Dranginkontinenz

Symptome, Ursachen und Behandlungen bei Dranginkontinenz

Die Dranginkontinenz, auch als Urgeinkontinenz bezeichnet, gehört zu den häufigsten Arten der Harninkontinenz. Insgesamt gibt es sechs Inkontinenzformen, denen entweder physische, neurologische oder psychische Ursachen zugrunde liegen können. All diese Inkontinenzformen können im Alltag Stress und Unbehagen verursachen, weshalb viele Betroffene nach einer Lösung für ihre Inkontinenz suchen. Angepasste Lösungen, die Beschwerden einer idiopathischen Dranginkontinenz lindern können, bietet die St. Augustinus Gruppe individuell an. Hierzu gehören sowohl umfassende Behandlungsmöglichkeiten als auch psychologische Unterstützung durch ein interdisziplinäres Fachpersonal.

Unsere Fachärztinnen und Fachärzte aus dem Fachbereich für Gynäkologie sowie das Kontinenz- und Beckenboden-Zentrum  unterstützt Sie bei der passenden Therapie bei Dranginkontinenz und findet mit Ihnen zusammen die passende Behandlungsmöglichkeit für Ihren individuellen Fall.

Was ist Dranginkontinenz?

Unter Dranginkontinenz versteht man die Unfähigkeit, die Blase oder den Darm richtig zu kontrollieren, was in der Regel dazu führt, dass man zur Toilette eilt. Dieser Zustand kann die Blase, den Darm oder beide betreffen und kann eine einfache oder doppelte Inkontinenz verursachen.

Die Harnblase besteht aus drei Abschnitten, dem Blasenscheitel oben, dem Blasenkörper in der Mitte und dem Blasengrund unten. An den oberen Teil sind die beiden Harnleiter angeschlossen, durch die der Urin in die Blase gelangt. Im unteren Teil wiederum befinden sich zwei Schließmuskel, die für das Öffnen und Schließen verantwortlich sind. Bei einer idiopathischen Dranginkontinenz öffnen die Schließmuskeln den Übergang zur Harnröhre der Betroffenen unbeabsichtigt, wodurch es zur Harninkontinenz und deren Symptome aufgrund der Blasenmuskel in der Harnröhre kommt.

Normalerweise wird die Blasenentleerung, d. h. das Öffnen und Schließen der Blasenmuskulatur, durch das zentrale Nervensystem gesteuert. Bei der motorischen Dranginkontinenz besteht ein Ungleichgewicht zwischen den Impulsen der Blase zum aktuellen Füllstand und den Signalen, die das zentrale Nervensystem an die Blasenmuskulatur sendet. Führt ein solcher Impuls an die Blase zu einem plötzlichen Harndrang mit Inkontinenz, wird dies auch als „überaktive Blase“ bezeichnet. Die Urgeinkontinenz tritt häufiger bei Frauen und älteren Menschen auf. Die Ursachen einer Dranginkontinenz können unterschiedlich sein, angefangen von einer Beckenverletzung bis hin zu Erkrankungen der Nerven wie Parkinson oder Demenz. Aus diesem Grund umfasst die Diagnose einer Harninkontinenz in der Regel eine Anamnese, eine körperliche Untersuchung, Urinuntersuchungen sowie unter Umständen urodynamische Tests.

Eine Frau sitzt auf einem Bett und leidet unter Dranginkontinenz Symptomen.

Was sind die Symptome einer Dranginkontinenz?

Dranginkontinenz, auch als überaktive Reizblase bekannt, ist gekennzeichnet durch einen plötzlichen und starken Harndrang, der schwer zu kontrollieren ist. Dieser Drang kann so stark sein, dass man es nicht rechtzeitig zur Toilette schafft, was zu ungewolltem Harnverlust führt. Weitere Symptome können häufiges Wasserlassen und nächtliches Aufwachen zum Wasserlassen sein. In einigen Fällen kann der Harndrang auch ohne Harnverlust auftreten.

So unterschiedlich die Ursachen für eine motorische Dranginkontinenz sein können, so unterschiedlich können die Beschwerden von Person zu Person ausfallen. Bei manchen Personen kommt es lediglich zum starken Harndrang, der allerdings kontrolliert werden kann. Einige Betroffene leben mit einer leichten bis hin zur starken Inkontinenz, bei der sie den vollständigen Kontrollverlust über ihre Blase und/oder dem Darm erleben. Die Dranginkontinenz kann auch als Mischform mit der Belastungsinkontinenz einhergehen. In diesem Fall können auch Aktivitäten wie dem Lachen, Husten oder Niesen, aber auch Heben oder Springen zu einem ungewollten Urinverlust führen.

