Milchstau: So lösen Sie die Verhärtung in der Brust

Woran erkennen Sie einen Milchstau und was hilft in der Stillzeit?

In Deutschland werden fast neun von zehn Kindern gestillt. Eine der häufigsten Beschwerden in dieser Zeit ist der Milchstau, bei dem die Milch aus einem Bereich der Brust nicht mehr richtig abfließt. Meist tritt er in den ersten drei Wochen nach der Geburt auf, möglich ist er aber bis zum Abstillen. Spannt die Brust dann plötzlich, verhärtet sich eine Stelle und schmerzt bei jeder Berührung, wirft das sofort Fragen auf. Je besser Sie wissen, woran Sie einen Milchstau erkennen und was jetzt hilft, desto ruhiger gehen Sie damit um. In den allermeisten Fällen lässt er sich mit einfachen Mitteln selbst lösen. Weiterstillen ist dabei nicht nur möglich, sondern die wichtigste Maßnahme.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, was ein Milchstau genau ist, wie Sie ihn von einer Brustentzündung unterscheiden, welche Maßnahmen ihn lösen und ab wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten.

Was ist ein Milchstau?

Bei einem Milchstau fließt die Muttermilch an einer Stelle der Brust nicht richtig ab. Die Milch staut sich in den Milchgängen der Brustdrüse, die Brust spannt und es bildet sich eine tastbare Verhärtung, die druckempfindlich ist. In der Fachsprache heißt dieser gestörte Milchfluss Milchstau.

Ein Milchstau entwickelt sich meist innerhalb von Stunden oder ein bis zwei Tagen und lässt sich durch häufiges Stillen in der Regel in wenigen Tagen wieder auflösen. Er fühlt sich als harte, manchmal gerötete Stelle an, die beim Berühren oder beim Stillen schmerzt.

Was ist ein Milchstau?

Milchstau oder Brustentzündung? So unterscheiden Sie die Beschwerden

Der wichtigste Unterschied betrifft Ihr Allgemeinbefinden. Bei einem reinen Milchstau bleiben die Beschwerden auf die Brust begrenzt, Fieber und Schüttelfrost fehlen in der Regel. Reagiert dagegen Ihr ganzer Körper auf die Entzündung, handelt es sich wahrscheinlich um eine Brustentzündung, medizinisch Mastitis.

Zur schnellen Orientierung sind die wichtigsten Unterschiede hier gegenübergestellt.

Für einen Milchstau spricht:

  • Beschwerden: örtlich auf die Brust begrenzt, mit einer Verhärtung, Spannung und oft einer Rötung
  • Allgemeinbefinden: kaum beeinträchtigt, Sie fühlen sich ansonsten gesund
  • Fieber: fehlt in der Regel
  • Ursache: ein gestörter Milchabfluss und eine Einengung der Milchgänge
  • Weiterstillen: möglich und empfohlen

Für eine Brustentzündung spricht:

  • Beschwerden: großflächig gerötet, geschwollen und überwärmt
  • Allgemeinbefinden: deutlich beeinträchtigt, grippeähnlich mit Mattigkeit sowie Kopf- und Gliederschmerzen
  • Fieber: häufig über 38,4 °C, teils mit Schüttelfrost
  • Ursache: meist eine bakterielle Entzündung
  • Weiterstillen: weiterhin möglich, bei Bedarf zusätzlich Antibiotika

Aus einem unbehandelten Milchstau kann sich eine Mastitis entwickeln. In 98 von 100 Fällen tritt eine infektiöse Brustentzündung in den ersten drei Monaten nach der Geburt auf, am häufigsten in der zweiten bis dritten Woche. Ausgelöst wird sie überwiegend durch Bakterien. Seltener steckt ein verschlossenes Milchbläschen an der Brustwarze dahinter. In schweren Fällen kann sich aus einer Entzündung ein Mammaabszess bilden.

Wie entsteht ein Milchstau?

Wie entsteht ein Milchstau?

