Spezialgebiet lokale Tumortherapie

Gezielte Behandlung von lokalen Tumoren und Metastasen

Die Zellen im menschlichen Körper teilen sich immer wieder. Kommt es dabei zu Fehlern, kann sich neues Gewebe bilden. Solche Geschwulste oder Schwellungen können überall im Körper entstehen und werden als Tumore bezeichnet – sie können gut- oder bösartig sein. Viele bösartige Tumore können aufgrund ihrer Lage, Ausdehnung oder Größe nicht einfach operativ entfernt werden. Wenn der Tumor bereits Metastasen gebildet hat, wird üblicherweise eine Chemotherapie oder eine Strahlentherapie empfohlen. Befinden sich Tumor und Metastasen aber sehr beschränkt in einer Region oder einem Organ (z. B. Lunge, Leber, Becken, Nieren, Brust, in den Knochen oder im Weichgewebe), kann auch eine interventionelle regionale Behandlung erfolgen, die sogenannte lokale Tumortherapie. 

Um die bestmögliche Behandlung der Patientinnen und Patienten mit Karzinomen oder Sarkomen voranzutreiben, arbeiten die Expertinnen und Experten fachübergreifend zusammen. Deshalb findet für jeden Betroffenen eine individuelle Tumorkonferenz statt, bei der sich Fachkräfte aus den verschiedensten Bereichen wie z. B. Onkologie, Radiologie oder Hämatologie, zusammensetzen und die Patientinnen und Patienten, ihre Entwicklung und die individuelle Therapie besprechen.

Eine Onkologin erklärt einer Patientin im Tumorzentrum das Verfahren der lokalen Tumortherapie.

Was ist lokale Tumortherapie?

Lokale Tumortherapie (auch als regionale Tumortherapie bezeichnet) ist eine Methode der Präzisionsmedizin. Damit ist es möglich, Tumore und Metastasen gezielt zu behandeln. Je nach medizinischer Indikation der Patientin oder des Patienten wird das geeignetste minimal-invasive Verfahren zur Bekämpfung des Tumors angewendet.

Die lokale Krebstherapie hat gegenüber anderen Tumortherapien wie der Bestrahlung oder der Chemotherapie den Vorteil, dass sie räumlich begrenzt wirkt und so möglichst wenig gesundes Gewebe in Mitleidenschaft zieht. Während Ihrer gesamten Behandlung – vom Krankheitsverdacht bis hin zur Therapie – werden die Krebspatientinnen und -patienten stets einfühlsam betreut und bei allen Fragen und Sorgen gut von unseren Mitarbeitenden beraten.

Bei diesen Karzinomen und Sarkomen kann die lokale Tumortherapie in Betracht gezogen werden

Wenn sich ein Tumor noch nicht über eine Region oder ein Organ im Körper hinaus ausgebreitet hat, kann eine gezielte interventionelle Therapie angewendet werden – das ist z. B. häufig der Fall bei bösartigen Lebertumoren, aber auch bei Lungen- und bestimmten Knochentumoren. Ebenfalls zum Einsatz kommen kann die lokale Tumortherapie bei gutartigen Tumoren, wie etwa gutartige Muskelknoten der Gebärmutter.

Leberkrebs

Leberkrebs bzw. ein Leberkarzinom ist eine bösartige Erkrankung der Zellen in der Leber. Die häufigste Leberkrebsart ist der Leberzellkrebs, das sogenannte hepatozelluläre Karzinom (HCC). Die ersten Anzeichen der Erkrankung treten häufig erst im fortgeschrittenen Tumorstadium auf. Je früher der Krebs erkannt wird, desto größer sind die Heilungschancen.

Lungenkrebs

Lungenkrebs bzw. ein Bronchialkarzinom ist eine sehr häufige Krebserkrankung, die sich meist erst im späteren Verlauf der Krankheit bemerkbar macht. Symptome sind beispielsweise Husten, Gewichtsverlust, Luftnot oder Schmerzen in Brust und Knochen. Oft sind diese Anzeichen aber nicht eindeutig, weshalb eine gezielte Diagnose notwendig ist.