Eine Ärztin erklärt einer Patientin die Ursachen für Dranginkontinenz.

Was sind die Ursachen für eine Dranginkontinenz?

Dranginkontinenz wird oft durch eine überaktive Blase verursacht, bei der die Blasenmuskulatur unwillkürlich kontrahiert. Die genauen Ursachen für diese Überaktivität sind nicht immer klar, können aber mit neurologischen Erkrankungen, wie Multipler Sklerose oder Parkinson, Blaseninfektionen, Blasensteine, oder Schäden durch vorherige Operationen zusammenhängen.

Normalerweise fasst die Harnblase 900 bis 1500 Milliliter Flüssigkeit und dehnt sich je nach Füllstand apfel- oder birnenförmig aus. Anhand der Dehnung können Sensoren in der Blasenwand den Füllstand der Blase an das Gehirn melden. Bei einer Füllmenge von rund 200 bis 500 Millilitern tritt für gewöhnlich der Harndrang auf, also der Wunsch, die Blase willentlich zu entleeren. Liegt eine Urgeinkontinenz und gleichzeitig eine überaktive Blase vor, tritt der Harndrang deutlich früher auf und kann zu einer unwillkürlichen Kontraktion der Blasenmuskulatur führen. Diese wiederum bewirkt den ungewollten Urinverlust.

Neben physischen, neurologischen und psychologischen Ursachen für eine Dranginkontinenz bei Frauen können auch die Hormone eine Rolle spielen. Besonders in der Menopause berichten zwei Drittel aller Frauen von einer Blasenschwäche mit zum Teil auftretender Inkontinenz. Während der Menopause werden zunehmend weniger Östrogene produziert, die das Bindegewebe straffhalten. Wird das Bindegewebe durch einen geringeren Östrogenspiegel im Körper geschwächt, können sich Organe absenken, z. B. auch die Gebärmutter und die Blase. Eine abgesenkte Blase wiederum kann empfindlicher reagieren und früher den Harndrang mit oder ohne Urinverlust auslösen. Auch bei einer Schwangerschaft kann sich die Blase durch die vergrößerte Gebärmutter herabsenken und zu einer Blasenschwäche in der Schwangerschaft führen.

Wann sollte bei Dranginkontinenz ärztlicher Rat eingeholt werden?

Ärztlicher Rat ist bei einer Dranginkontinenz angeraten, sobald die Symptome alltägliche Aktivitäten oder den Schlaf stören sowie Stress und Unbehagen verursachen. Sollten Sie die Symptome selbst mit Beckenbodentraining oder einer Veränderung Ihres Lebensstils behandeln und sich die Symptomatik hierbei verschlechtern, sollten Sie ebenfalls einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Auch wenn bereits eine leichte Urgeinkontinenz besteht und sich diese verschlechtert, z. B. durch das Auftreten von Blut im Urin oder Schmerzen, sollte bei der Dranginkontinenz sofort eine ärztliche Behandlung erfolgen.

Ein Arzt oder eine Ärztin kann die passende Therapie bei Dranginkontinenz und entsprechende Maßnahmen auswählen. Um eine Dranginkontinenz festzustellen, werden zunächst Gespräche sowie körperliche Untersuchungen im Bauch- und Beckenraum durchgeführt, die andere Formen der Inkontinenz, wie beispielsweise die Belastungsinkontinenz, ausschließen können. Auch kann das qualifizierte Fachpersonal feststellen, ob die Dranginkontinenz durch eine Erkrankung verursacht wurde. Zur leichteren Diagnose werden die Patientinnen zudem gebeten, ein sogenanntes Miktionsprotokoll zu führen. In diesem Tagebuch zeichnen sie die tägliche Flüssigkeitsaufnahme sowie Urinabgabe auf. Bei der St. Augustinus Gruppe finden unsere Patientinnen von der Diagnose über die Behandlung einer Dranginkontinenz Unterstützung durch unsere interdisziplinären Fachärztinnen und Fachärzte.

Wie wird Dranginkontinenz behandelt?

