Chronische Wunden

Wie werden chronische Wunden behandelt?

Ein Sturz oder ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit im Alltag können rasch zu größeren und kleineren Verletzungen führen. Während kleinere Verletzungen in den meisten Fällen rasch verheilen, können größere Wunden mehr Zeit in Anspruch nehmen, insbesondere solche, die genäht werden müssen. Diese treten häufig im Bereich des Fußes und Unterschenkels auf und benötigen besondere Aufmerksamkeit bei der Wundbehandlung. Die Ursachen für chronische Wunden sind vielfältig: Oft liegen ihnen Grunderkrankungen oder Mangelerscheinungen zugrunde.

Chronische Wunden werden durch regelmäßige Reinigung und das Anlegen von Verbänden und Wundauflagen behandelt. Spezielle Verfahren wie Vakuumversiegelung oder Hauttransplantationen können ebenfalls eingesetzt werden, insbesondere wenn Wunden über längere Zeit trotz Behandlung nicht abheilen​​​​.

Doch ab wann gilt eine Wunde als chronisch und wer darf chronische Wunden versorgen? Wir erklären außerdem, was chronische Wunden sind und wie chronische Wunden behandelt werden.

Eine medizinische Fachkraft erklärt einer Frau die Definition von chronischen Wunden.

Definition: Was sind chronische Wunden?

Chronische Wunden sind per Definition Wunden, die nicht den normalen Heilungsprozess durchlaufen und sich nicht innerhalb von etwa vier bis 12 Wochen schließen. Diese Art von Wunden kann beispielsweise aufgrund von Durchblutungsstörungen, Diabetes mellitus oder einem geschwächten Immunsystem entstehen und erfordert eine spezielle Behandlung, um in den normalen Heilungsprozess übergehen zu können.

Offenen chronischen Wunden liegt überwiegend eine unzureichende Wundheilung zugrunde, die sich durch andauernde Infektionen oder wiederkehrende Traumata kennzeichnet. Besonders häufig treten chronische Wunden als diabetisches Fußsyndrom oder Venen- und Druckgeschwüre (Dekubitus) auf. Die Diagnose und Behandlung chronischer Wunden erfordern eine ganzheitliche Betrachtung, die sowohl die Wunde selbst als auch die zugrunde liegenden Ursachen berücksichtigt.

Symptome chronischer Wunden

Zu den häufigsten Symptomen bei chronischen Wunden gehören:

  • starke Schmerzen, die die Bewegungsfähigkeit einschränken können
  • Nässen der Wunde, wobei Wundflüssigkeit unkontrolliert austreten kann
  • unangenehmer Geruch (Wundgeruch), oft durch Bakterien oder abgestorbenes Gewebe verursacht
  • Juckreiz, der besonders nachts zu Schlafproblemen führen kann
  • Verfärbungen und Beläge auf der Wundfläche und dem Wundgrund, die gelblich, bräunlich, schmierig, trocken oder schwärzlich sein können
  • Schwellungen im Bereich der Wunde

Diese bei chronischen Wunden auftretenden Symptome können nicht nur Auswirkungen auf die Lebensqualität haben, sondern auch zu sozialem Rückzug der Patientinnen und Patienten führen​. Sollten bei langsam abheilenden Wunden anhaltende Symptome wie starke Schmerzen, Nässen, ein unangenehmer Wundgeruch, Juckreiz, Verfärbungen und Schwellungen auftreten, sollten Betroffene zur Beurteilung und Beratung eine Ärztin oder ein Arzt aufsuchen.

Ursachen und Risikofaktoren für chronische Wunden

Ursachen und Risikofaktoren für chronische Wunden können vielfältig sein:

  • Durchblutungsstörungen: Eine unzureichende Durchblutung, verursacht durch arterielle oder venöse Erkrankungen (z. B. die arterielle Verschlusskrankheit), kann die Heilung beeinträchtigen und zu chronischen Wunden führen, insbesondere an Beinen und Füßen.
  • Diabetes mellitus: Erhöhte Blutzuckerwerte können die Blutgefäße schädigen und die Sensibilität der Extremitäten herabsetzen, was das Risiko für chronische Wunden, wie das diabetische Fußsyndrom, erhöht.
  • Immunschwäche: Ein geschwächtes Immunsystem, sei es durch einen allgemein schlechten Gesundheitszustand oder aufgrund der Behandlung von Krebs- oder Autoimmunerkrankungen, kann die Entzündungsanfälligkeit von Wunden verstärken.
  • Druck auf die Haut: Langanhaltender Druck auf bestimmte Körperstellen bei bettlägerigen Personen oder Rollstuhlfahrern kann chronische Druckgeschwüre, bekannt als Dekubitus, verursachen​​.

Bemerken Patientinnen und Patienten anhaltende Symptome oder sorgen sich um chronisch offene Wunden, sollten sie medizinischen Rat einholen. Die Ärztin oder der Arzt können die Ursache für die langsame Wundheilung identifizieren und eine passende Behandlung beginnen.