Brustkrebs

Brustkrebs tritt überwiegend bei Frauen auf, vereinzelt können aber auch Männer erkranken. Auf einen Tumor in der Brust können mehrere Anzeichen deuten, z. B. Veränderungen der Form und Größe der Brust oder ein Knoten in Brust oder Achselhöhle. Solche Symptome sollten umgehend von einer Ärztin oder einem Arzt untersucht werden.

Knochenkrebs

Knochenkrebs liegt vor, wenn das Knochengewebe von einem bösartigen Knochentumor befallen ist. Knochenkrebs verursacht entartete Zellen, die das umliegende gesunde Gewerbe zerstören können. Über die Blutbahn oder das Lymphsystem können zudem Krebszellen auch in andere Organe gelangen und dort Metastasen bilden.

Tumore im Weichgewebe

Ein Tumor im Weichgewebe, auch Sarkom genannt, kann an nahezu jeder Stelle im menschlichen Körper auftreten. Meist sind diese Tumore gutartig, es gibt aber bösartige Tumore in Muskulatur-, Fett-, Bindegewerbe oder an den Nerven. Sie erfordern eine spezialisierte Behandlung, zu der auch die lokale Tumortherapie gehört.

Beckentumor

Tumore des Beckenknochens verursachen zu Beginn der Erkrankung wenige bis keine Beschwerden. Sobald der Tumor in den Knochen wächst, kann sich das durch Schmerzen und Instabilität des Beckens bemerkbar machen. Ist die Erkrankung weit fortgeschritten, kann der betroffene Knochen auch brechen.

Nierenkrebs

Bösartige Tumore der Niere können sich aus verschiedenen Geweben bilden. Die häufigste Form ist das sogenannte Nierenzellkarzinom, auch als Nierenkarzinom oder Adenokarzinom bezeichnet. Im Frühstadium verursachen Nierenkarzinome nur selten Beschwerden, weshalb sie oft zufällig entdeckt werden – z. B. bei einer Ultraschalluntersuchung aus anderen Gründen. Im fortgeschrittenen Stadium können Schmerzen in der Flanke, im Rücken sowie Blut im Urin auftreten.

Eine Mitarbeiterin der lokalen Tumortherapie bereitet eine Patientin auf ein CT vor.

Frühzeitige Diagnostik und Lokalisation der Tumore

Für die erfolgreiche Behandlung von Karzinomen und Sarkomen gilt: Je früher ein Befund vorliegt, desto besser sind die Heilungschancen. Um Tumore und Metastasen zu lokalisieren, kann das Team der Tumortherapie der St. Augustinus Gruppe auf das volle Spektrum an bildgebenden Verfahren zur Diagnostik zurückgreifen, darunter:

  • Röntgenaufnahmen
  • Tumormarker
  • Magnetresonanztomografie (MRT)
  • Computertomografie (CT)
  • Sonografie (Ultraschall)
  • Skelettszintigrafie

Zusätzlich kann in Kombination mit einem bildgebenden Verfahren auch noch eine operative Entnahme von Gewebeproben, die sogenannte Biopsie, erfolgen.

Ihr Kontakt zu uns

In der Abteilung der lokalen Tumortherapie im Johanna Etienne Krankenhaus bekämpfen unsere Expertinnen und Experten gemeinsam mit Ihnen den Krebs – mit einer Kombination aus innovativen Therapieformen der Präzisionsmedizin und einer Rund-um-Betreuung sind wir für Sie und Ihre Angehörigen da.

Eine Besonderheit unseres Tumorzentrums: Der Chefarzt der Radiologie Dr. Schmid und der Sektionsleiter der Hämatologie und Onkologie Dr. Köster sind auf die Verfahren der lokalen Tumortherapie spezialisiert. Als eine von nur drei Anlaufstellen in Deutschland bietet unser Tumorzentrum die Methode der Kryotherapie an.