Die Behandlung von Dranginkontinenz kann eine Kombination aus Lebensstiländerungen, Beckenbodentraining, Medikamenten und in einigen Fällen chirurgischen Eingriffen umfassen. Lebensstiländerungen können die Anpassung der Trinkgewohnheiten und Ernährung beinhalten. Medikamente können verwendet werden, um die Blasenmuskulatur zu entspannen und unkontrollierte Kontraktionen zu verhindern.

Dranginkontinenz ist heilbar, wenn die Therapie ganzheitlich betrachtet wird und sowohl auf konservative als auch auf medikamentöse, psychologische und chirurgische Behandlungsmöglichkeiten zurückgreift. Welche Möglichkeiten zum Einsatz kommen, hängt von der individuellen Patientin und den möglichen Nebenwirkungen ab. Im Kontinenz- und Beckenboden-Zentrum erfahren Sie mehr über die Behandlungsmöglichkeiten der St. Augustinus Gruppe bei Dranginkontinenz.

Konservative Verhaltensbehandlungen

Zu den konservativen Verhaltensbehandlungen, die die Symptome der Dranginkontinenz verbessern können, zählen Lebensstilveränderungen sowie Übungen zur Blasenkontrolle wie das Beckenbodentraining. Auch gehören hier angepasste Trink- und Ernährungsgewohnheiten sowie ein bewusster Koffeinkonsum dazu. Blasentraining kann zusätzlich eingesetzt werden, um die Blase daran zu gewöhnen, länger bis zur Urinentleerung zu warten. Hierzu zählen zusätzlich Übungen, die zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur beitragen.

Im Zuge der konservativen Verhaltensbehandlung arbeiten Ärzte und Ärztinnen ebenfalls mit der Biofeedback-Methode, die zu einer besseren Bewusstseinsführung und Kontrolle über die körperlichen Funktionen, wie der Blasenmuskulatur, führen kann. Auch werden Ängste und Stress adressiert, die an einer Urgeinkontinenz unter Anspannung beteiligt sein können. Konservative Methoden werden in der Dranginkontinenz-Therapie gemeinsam mit unseren Patientinnen von Gesundheitsfachleuten, Physiotherapeutinnen und -therapeuten sowie Psychologinnen und Psychologen durchgeführt.

Medikamentöse Behandlungen

Zur Behandlung einer Dranginkontinenz können auch Medikamente zum Einsatz kommen. Hierzu zählen Medikamente wie Anticholinergika und Beta-3-Agonisten, die eine überaktive Blasenmuskulatur entspannen und so die Symptome einer überaktiven Blase lindern können. Bei Östrogenmangel in der Menopause werden auch östrogenhaltige Zäpfchen oder Cremes eingesetzt, die den Mangel ausgleichen und für eine verbesserte Durchblutung und Blasenkapazität sorgen können.

Wie alle Arzneimittel können auch Medikamente zur Behandlung von Dranginkontinenz Neben- und Wechselwirkungen haben. Aus diesem Grund sollten bestehende Erkrankungen, Allergien oder andere eingenommene Präparate vor der Einnahme mit dem Arzt oder der Ärztin besprochen werden. Verschaffen konservative Behandlungsmethoden keine ausreichende Linderung oder können Medikamente wie Anticholinergika z. B. aufgrund von Nebenwirkungen nicht eingesetzt werden, bietet sich für diese Patientinnen eventuell ein chirurgisches Behandeln einer Dranginkontinenz an.

Operative Eingriffe

Neben konservativen Behandlungsmethoden und Medikamenten zur Verbesserung der Symptome von Dranginkontinenz stehen auch operative Eingriffe zur Verfügung. Welche für die individuelle Patientin geeignet sind, kann im Gespräch mit den Betroffenen entschieden werden.

