Transarterielle Chemoperfusion (TACP)

Chemoperfusion gegen Tumore der Leber und Lebermetastasen

In der Krebsbehandlung gibt es eine Vielzahl von Therapieverfahren, darunter auch die Chemoperfusion. Die transarterielle Chemoperfusion, kurz TACP, ist eine Art der Chemotherapie, die direkt am Tumor wirkt. Dabei ist die TACP eine Behandlung, die häufig bei Tumoren und Metastasen der Leber zum Einsatz kommt. Wir erklären Ihnen, was eine Chemoperfusion genau ist, wie sie sich von anderen Verfahren wie der Embolisation unterscheidet und wie sie abläuft. Außerdem erfahren Sie mehr über den Nutzen der TACP-Behandlung und mögliche Nebenwirkungen.

Was ist eine Chemoperfusion?

Die transarterielle Chemoperfusion (TACP) ist eine Methode der lokalen Tumortherapie und eine Art der Chemotherapie, die punktgenau am Tumor bzw. den bösartigen Tumorzellen Anwendung findet. In der Regel setzen Ärztinnen und Ärzte das Therapieverfahren der Chemoperfusion gegen Tumore der Leber und Lebermetastasen ein. Ärztinnen bzw. Ärzte bringen mithilfe eines Katheters durch die Leistenarterie über die Leberarterie ein Chemotherapeutikum direkt in den Tumor ein. Dieses soll die Tumorzellen abtöten.

In den meisten Fällen handelt es sich bei der Therapie um eine palliative Form, die der Lebensverlängerung dient. Ärztinnen und Ärzte wählen die Behandlung demnach, wenn keine Aussicht auf vollständige Genesung der Patientin oder des Patienten besteht. Im Vergleich zur klassischen Chemotherapie wirkt die Chemoperfusion direkt an Tumorentitäten oder Tumorzellen. Sie ermöglicht so den Einsatz eines Chemotherapeutikums in deutlich höheren Dosierungen, was eine bis zu 20-fache Konzentration bei der tumorzerstörenden Therapie zur Folge hat. 

Wichtiger Unterschied

Auch wenn die TACP-Behandlung der Chemoembolisation ähnelt, unterscheiden sich die Verfahren doch in einem wesentlichen Punkt: Im Gegensatz zur Chemoembolisation entsteht im Fall der TACP kein Verschluss der Gefäße und somit keine Embolisation am Tumor.

Voraussetzungen für die TACP-Behandlung

Die transarterielle Chemoperfusion wird häufig bei einem Karzinom im Bereich der Leber angewendet, wenn der Tumor durch eine Operation nicht mehr zu entfernen ist. An welcher Stelle in der Leber das Karzinom sitzt, ist für die TACP weniger ausschlaggebend. Allerdings sollte der Tumor noch keine Metastasen in andere Organe oder Gefäße gestreut haben. Außerdem sollte die Leber der Patientin oder des Patienten noch gut funktionieren. Neben der Leber kommen auch andere Tumorentitäten für die Methode infrage, wie z. B. Karzinome in Niere oder Lunge.

Was ist eine hypertherme intraperitoneale Chemoperfusion?

Ein etwas anderes Therapieverfahren, das auch zur Chemoperfusion gehört, ist die hypertherme intraperitoneale Chemoperfusion. Abgekürzt als HIPEC ist auch die hypertherme intraperitoneale Chemoperfusion eine Form der Chemotherapie. Ärztinnen und Ärzte entscheiden sich meistens für die HIPEC u. a. bei Peritonealkarzinose, Pseudomyxoma peritonei oder LAMN (low-grade muzinöse Neoplasie der Appendix) als Ergänzung zu einem operativen Eingriff. Mithilfe dieses Verfahrens können auch letzte mikroskopisch verbliebene Tumorreste abgetötet werden.

Die hypertherme intraperitoneale Chemoperfusion (HIPEC) ist ein Therapieverfahren, das vor allem bei Tumoren im Bauchraum, insbesondere bei Bauchfellkrebs (Peritonealkarzinose) oder Tumoren im Pankreas (Bauchspeicheldrüse), angewendet wird. Ärztinnen oder Ärzte töten zunächst das eigentliche Karzinom und sichtbare Metastasen durch das Einführen eines Chemotherapeutikums über einen Katheter durch die Leistenarterie ab. Anschließend spülen sie den Bauchraum zusätzlich mit einer auf 42 Grad erwärmten Spüllösung aus, die zusätzlich ein Chemotherapeutikum wie z. B. Mitomycin C enthält. Diese Hitze und die Chemotherapie tragen dazu bei, auch nicht sichtbare Tumorreste zu eliminieren, wodurch selbst Tumore in fortgeschrittenem Stadium mit Erfolgschancen therapiert werden können.

Ablauf der TACP-Behandlung

Innerhalb der minimal-invasiven Methode der transarteriellen Chemoperfusion führt eine Ärztin oder ein Arzt über einen Katheter durch die Leistenarterie ein Chemotherapeutikum direkt in den Tumor ein. Um mögliche Beschwerden, während der TACP zu reduzieren, wird der Patientin bzw. dem Patienten über einen intravenösen Zugang ein Opioid verabreicht.

Eine Ärztin informiert eine Patientin über die Behandlung mit der transarteriellen Chemoperfusion.

Vorbereitung

Die Ärztinnen bzw. Ärzte definieren die Behandlungsstrategie vorab und informieren die Patientin bzw. den Patienten ausführlich über den Ablauf, die Risiken und die Nebenwirkungen. Zudem führen sie eine orientierende Angiografie des Bauchraums durch, um den Tumor genau zu lokalisieren.