Verfahren, die in der lokalen Tumortherapie genutzt werden

Nicht immer werden nur Chemotherapie und Bestrahlung zur Bekämpfung von Krebs angewendet. In der Abteilung für lokale Tumortherapie werden verschiedene Verfahren der Präzisionsmedizin durchgeführt. Zum Leistungsspektrum des Tumorzentrums gehören:

  • Kryotherapie 
  • Radiofrequenzablation (RFA)
  • Mikrowellenablation
  • irreversible Elektroporation
  • Embolisation
  • Chemoembolisation (TACE) und Chemoperfusion (TACP) 
  • Embolisation der Bronchialarterien bei Bluthusten
  • Embolisation bei gutartigen Veränderungen der Prostata sowie der Gebärmutter
  • Eingriffe zur Schmerzbehandlung
  • Einspritzung von Knochenzement in Wirbelkörper und in das Kreuzbein (Os sacrum) zur Stabilisierung
  • Kryotherapie von Nerven zur Behandlung unstillbarer Schmerzen
  • Eingriffe zur Probengewinnung
  • CT- und ultraschallgesteuerte Gewebeentnahmen (Punktionen) nahezu aller Körperregionen, insbesondere der Lunge, Leber und der Niere
Zwei Onkologen besprechen anhand einer Röntgenaufnahme, ob eine Kryotherapie im Rahmen der lokalen Tumortherapie möglich ist.

Kryotherapie

Bei der Kryotherapie wird der Tumor mit Eis bekämpft. Dabei sorgt ein Wechsel von zwei- bis dreimaligem Einfrieren des Tumors mit darauffolgendem Auftauen der Tumorzellen für die zuverlässige Behandlung des Tumors.

Theoretisch können alle Tumorarten mit der Kryotherapie behandelt werden. Besonders erfolgreich ist diese Art von Therapie allerdings bei Nierentumoren, Lungenmetastasen sowie bei Knochentumoren und -metastasen. Allerdings sollten die Tumore für diese lokale Tumortherapie räumlich begrenzt und nicht größer als fünf Zentimeter sein.

Ein Onkologe bespricht mit einem Patienten die Möglichkeit einer Ablation zur lokalen Tumortherapie.

Radiofrequenzablation (RFA)

Die Radiofrequenzablation ist ein Verfahren, bei dem ein Tumor bzw. die Zellen des Tumors mithilfe von Hitze behandelt werden. Die Hitze wird in Form von Hochfrequenzstrom erzeugt, der dann über eine Sonde lokal im Gewebe wirkt.

Besonders gut geeignet ist die Ablation bei Lebertumoren – sowohl bei primären bösartigen Lebertumoren wie dem hepatozellulären Karzinom (HCC), als auch bei Lebermetastasen anderer Tumore. Diese Form der lokalen Tumortherapie zeichnet sich durch besonders wenige Komplikationen und Nebenwirkungen aus.

Ein Arzt und eine Ärztin bei einer Embolisation im Rahmen der lokalen Tumortherapie.

Embolisation

Bei der sogenannten Embolisation werden Tumorgefäße so verschlossen, dass sie regelrecht „verhungern“. Bei diesem Verfahren werden durch einen Katheter kleine Kunststoffteilchen in das Blutgefäß gespritzt, das den Tumor versorgt, bis es verstopft und die Blutzufuhr unterbrochen ist. Die Tumorzellen sterben, da die nötigen Nährstoffe und der Sauerstoff nicht mehr zu ihnen gelangen.

Die Embolisation von bösartigen Tumoren kann in den meisten Fällen die Tumore verkleinern, und damit vor allem im Sinne einer palliativen Therapie die Lebenszeit der Patientinnen und Patienten verlängern. Im Rahmen der lokalen Tumortherapie werden zusätzlich die Embolisation der Bronchialarterien bei Bluthusten sowie die Embolisation bei gutartigen Veränderungen der Prostata sowie der Gebärmutter angeboten.

Ein Arzt und eine Ärztin bei einer Ablation im Rahmen der lokalen Tumortherapie.

Mikrowellenablation

Ebenso wie bei der Radiofrequenzablation erfolgt die Behandlung des Tumors bei dieser Form der Ablation mithilfe von Hitze. Diese Art der lokalen Tumortherapie ist besonders geeignet für Patientinnen und Patienten mit Tumoren, die größer als drei Zentimeter sind sowie bei Lebermetastasen.