Operative Maßnahmen bei der Dranginkontinenz von Frauen sind:

  • Sakrale Nervenstimulation: Bei der sakralen Nervenstimulation wird ein Beckenbodenschrittmacher implantiert, der mithilfe schwacher elektrischer Impulse die Signale der Nerven blockiert, die einen falschen Füllstand des Darms oder der Blase an das zentrale Nervensystem sendet. Vor dem Einsetzen des Schrittmachers erfolgt eine Testphase, in der die elektrischen Impulse an den Patienten bzw. die Patientin angepasst wird. Da der Schrittmacher mithilfe einer Batterie Impulse sendet, muss dieser etwa alle sieben Jahre operativ ausgetauscht werden.
  • Tibiale Nervenstimulation: Die tibiale Nervenstimulation macht sich die Kenntnisse der Akupunktur zunutze. Bei diesem Verfahren werden mit einer Akupunkturnadel Nerven im Bereich des Innenknöchels stimuliert, die mit der Blase verbunden sind. Durch die Stimulation dieser Nerven kann eine überaktive Reizblase gelindert werden, indem ihre Reizschwelle herabgesetzt wird. Die Stimulation mit der Akupunkturnadel muss im Verlauf regelmäßig wiederholt werden, um langfristig die Symptome einer Dranginkontinenz verbessern zu können.
  • Botulinumtoxin: Botulinumtoxin (Botox) wird direkt in den Blasenmuskel gespritzt und lähmt diesen, wodurch sich die Kapazität der Blase verbessern soll. Allerdings muss das Mittel in regelmäßigen Abständen von sechs Monaten erneut gespritzt werden.
  • Blasenvergrößerung: Zeigen andere Therapieformen keine Wirkung oder können diese bei der Patientin nicht angewandt werden, so kann die Blasenvergrößerung (Blasenaugmentation) zu einer Verbesserung der Symptome beitragen. Hierbei wird ein Teil vom Dünn- oder Dickdarm chirurgisch entfernt, mit dem die Blase erweitert wird. Dies kann den Blasendruck absenken und durch die Vergrößerung der Blase die Speicherkapazität erhöhen.

Wird eine Blasenschwäche-OP durchgeführt, so ist insbesondere auf die anschließende Nachsorge achtzugeben, um den Erfolg des chirurgischen Eingriffs zu sichern sowie mögliche lebensstilverändernde Implikationen psychologisch zu betreuen. Die Nachsorge bei einer Urgeinkontinenz beginnt bereits stationär im Anschluss an den operativen Eingriff.

Kliniken der St. Augustinus Gruppe mit Schwerpunkt Gynäkologie

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FAQ

Betrifft Dranginkontinenz Männer und Frauen?

Sowohl Männer als auch Frauen können im Verlauf ihres Lebens eine Dranginkontinenz entwickeln. Hierbei können sich die Ursachen und Art der Inkontinenz allerdings unterscheiden. Bei Männern zählen Prostataprobleme oder Operationen häufig zu den Ursachen, bei Frauen eine Schwangerschaft oder die Menopause. Unabhängig vom Geschlecht tritt Dranginkontinenz tendenziell häufiger mit zunehmendem Alter auf, da sich die Muskulatur im Alter zurückbildet und geschwächt wird.

Was hilft Frauen bei Dranginkontinenz und Blasenschwäche?

Bei Frauen, die an Blasenschwäche oder Inkontinenz leiden, kann eine Kombination aus Beckenboden- und Blasentraining, Änderungen im Lebensstil und medizinischer Behandlung helfen. Beckenbodentraining stärkt die Muskulatur, die bei der Kontrolle der Blase hilft. Änderungen im Lebensstil können eine Anpassung der Flüssigkeitsaufnahme, der Koffeinaufnahme und des Gewichts umfassen.

Hilft Beckenbodentraining bei Dranginkontinenz und Blasenschwäche?

Beckenbodentraining kann bei Blasenschwäche sehr hilfreich sein. Durch gezielte Übungen werden die Muskeln gestärkt, die für die Kontrolle der Blase verantwortlich sind. Regelmäßiges Training kann sowohl die Symptome von Stressinkontinenz reduzieren, bei der es zu ungewolltem Harnverlust bei körperlicher Anstrengung kommt, als auch bei Dranginkontinenz helfen, bei der ein plötzlicher, starker Harndrang besteht.

Welcher Arzt ist zuständig für Dranginkontinenz?

Bei Inkontinenzproblemen können Gynäkologinnen und Gynäkologen die richtigen Ansprechpersonen sein. Sie sind auf die Frauengesundheit spezialisiert und auf die Probleme der Blase. Bei speziellen Formen der Inkontinenz kann auch eine Überweisung an eine Neurologin oder einen Neurologen notwendig sein, da bestimmte Nervenschäden zu Inkontinenz führen können.

Auch Männer können von Dranginkontinenz betroffen sein und sollten sich bei Inkontinenzbeschwerden an einen Urologen bzw. eine Urologin wenden.

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