Chest Pain Unit (CPU)

Schnelle medizinische Versorgung und Behandlung auf der CPU

Bei einem Herzinfarkt kommt es auf jede Minute an: Ein schnelles Erkennen und Handeln bei Brustschmerzen kann Leben retten, denn der akute Herzinfarkt ist in Deutschland und anderen Industrienationen immer noch die häufigste Todesursache. In der Praxis nimmt es oft zu viel Zeit in Anspruch, bevor eindeutig geklärt ist, ob die Symptome auf ein akutes Koronarsyndrom zurückzuführen sind oder nicht. Um Patientinnen und Patienten mit Brustschmerzen noch schneller und effektiver behandeln zu können, verfügt auch die St. Augustinus Gruppe im Rahmen des SOS-Zentrums über eine sogenannte Chest Pain Unit (CPU, deutsch: Brustschmerzeinheit oder Brustschmerzambulanz) im Johanna Etienne Krankenhaus in Neuss.

Kliniken oder Krankenhäuser mit einer CPU-Zertifizierung haben eine kardiologische Spezialeinheit, die auf die Diagnostik und Therapie sowie Versorgung von Patientinnen und Patienten mit akuten Brustschmerzen spezialisiert ist. Sowohl das medizinische Personal als auch Mitarbeitende der Pflege in der Chest Pain Unit sind speziell geschult, um die Prozesse in der Notaufnahme zu optimieren und die Zeit bis zur Abklärung beim Verdacht auf Herzinfarkt drastisch zu verkürzen.


 

Eine Chest Pain Unit (CPU) im Krankenhaus.

Was ist eine Chest Pain Unit?

Die Chest Pain Unit (CPU) ist eine Spezialeinheit innerhalb eines Krankenhauses oder eines Klinikums, in der Patientinnen und Patienten mit unklaren akuten Brustschmerzen behandelt werden. Standardisierte diagnostische Untersuchungen am Herzen ermöglichen es der CPU schnell zu überprüfen, ob ein Herzinfarkt oder eine Herzerkrankung Ursache für die Brustschmerzen ist.

Eine CPU ist eine besondere, sowohl organisatorische wie räumliche Einheit innerhalb der Ambulanz eines Krankenhauses, die ein speziell geschultes medizinisches und pflegerisches Team aus den Fachbereichen Kardiologie und Angiologie vereint. Die Chest Pain Unit sorgt dafür, dass Patientinnen und Patienten als Notfall und bei Verdacht auf einen Herzinfarkt schnell und optimal versorgt werden. Im Prinzip handelt es sich bei der Brustschmerzambulanz um eine Notaufnahme, die mit den modernsten Mitteln ausgestattet ist und deren hochprofessionelles Team rund um die Uhr zur Verfügung steht. Zur CPU in einem Krankenhaus oder einer Klinik gehören immer auch ein Herzkatheterlabor und eine Intensivstation.

Denn die Besatzung des Rettungswagens kann oft bereits am Einsatzort durch eine EKG-Ableitung einen akuten Herzinfarkt diagnostizieren. Ist das der Fall, wird noch vor dem Transport ins Krankenhaus Kontakt mit dem Herzkatheterlabor aufgenommen. Die Daten werden übermittelt, um bei Ankunft sofort mit der Behandlung der Herzinfarktpatientin bzw. des Herzinfarktpatienten zu beginnen. Falls die Ursache für die Brustschmerzen unklar und es nicht sicher ist, ob es sich um einen Herzinfarkt handelt, fährt der Rettungswagen die CPU an. Das medizinische Team der CPU kann dann weitergehende Untersuchungen durchführen: Es erfasst z. B. Herzinfarkt-relevante Marker im Blut, setzt bildgebende Verfahren ein und beobachtet unter EKG-Ableitung kontinuierlich weiter.

 

Diese Erkrankungen werden in der Brustschmerzambulanz behandelt

Häufig können selbst harmlose Funktionsstörungen im Körper starke Brustschmerzen verursachen. Es kann sich aber auch um schwerwiegende Herz-Kreislauferkrankungen handeln. In der CPU kümmert sich ein kompetentes und speziell geschultes Team um die Diagnostik und Behandlung dieser lebensbedrohlichen Erkrankungen. Denn bei einem Herzinfarkt kann jede Minute über den Genesungsverlauf der Herzinfarktpatientinnen oder Herzinfarktpatienten entscheiden.

Akutes Koronarsyndrom

Unter dem Begriff akutes Koronarsyndrom versteht man die Krankheitsbilder instabile Angina pectoris, den Herzinfarkt und den plötzlichen Herztod. Die Erkrankung ist lebensgefährlich und verlangt umgehende Behandlung. Ihre Symptome können sich langsam entwickeln und an Stärke zunehmen, sie können aber auch ganz plötzlich und unerwartet auftreten. Je nach Risiko sind operative Eingriffe notwendig. Bei geringem Risiko kann auch die Einnahme von Medikamenten ausreichend sein.

