Diabetes, und wie entsteht die Erkrankung?

Diabetes mellitus ist eine chronische Erkrankung, die durch erhöhte Blutzuckerwerte sowie einen Insulinmangel bzw. eine verminderte Insulinempfindlichkeit gekennzeichnet ist. Es gibt zwei Hauptformen von Diabetes: Typ 1 und Typ 2. Diabetes Typ 2, der bei etwa 90 Prozent der Menschen mit Diabetes vorkommt, ist eine Zivilisationskrankheit, die durch ungesunde Ernährung und mangelnde Bewegung entsteht.

Diabetes Typ 1, der normalerweise im Kindes- und Jugendalter auftritt, ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem bestimmte Zellen der Bauchspeicheldrüse angreift und diese nicht mehr in der Lage sind, Insulin zu produzieren. Ist von Diabetes im Zusammenhang mit Übergewicht die Rede, ist meistens Diabetes Typ 2 gemeint. Früher wurde diese Form auch als „Altersdiabetes“ bezeichnet. Das ist allerdings irreführend, denn Diabetes Typ 2 entsteht nicht aufgrund des Alters, sondern aufgrund des Lebensstils und tritt immer früher auf. Daher sind mittlerweile auch zunehmend Kinder und Jugendliche betroffen.

Insulinresistenz

Die Ursache erhöhter Blutzuckerwerte bei Diabetes Typ 2 ist meist eine Insulinresistenz. Diese entsteht langsam und bleibt oft lange unbemerkt. Das ist problematisch, denn wenn ständig große Mengen an Kohlenhydraten im Blut vorhanden sind, werden die Zellen auf Dauer damit überfordert und bauen nach und nach ihre Rezeptoren für Insulin ab. Die Zellen werden unempfindlich gegenüber dem Insulin, was bedeutet, dass sie nicht mehr auf das Signal des Insulins reagieren. Dadurch bleibt zu viel Zucker im Blut und zu wenig Energie gelangt in die Zellen.

Ungesunde Ernährung

In der Regel gibt es mehrere Risikofaktoren, die zur Entstehung von Insulinresistenz und schlussendlich zu Diabetes Typ 2 bei Übergewicht beitragen:

  • Eine Ernährung, die reich an Kohlenhydraten ist, insbesondere große Mengen an einmalig zugeführten kohlenhydratreichen Lebensmitteln wie Süßigkeiten, Kuchen und Nudeln.
  • Eine Ernährung, die reich an Kalorien ist, denn insbesondere kalorienreiche Lebensmittel enthalten auch viele Kohlenhydrate und Zucker. Dies führt zu Übergewicht und einer Zunahme von Bauchfett – das viszerale Fettgewebe, welches sich im Bauchraum um die Organe sammelt. Dieses Gewebe produziert Stoffe, die eine Entzündungsreaktion und damit eine Insulinresistenz der Zellen fördern.

Metabolisches Syndrom

Eine Kombination aus Übergewicht, erhöhten Blutfettwerten, Bluthochdruck und Insulinresistenz wird als metabolisches Syndrom bezeichnet. Das metabolische Syndrom ist eng mit Übergewicht verbunden. Je mehr Übergewicht vorhanden ist und je größer die familiäre Vorbelastung, desto höher ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die Wahrscheinlichkeit zu erkranken ist etwa dreimal höher als bei Menschen ohne metabolisches Syndrom. Es besteht zudem auch ein erhöhtes Risiko, an Diabetes Typ 2 oder einer Fettleber zu erkranken. Früher galten diese Krankheiten als typische Alterserkrankungen, heutzutage sind jedoch immer mehr jüngere Menschen betroffen.

Genetik

Das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen. Da es viele genetische Merkmale gibt, die das Entstehen der Erkrankung fördern können, spielt auch die genetische Veranlagung eine Rolle.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Veranlagung nur das Risiko für die Erkrankung erhöht und nicht die Erkrankung selbst vererbt wird. Auch ohne genetische Veranlagung kann sich im Laufe des Lebens ein Typ-2-Diabetes entwickeln. Studien haben gezeigt, dass die tatsächliche Entstehung der Erkrankung in der Regel von äußeren Einflüssen wie Ernährung, körperliche Aktivität und Übergewicht abhängt – diese Risikofaktoren tragen entscheidend dazu bei, ob sich aus einer Veranlagung tatsächlich ein Typ-2-Diabetes entwickelt.

Eine Mitarbeiterin informiert eine Patientin darüber, wie sie Diabetes bei Übergewicht vorbeugen kann.

Wie kann man Adipositas und Diabetes vorbeugen?

Um Diabetes bei Übergewicht vorzubeugen, sind diese Maßnahmen sinnvoll:

  • Gewicht abnehmen
  • Regelmäßige Bewegung in den Alltag integrieren
  • Ausgewogene Ernährung mit vielen Ballaststoffen
  • Alkohol nur in Maßen genießen
  • Nicht rauchen
  • Blutdruck normalisieren
  • Ausreichend schlafen
  • Stress abbauen

Um Adipositas und dem damit verbundenen Diabetes sowie möglichen Folgeerkrankungen vorzubeugen, ist es wichtig, einen gesunden Lebensstil zu pflegen. Dieser beinhaltet sowohl ausreichende körperliche Aktivität als auch eine ausgewogene Ernährung. Denn die Ergebnisse vieler Studien zeigen, dass Adipositas die Lebenszeit je nach Ausmaß um bis zu zehn Jahre verkürzen kann.