Beispiele für chronische Wunden

Beispiele für chronische Wunden sind Dekubitus (Druckgeschwür bzw. Wundliegen), das diabetische Fußsyndrom (diabetisches Fußulcus) sowie Ulcus cruris (offenes Bein).

  • Dekubitus: Beim Dekubitus handelt es sich um eine Verletzung der Haut und des darunterliegenden Gewebes, das meist durch anhaltenden Druck auf eine Körperstelle entsteht. Besonders rasch geschieht dies an Stellen über Knochenvorsprüngen. Vom Dekubitus sind daher häufig immobile Patienten und Patientinnen betroffen (Wundliegen).
  • Diabetisches Fußsyndrom: Das diabetische Fußsyndrom führt durch Nervenschäden und Durchblutungsstörungen zu schlecht heilenden, chronisch offenen Wunden an den Füßen. Da bei Diabetespatienten und -patientinnen das Schmerzempfinden verringert ist, bemerken diese Verletzungen oft erst spät.

Ulcus cruris: Ulcus cruris, das offene Bein, ist eine tiefe und schlecht heilende Wunde, meist am Unterschenkel. Sie kann aufgrund anhaltender Durchblutungsstörungen entstehen und durch venöse oder arterielle Insuffizienz verursacht werden.

Ein Arzt untersucht den Fuß einer Patientin auf chronische Wunden.

Diagnose: Wie erkennt man chronische Wunden?

Die Diagnose chronischer Wunden erfolgt durch eine sorgfältige Untersuchung, welche die Größe und Tiefe der Wunde, den Zustand des Wundrandes und der umgebenden Haut, die Wundfarbe, den Geruch sowie das Austreten von Flüssigkeit und die Intensität von Schmerzen und Juckreiz berücksichtigt. Sie erfordert eine ausführliche Anamnese, die Untersuchung des Gefäßsystems sowie bakteriologische Tests. Wundexperten und -expertinnen verschiedener Disziplinen arbeiten in spezialisierten Kliniken oder Einrichtung für chronische Wunden eng zusammen, um eine umfassende Beurteilung und Behandlung zu gewährleisten. Im Allgemeinen richten sich diese nach der ABCDE-Regel, die von der Initiative Chronische Wunden e.V. (ICW) empfohlen wird:

  • A – Anamnese: Bei der Anamnese werden Patientinnen und Patienten sowie deren pflegende Angehörige zu aktuellen und vergangenen Wunden befragt.
  • B – Bakterien: Ein Abstrich hilft festzustellen, ob sich in der Wunde Bakterien oder multiresistente Erreger befinden, wobei manchmal auch Gewebeproben notwendig sind.
  • C – Klinische Untersuchung: Hierbei untersucht der Arzt bzw. die Ärztin die Wunde, den Wundrand sowie die Wundumgebung.
  • D – Durchblutung: Die Durchblutung im Wundgebiet wird untersucht, um festzustellen, welche Begleittherapie erforderlich ist.
  • E – Extras: Das Fachpersonal kann weitere Untersuchungsmethoden wie Gewebeproben einsetzen, um die Ursache der chronischen Wunde zu ermitteln.

Chronischen Wunden vorbeugen

Patientinnen und Patienten können die Entstehung chronischer Wunden mit der richtigen Prävention vermeiden: 

  • Hautpflege: Eine regelmäßige Körper- und Hautpflege kann die besonders im Alter dünner und empfindlicher werdende Haut schützen.
  • Sturzprophylaxe: Stürze können Hautschädigungen verursachen, die zu chronischen Wunden führen können, weshalb Maßnahmen zur Sturzprophylaxe wichtig sind. 
  • Immunsystem stärken: Ein starkes Immunsystem unterstützt auch die Hautgesundheit. Hierzu eignen sich ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung. Vitamine und Proteine aus der Ernährung benötigt der Körper zudem für die Wundheilung, insbesondere bei vorliegenden Grunderkrankungen wie Diabetes.
  • Grunderkrankungen erkennen und behandeln: Wenn Grunderkrankungen früh erkannt und behandelt werden, kann dies das Risiko von chronischen Wunden minimieren. Aus diesem Grund sollte zur Prävention regelmäßig ein Arzt bzw. eine Ärztin aufgesucht werden.

Sollte eine Diabetes vorliegen, ist eine fortlaufende Fußpflege sehr wichtig. Besteht eine chronisch-venöse Insuffizienz, so können das Tragen von Kompressionsstrümpfen sowie das Behandeln der Krampfadern helfen. Bei Infektionen unterstützen Antibiotika und spezielle Wundbehandlungen wie Débridements. Hierbei wird abgestorbenes, infiziertes oder beschädigtes Gewebe aus der chronischen Wunde entfernt.

Behandlung von chronischen Wunden

Die Behandlung chronischer Wunden erfordert einen multidisziplinären Ansatz, der die zugrundeliegenden Ursachen angeht und die Wundheilung fördert. Zur Therapie von chronischen Wunden können gefäßchirurgische Verfahren, plastisch-rekonstruktive Eingriffe sowie dermatologische Therapien eingesetzt werden. Diese dienen dazu, die Durchblutung zu verbessern, beschädigte Hautschichten zu reparieren und die Heilung zu unterstützen.