 

Lungenarterienembolie

Bei einer Lungenarterienembolie, auch Lungenembolie genannt, kommt es zu einem plötzlichen Verschluss von Blutgefäßen in der Lunge. Diese Erkrankung tritt mit zunehmendem Alter gehäuft auf und wird oft nicht erkannt. Auslöser für eine Lungenembolie ist in den meisten Fällen eine Thrombose. Wenn es zum vollständigen Verschluss einer Lungenarterie kommt, kann Lungengewebe für immer zerstört werden, weshalb eine rasche Diagnostik und Behandlung wichtig sind.

Akutes Aortensyndrom

Erkrankungen der Aorta sind oft Ursachen für Brustschmerzen. Nach dem Herzinfarkt und noch vor der Lungenembolie ist ein Aortensyndrom die häufigste akut lebensbedrohende Erkrankung. Zum akuten Aortensyndrom gehören Risse in der Gefäßwand von Aorten, Einblutungen in die Aorten sowie der Austritt von Blut durch die Gefäßwand. Das Syndrom äußert sich in sehr starken Brustschmerzen, aber es fehlen klassische Symptome für einen Herzinfarkt wie kalter Schweiß oder die Ausstrahlung in den linken Oberarm oder Kiefer.

Spannungspneumothorax

Bei Patientinnen und Patienten, die an einem Spannungspneumothorax leiden, sammelt sich Luft zwischen der Brustwand und der Lunge an, was den Druck im Brustkorb erhöht. Dadurch verringert sich die Blutmenge, die zurück ins Herz geleitet wird.  Häufige Symptome für einen Spannungspneumothorax sind Brustschmerzen, Kurzatmigkeit, beschleunigte Atmung und Herzrasen mit den damit verbundenen Schockzuständen. Zur Behandlung ist eine schnelle Versorgung erforderlich, bei der die Luft entfernt wird.

Ösophagusruptur

Unter einer Ösophagusruptur versteht man eine eingerissene Speiseröhre, bei der ein Riss die Wand der Speiseröhre durchdringt. Ursachen für solche Risse können operative Eingriffe, schweres Erbrechen oder Schlucken von großen Nahrungsbestandteilen sein. Symptome einer Ösophagusruptur sind Schmerzen im Brustkorb und Oberbauch, Fieber und niedriger Blutdruck. Ein Speiseröhrenriss kann tödlich enden und erfordert daher umgehend eine operative Behandlung.

 

Ein Mitarbeitender der Kardiologie untersucht einen Patienten auf der Chest Pain Unit.

Schnelle Diagnostik und Therapie auf der Chest Pain Unit

Patientinnen und Patienten, die mit Brustschmerzen auf die Chest Pain Unit gebracht werden, bekommen nach ihrer Aufnahme Blut abgenommen, und sie werden an ein EKG angeschlossen. Im Anschluss wird eine Kardiologin oder Kardiologe bzw. eine Ärztin oder ein Arzt der Angiologie oder einer ähnlichen Fachrichtung mit kardiologischer Kompetenz hinzugezogen. Es erfolgt eine Ersteinschätzung, ob es sich bei den Beschwerden tatsächlich um eine Herz-Kreislauferkrankung handelt oder um Beschwerden, die nicht auf das Herz zurückzuführen sind (denn auch Magengeschwüre oder muskuläre Fehlfunktionen können zu Brustschmerzen führen). 

Wurden anderweitige Erkrankungen ausgeschlossen und steht also eine Herz-Kreislauferkrankung im Verdacht, wird diese möglichst schnell differenziert, um eine entsprechende Behandlung in die Wege zu leiten.

Möglichkeiten einer umfassenden kardiologischen Diagnostik für die Untersuchungen von Patientinnen und Patienten auf der CPU sind unter anderem:

  • Herzultraschall von der Brust und von der Speiseröhre aus
  • Computertomographie des Herzens, der Hauptschlagader und der Lunge
  • endoskopische Diagnostik in durchgehender 24-Stunden-Bereitschaft

Ihr Kontakt zu uns

Patientinnen und Patienten mit dem Verdacht auf Herzinfarkt finden in der Chest Pain Unit des Johanna Etienne Krankenhauses eine erste Anlaufstelle. Die Brustschmerzambulanz unter Leitung von Prof. Dr. med. Jens Encke ist seit November 2016 als Chest Pain Unit zertifiziert. Eine Re-Zertifizierung fand im November 2019 statt.