Medizinerinnen und Mediziner betonen schon lange, dass viele Komplikationen und frühzeitige Todesfälle verhindert werden können, indem präventive Maßnahmen ergriffen werden. Dazu zählen unter anderem die Besteuerung ungesunder Lebensmittel, verbindliche Qualitätsstandards für die Kita- und Schulverpflegung sowie Verbote von an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel und Getränke.

Tipps für die Ernährung bei Diabetes mellitus Typ 2 und Adipositas

Für eine gesunde Ernährung bei Diabetes ist es wichtig, auf Lebensmittel wie Gemüse, Hülsenfrüchte, frisches Obst und Vollkornprodukte zu setzen. Diese enthalten viele Ballaststoffe, die dazu beitragen, dass der Blutzucker langsamer ansteigt. Es wird für Menschen mit Diabetes empfohlen, täglich etwa 40 Gramm Ballaststoffe zu sich zu nehmen.

Es gibt vier wichtige Schritte, um Diabetes mit einer ausgewogenen Ernährung vorzubeugen:

  1. Kohlenhydratzufuhr reduzieren durch eine Low-Carb-Ernährung
  2. Energiezufuhr reduzieren durch eine negative Energiebilanz
  3. natürliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Fleisch und Milchprodukte essen
  4. regelmäßig und bewusst essen, mit gründlichem Kauen
Patientinnen bei einer Informationsveranstaltung zur Therapie von Diabetes bei Übergewicht.

Ihr Weg zur Behandlung von Diabetes und Übergewicht

Diabetes ist eine häufige Folgeerkrankung bei Fettleibigkeit bzw. Adipositas – ein Grund mehr, Risikofaktoren zu erkennen und gezielt gegen die Erkrankung vorzugehen. Eine erfolgreiche Behandlung von Adipositas erfordert die Unterstützung von Familie, Freunden und professionellen Stellen. Eine Therapie kann in einer spezialisierten Klinik sowie durch die Teilnahme an Selbsthilfegruppen und die Beratung durch Therapeutinnen und Therapeuten erfolgen.

Eine erfolgreiche Behandlung von Adipositas erfordert eine Veränderung des Lebensstils. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Motivation und Eigenverantwortung der Betroffenen sowie die Zusammenarbeit mit anderen – etwa Freunden, Familie oder Therapeutinnen und Therapeuten. Es ist wichtig, dass adipöse Menschen sich nicht durch Stigmatisierung und negative Äußerungen entmutigen lassen. Vielmehr sollten sie sich Unterstützung suchen, um einen gesunden Lebensstil aufzubauen und dauerhaft zu erhalten.

Die St. Augustinus Gruppe bietet eine vielseitige Behandlung von Adipositas, einschließlich konservativer Methoden wie Ernährungsumstellung, Bewegungsförderung und Medikamenten, und gegebenenfalls – abhängig von der spezifischen Diagnose und dem Fortschritt der Therapie – auch bariatrische Operationen.

Kliniken und Einrichtungen der St. Augustinus Gruppe mit Schwerpunkt Adipositas

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Das Bild zeigt ein savita Gesundheitszentrum von außen.

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Wir beantworten Ihre Fragen zum Thema Diabetes und Adipositas

FAQ

Welche Symptome können bei Übergewicht auf Diabetes hindeuten?

Symptome, die bei Übergewicht auf Diabetes Typ 2 hindeuten können, sind:

  • Durst
  • häufiges Wasserlassen
  • Gewichtsverlust und Müdigkeit
  • Sehstörungen
  • trockene Haut und Juckreiz
  • Appetitlosigkeit und Hungerattacken
  • Potenzstörungen
  • Muskelkrämpfe
  • Nervenerkrankungen
  • schlecht heilende Wunden
  • Harnwegsinfekte
  • Menstruationsstörungen und eine verminderte Fruchtbarkeit bei Frauen
  • psychische Veränderungen, z. B. aggressive Verhaltensweisen

Verschwindet der Diabetes nach der Gewichtsabnahme?

Studien haben gezeigt, dass eine Gewichtsreduktion durch eine kalorienarme Diät in Kombination mit Ernährungsberatung dazu beitragen kann, den Typ-2-Diabetes bei vielen Menschen zurückzudrängen.

Haben Menschen mit Übergewicht immer Diabetes?

Menschen mit Übergewicht haben ein höheres Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken. Je höher der Body-Mass-Index (BMI) ist, desto höher ist das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken. Expertinnen und Experten stellten einen Anstieg um 20 Prozent pro 1 kg/m² höherem BMI fest.

Mangelnde Bewegung, übermäßiger Konsum von energie- und zuckerreichen Nahrungsmitteln und Veränderungen in der Botenstofffreisetzung aus dem Fettgewebe können die Entstehung der Insulinresistenz bei Adipositas fördern.

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