Für dieses Verfahren führt die Onkologin oder der Onkologe eine Sonde in das Blutgefäßsystem ein und führt sie bis zum Tumor. An dieser Stelle wird die Sonde in sehr schnelle Schwingungen versetzt, was im Gewebe zu einem Temperaturanstieg von bis zu 100 Grad führt. Die Sonde erzeugt also starke Hitze, die den Tumor bekämpft, das restliche Organ aber schont – für die Patientin oder den Patienten verläuft der Vorgang aber absolut schmerzfrei und in der Regel mit wenig Komplikationen.

Ein Onkologe bereitet sich auf eine Operation im Rahmen der lokalen Tumortherapie vor.

Irreversible Elektroporation

Bei der irreversiblen Elektroporation wird ein Tumor durch Strom in Hochspannung ohne Hitzeentwicklung bekämpft. Das besonders schonende Verfahren schießt Strom in die Poren der Tumorzellen, ohne umliegendes Gewebe zu verletzen.

Die irreversible Elektroporation wird bei Krebserkrankungen wie Prostatakarzinomen, Leber- oder Nierenkrebs durchgeführt. Die Behandlung ist noch neu und wird daher nur in wenigen Krebszentren in Deutschland angeboten. Für eine erfolgreiche Therapie sollten die Tumore lokal begrenzt sein, unter einem bestimmten Durchmesser liegen und im MRT gut sichtbar sein.

Eine Mitarbeiterin der lokalen Tumortherapie ist mit einer Patientin unterwegs in der Klinik.

Chemoembolisation (TACE) und Chemoperfusion (TACP)

Bei der Chemoembolisation (TACE) und Chemoperfusion (TACP) kommen zusätzlich zum Verfahren der Embolisation chemotherapeutische Substanzen dazu, die direkt am Tumor wirken. Das sorgt für einen zweifachen Effekt: Erst wird die Gefäßversorgung des Tumors mithilfe der Embolisation unterbrochen. Dann schwemmt die Chemotherapie genau in den Tumor ein. Die Substanzen direkt im Tumor wirken zu lassen, zeigt eine 20-fache Konzentration der tumorbekämpfenden Therapie im Vergleich zu einer herkömmlichen Chemotherapie.

Die beiden Verfahren in Kombination werden im Rahmen der lokalen Tumortherapie vor allem bei Lebertumoren und -metastasen eingesetzt. Sie sind aber auch für andere lokal begrenzte Tumore,
z. B. in der Niere oder Lunge, geeignet.

In dieser Klinik bietet die St. Augustinus Gruppe die lokale Tumortherapie an

in Neuss

Abgebildet ist das Johanna Etienne Krankenhaus in Neuss.

Wir beantworten Ihre Fragen zum Spezialgebiet der lokalen Tumortherapie

FAQ

Was ist ein lokaler Tumor?

Ein lokaler Tumor ist ein Tumor, der sich noch in einem früheren Tumorstadium befindet und sich noch nicht über das Organ oder das befallene Gewebe hinaus ausgebreitet hat – er ist räumlich begrenzt.

Für welche Patientinnen und Patienten kommt die lokale Tumortherapie in Frage?

Die lokale Tumortherapie wird unter anderem eingesetzt, wenn ein Tumor nicht operativ entfernt werden kann oder die Chemo- bzw. Strahlentherapie keine Wirkung zeigt oder mit schwerwiegenden Nebenwirkungen gerechnet werden muss. Wichtig ist, dass der vorliegende Tumor lokal begrenzt ist, damit er präzise behandelt werden kann.

Was sind die Vorteile der lokalen Tumortherapie?

Die lokale Tumortherapie gilt als strahlenfrei, schmerzarm und besonders schonend für die Patientinnen und Patienten. Diese Art von Krebstherapie ermöglicht die Behandlung gutartiger sowie bösartiger Tumore in nahezu aller Körperregionen.

Außerdem ein Vorteil: Patientinnen und Patienten benötigen bei einer regionalen Therapie in der Regel keine zusätzliche Chemotherapie, die den Körper sehr belasten kann.

Vertrauen Sie unseren Experten aus dem Notfallzentrum des Johanna Etienne Krankenhauses