Durchführung

Zuerst punktiert die Ärztin bzw. der Arzt die Leistenarterie, um Blutaustritt zu verhindern und die Instrumente sowie den Katheter leichter einführen zu können. Dann schiebt er oder sie den Katheter über die Leistenarterie und die Hauptschlagader bis zur Leberarterie. Unter Röntgenkontrolle erkennt die Ärztin bzw. der Arzt mit Hilfe von Kontrastmitteln den Tumor, die Gefäße und die Lage des Katheters genau. Über den Katheter wird das Chemotherapeutikum, wie Mitomycin C, zielgenau in den Tumor eingebracht. Dadurch sterben die Tumorzellen ab.

Nachbereitung

Nach Abschluss der Chemoperfusion entfernt das medizinische Team den Katheter und die Schleuse. Die Patientinnen bzw. Patienten erhalten einen Druckverband und das Team versorgt und überwacht sie für sechs Stunden. Im Fall der TACP umfasst die Behandlung zudem eine MRT-Nachkontrolle am gleichen Tag und eine CT-Nachkontrolle ohne Kontrastmittelgabe 24 bis 48 Stunden nach dem Eingriff.

Welche Nebenwirkungen können bei der Chemoperfusion auftreten?

Bei der transarteriellen Chemoperfusion, ob bei Tumorentitäten im Bauchraum oder im Bereich der Leber, können verschiedene Nebenwirkungen auftreten. Dazu zählen vor allem Oberbauchschmerzen und Übelkeit. Aufgrund der lokalen Therapie sind die Nebenwirkungen gerade im Vergleich zur klassischen Chemotherapie oft schwächer ausgeprägt und das Chemotherapeutikum zeigt insgesamt eine gute Verträglichkeit. Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt klärt die Patientin bzw. den Patienten über diese potenziellen Nebenwirkungen im Vorfeld auf und ergreift gegebenenfalls entsprechende Maßnahmen zur Linderung.

Klinik der St. Augustinus Gruppe mit Schwerpunkt Tumortherapie

Therapieverfahren gegen Tumore im Tumorzentrum der St. Augustinus Gruppe

Im Fachbereich Tumortherapie der Kliniken und Einrichtungen der St. Augustinus Gruppe stehen den Patientinnen und Patienten moderne und effektive Therapieverfahren gegen Tumore zur Verfügung. Vor allem das zertifizierte Tumorzentrum im Johanna Etienne Krankenhaus in Neuss bietet eine erstklassige medizinische Versorgung und ermöglicht die Behandlung einer Vielzahl von Tumorentitäten. Hier steht ein interdisziplinäres Team aus erfahrenen Ärztinnen und Ärzten Patientinnen und Patienten zur Seite, das individuelle Behandlungspläne erstellt. Dabei werden nicht nur Methoden wie die klassische Chemotherapie in Betracht gezogen, sondern auch innovative Verfahren wie die Chemoperfusion. 

Im Anschluss an eine Krebstherapie wie z. B. die TACP-Behandlung, ist eine onkologische Reha ratsam. Diese ist speziell darauf ausgerichtet, die körperliche und psychische Gesundheit zu fördern sowie die Lebensqualität zu verbessern. Die Rehabilitationsmaßnahmen können Patientinnen und Patienten dabei unterstützen, sich nach den Behandlungen zu regenerieren, die körperliche Fitness wiederherzustellen und sich mithilfe des interdisziplinären Teams der St. Augustinus Gruppe auf die Rückkehr in den Alltag vorzubereiten.

Die Grafik zeigt eine Patientin nach einer transarteriellen Chemoperfusion-Behandlung.

Wir beantworten Ihre Fragen zum Thema Chemoperfusion

FAQ

Welchen Nutzen hat eine Chemoperfusion?

Durch die gezielte Anwendung eines Chemotherapeutikums direkt am Karzinom in der Leber sind die Nebenwirkungen des Verfahrens insgesamt etwas schwächer als bei der systematischen Chemotherapie. Die TACP kann insbesondere bei kleineren Lebermetastasen sehr effektiv sein und im Idealfall zum vollständigen Verschwinden des Tumors führen. Patientinnen und Patienten mit Leberkrebs im fortgeschrittenen Stadium können durch die TACP-Therapie hohe Schrumpfungsraten erzielen und auf Lebensverlängerung hoffen.

Das minimal-invasive Verfahren der transarteriellen Chemoperfusion (TACP) dient der Behandlung von Tumoren und Metastasen, vor allem in der Leber. Diese Methode trägt dazu bei, Tumorzellen abzutöten oder ihr Wachstum zu behindern.

Was ist eine Peritonealkarzinose?

Bei der Peritonealkarzinose handelt es sich um einen Tumor im Bauchfell (Peritoneum). Das Peritoneum ist ein feines glattes Häutchen, das aus zwei Blättern besteht und den Bauchraum innen auskleidet sowie darin liegenden Organe überzieht. Eine Peritonealkarzinose lässt sich vor allem durch eine hypertherme intraperitoneale Chemoperfusion (HIPEC) behandeln. Diese zerstört übriggebliebene, zuvor nicht sichtbare Tumorreste durch das Ausspülen des Bauchraums mit einer erhitzten Lösung, die zusätzlich ein Chemotherapeutikum enthält.

Mit welcher Dauer muss man bei der TACP-Behandlung rechnen?

Die transarterielle Chemoperfusion dauert in der Regel etwa eine Stunde. Nach dem Eingriff bekommen Patientinnen und Patienten einen Druckverband und stehen noch für etwa vier bis sechs Stunden unter ärztlicher Beobachtung. Je nach individuellem Fall kann eine TACP im Abstand von jeweils sechs Wochen insgesamt zwei- bis dreimal durchgeführt werden.

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