Das zeichnet die zertifizierte Chest Pain Unit aus:

 

- 24 Stunden verfügbar
- medizinisch-technisch hochwertige Ausstattung der CPU
- routiniertes und kompetentes Team
- enge Kooperation mit den zuständigen Rettungsleitstellen
- Herzkatheterlabor
- Intensivstation
- einfühlsame Rund-um-Pflege in der Chest Pain Unit

Direkte Behandlung von Patienten in der Brustschmerzambulanz

Aufgrund der Symptomatik und der EKG-Auswertung sollten Patientinnen und Patienten, bei denen der Verdacht auf einen gefährlichen Herzinfarkt besteht, innerhalb von zehn Minuten diagnostiziert sein. Solche Herzinfarkte, die auf einem vollständigen Gefäßverschluss beruhen, heißen ST-Streckenhebungsinfarkte (STEMI). Bei einem solchen Streckenhebungsinfarkt werden die Herzinfarktpatientinnen oder Herzinfarktpatienten sofort in das Herzkatheterlabor zur Wiedereröffnung des Herzgefäßes gebracht.

Es gibt noch zwei Untergruppen des akuten Koronarsyndroms: die instabile Angina Pectoris und der Nicht-ST-Streckenhebungsinfarkt (NSTEMI). Zur Differenzierung der Streckenhebungsinfarkte verwendet das kompetente Team der Chest Pain Unit die ermittelten Laborwerte. Dabei sind die Marker für die Entdeckung eines Herzmuskelschadens, die Troponine, wichtig: Sind diese entweder sofort bei Aufnahme der Patientin oder des Patienten bzw. bei einer Kontrolle nach sechs Stunden erhöht, liegt ein NSTEMI, also auch ein Herzinfarkt vor.

Ansonsten handelt es sich um eine instabile Angina pectoris. Für alle diese unterschiedlichen Krankheitsbilder werden in der Brustschmerzeinheit spezielle, standardisierte Therapie- und Diagnoseverfahren angewendet. Je nachdem welche Differentialdiagnose besteht, erhält die Herzinfarktpatientin oder der Herzinfarktpatient gerinnungshemmende Mittel wie Heparin, Hemmstoffe der Blutplättchen oder eine andere Behandlung. Auch operative Eingriffe sind möglich.

 

Zwei Kardiologen bei der Durchführung einer koronaren Intervention auf der Chest Pain Unit.

Koronare Intervention

Herzinfarktpatientinnen und Herzinfarktpatienten auf der Chest Pain Unit haben nach der Diagnostik die Möglichkeit einer Behandlung mittels koronarer Intervention. Die sogenannte perkutane koronare Intervention ist ein therapeutisches Verfahren der Kardiologie. Bei einer koronaren Intervention werden verengte oder vollständig verschlossene Herzarterien wieder erweitert. Das Verfahren ist in der Regel die erste Form der Therapie bei einem akuten Herzinfarkt, es kann aber auch zur Behandlung des instabilen akuten Koronarsyndroms eingesetzt werden.

 

 

Krankenhaus der St. Augustinus Gruppe mit einer Chest Pain Unit

in Neuss

Abgebildet ist das Johanna Etienne Krankenhaus in Neuss.

Wir beantworten Ihre Fragen zum Spezialgebiet Chest Pain Unit

FAQ

Was sind Anzeichen für einen Herzinfarkt?

Anzeichen für einen Herzinfarkt sind beispielsweise:

  • schwere, lang andauernde Brustschmerzen (mit Ausstrahlung in beide Arme, in den Bauch, zwischen die Schulterblätter und in den Kiefer)
  • Schmerzen im Hals oder Oberbauch 
  • Brennen oder Engegefühl im Brustkorb
  • Erbrechen
  • Luftnot
  • Blässe und kalter Schweiß
  • plötzlicher Kreislaufzusammenbruch (mit oder ohne Bewusstlosigkeit)
  • bei Frauen treten oft ausschließlich Luftnot, Übelkeit und Erbrechen auf

Was sind die Aufgaben der Chest Pain Unit?

Die Aufgabe einer Chest Pain Unit besteht darin, eine schnelle und eindeutige Diagnostik inklusive EKG, laborchemischer Tests und weiterer Untersuchungen anzubieten, um so Herzinfarkte bzw. Differentialdiagnosen frühzeitig zu erkennen oder ausschließen zu können. 

Wie erhält ein Krankenhaus die Zertifizierung als Chest Pain Unit?

Eine Einrichtung erhält die Zertifizierung als Chest Pain Unit (CPU), wenn sie die nötigen Voraussetzungen bezüglich des Personals, der Infrastruktur und Technik erfüllt. Chest Pain Units müssen in der Regel von Kardiologinnen oder Kardiologen geleitet werden und sind an eine kardiologische Klinik mit Herzkatheterlabor und Intensivstation angegliedert.

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