Gefäßchirurgische Behandlung chronischer Wunden

Bei chronischen Wunden können bei der Behandlung gefäßchirurgische Eingriffe die Blutzufuhr verbessern, z. B. bei einer Verschlusskrankheit. Verengte Arterien werden hierbei geöffnet, was die Durchblutung zu den Wundgebieten steigert. Dies geschieht beispielsweise durch eine Bypass-Operation oder das Entfernen von Blockaden in den Gefäßen. Ob und welche Art gefäßchirurgischer Eingriffe durchgeführt werden, kann ein Team aus Spezialisten und Spezialistinnen der Gefäßchirurgie anhand der Ursache und Lage der Wunde bestimmen.

Behandlung von chronischen Wunden in der plastischen Chirurgie

Auch die plastische Chirurgie kann bei der Behandlung chronischer Wunden unterstützend eingesetzt werden. Dies wird nötig, wenn konservative Behandlungsmethoden nicht zur vollständigen Heilung einer chronischen Wunde führen, z. B. bei einem Dekubitus. In der plastischen Chirurgie können auch Hauttransplantationen vorgenommen werden, bei denen die Haut von einer Stelle des Körpers entnommen und an die Stelle der Wunde übertragen wird, um diese zu verschließen. Transplantationen können die Funktionalität und das Erscheinungsbild des betroffenen Bereichs verbessern und die Lebensqualität der Patienten und Patientinnen erhöhen.

Dermatologische Therapie chronischer Wunden

Bei chronischen Wunden kann eine dermatologische Behandlung unterschiedliche Maßnahmen umfassen:

  • Wundauflagen: Auf die Bedürfnisse chronischer Wunden abgestimmte Wundauflagen können ein optimales Wundmilieu zum Heilen schaffen.
  • Medikamente und Cremes: Medikamenten und Cremes können dabei helfen, die Heilung zu fördern und Infektionen bei der Wundversorgung chronischer Wunden einzudämmen.

Debridements: Beim Wund-Debridements wird verletztes oder beschädigtes Gewebe entfernt, um die Regeneration der Hautschichten zu verbessern.

Eine Patientin lässt sich von einer Ärztin zum Thema chronische Wunden beraten.

Beratung: Lassen Sie sich bei chronischen Wunden medizinisch unterstützen

Sind Sie oder Ihre Angehörigen von chronischen Wunden betroffen, sollte eine effektive Behandlung und Beratung zum Vermeiden von Komplikationen und der Verschlechterung der Lebensqualität an oberster Stelle stehen. Die passende frühzeitige und professionelle medizinische Unterstützung finden Sie in spezialisierten Einrichtungen und Kliniken für chronische Wunden, wie die der St. Augustinus Gruppe. Diese bieten Ihnen umfassende Behandlungsmöglichkeiten, Fachexpertise und Beratung bei chronischen Wunden an. Darüber hinaus unterstützen sie Patientinnen und Patienten nicht nur bei der Wundversorgung chronischer Wunden, sondern auch beim Erkennen und Behandeln der Wundursachen.

Kliniken der St. Augustinus Gruppe mit Schwerpunkt Chirurgie

Wir beantworten Ihre Fragen zum Thema chronische Wunden

FAQ

Ab wann spricht man von einer chronischen Wunde?

Eine Wunde wird als chronisch klassifiziert, wenn sie nicht im Rahmen des normalen Heilungsprozesses innerhalb von etwa vier bis zwölf Wochen heilt. Chronische Wunden zeigen oft wiederkehrende oder fortwährende Heilungsstörungen und benötigen eine spezialisierte medizinische Behandlung.

Wer darf chronische Wunden versorgen?

Chronische Wunden sollten von geschultem Gesundheitspersonal, wie zertifizierten Wundexperten und Wundexpertinnen, Pflegefachkräften oder Ärztinnen und Ärzten, die in der Wundversorgung erfahren sind, behandelt werden.

Was ist der Expertenstandard für chronische Wunden?

Unbehandelte chronische Wunden können ernsthafte Gesundheitsrisiken darstellen, einschließlich Infektionen, Gewebeverlust und möglicherweise lebensbedrohlichen Zuständen wie Sepsis. Sie können auch zu langfristigen Beeinträchtigungen führen und die Lebensqualität signifikant mindern.

Was ist eine akute chronische Wunde?

Der Begriff „akute chronische Wunde“ könnte sich auf eine länger bestehende Wunde beziehen, die plötzlich akute, sich schnell verschlechternde Symptome aufweist, was eine umgehende medizinische Behandlung erfordert.

Akute chronische Wunden gibt es an sich nicht, da akute Wunden in der Regel solche sind, die kürzlich entstanden sind und voraussichtlich einem normalen Heilungsprozess folgen werden. Im Gegensatz dazu sind chronische Wunden langanhaltend und heilen nicht ohne spezielle Behandlung.

 

Das sagen unsere Experten zum Thema chronische Wunden

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