Die Ursachen für einen Milchstau liegen fast immer in der Entleerung der Brust: Wird sie nicht regelmäßig und gut entleert, staut sich die Milch. Dahinter stehen meist mehrere Auslöser zugleich:

  • Ungünstiges Anlegen: Das Baby erfasst die Brust nicht richtig oder saugt nicht kräftig genug, sodass einzelne Milchgänge nicht leer werden.
  • Zu seltenes oder zu kurzes Stillen: Längere Pausen lassen die Milchmenge anstauen.
  • Druck auf die Brust: Ein zu enger Still-BH, einschneidende Kleidung oder ein Tragetuch können einzelne Milchgänge abdrücken.
  • Übermäßige Milchbildung: Bildet die Brust mehr Milch, als Ihr Baby trinkt, staut sich der Überschuss leichter.
  • Stress, Schlafmangel und Erschöpfung: Anspannung kann den Milchspendereflex hemmen, sodass die Milch schlechter abfließt.

Die genaue Entstehung ist nicht abschließend geklärt. Nach aktuellem fachlichem Verständnis liegt dem Milchstau eine Einengung und Reizung der Milchgänge zugrunde, nicht einfach ein „Pfropf“, der sich herausdrücken ließe. 

Welche Anzeichen deuten auf einen Milchstau hin?

Die Symptome sind meist örtlich begrenzt. Typisch für einen Milchstau sind diese Anzeichen:

  • Verhärtung: An einer Stelle der Brust tasten Sie einen festen Knoten oder einen härteren Bereich.
  • Schmerz und Spannung: Die Stelle schmerzt und fühlt sich gespannt an, oft verstärkt kurz vor dem Stillen.
  • Rötung und Wärme: Die Haut über der betroffenen Stelle kann gerötet und warm sein.
  • Gutes Allgemeinbefinden: Sie fühlen sich ansonsten gesund, Fieber und Schüttelfrost fehlen in der Regel.

Wichtig zu beachten

Ein Milchstau fühlt sich also vor allem als harte, druckempfindliche Stelle an. Bei einem Milchstau mit Fieber oder einem ausgeprägten Krankheitsgefühl sprechen die Anzeichen eher für eine Brustentzündung, die Sie ärztlich abklären lassen sollten.

Was können Sie bei einem Milchstau tun?

Die Behandlung eines Milchstaus gelingt in den meisten Fällen zu Hause. Die wirksamste Maßnahme ist häufiges, entspanntes Stillen nach Bedarf. Darüber lässt sich der Milchstau meist selbst lösen. Die folgenden Schritte unterstützen Sie dabei.

Was tun bei Milchstau?

Häufig und nach Bedarf stillen

Legen Sie Ihr Baby häufig an, ruhig alle ein bis drei Stunden. Beginnen Sie an der betroffenen Brust, weil sie dann gründlicher entleert wird. Ist Ihnen das zu schmerzhaft, starten Sie an der gesunden Seite. Sobald die Milch fließt, wechseln Sie zurück. Weder der Milchstau noch eine Brustentzündung schaden dabei Ihrem Baby.

Die Stillposition abwechseln

Wechseln Sie die Stillposition, zum Beispiel vom Wiegegriff in den Rückengriff. So saugt Ihr Baby an jeweils anderen Milchgängen und entleert die Brust gleichmäßiger.

Vor dem Stillen sanft wärmen, danach kühlen

Wärmen Sie die Brust kurz vor dem Anlegen an, etwa mit einem warmen Waschlappen oder unter der Dusche. Dann fließt die Milch leichter. Nach dem Stillen hilft Kühlung: Ein in ein Tuch gewickeltes Kühlkissen, Kohlblätter oder Quark verringern Schwellung und Schmerzen. Wählen Sie, was Ihnen angenehmer ist.

Sanfte Entlastung statt kräftiger Massage

Von kräftigem Kneten, festem Ausdrücken oder dem Versuch, die Verhärtung „herauszumassieren“, raten Fachleute heute ab, weil das Gewebe dadurch zusätzlich gereizt werden kann. Sinnvoller sind sehr sanfte, streichende Bewegungen in Richtung Achsel. Ziel ist, die Schwellung zu entlasten und dadurch den Milchstau zu lösen, nicht den Knoten wegzudrücken.

Abpumpen nur maßvoll

Können Sie an der betroffenen Brust nicht anlegen, streichen Sie die Milch vorsichtig mit der Hand zur Brustwarze hin aus oder entlasten Sie die vom Milchstau betroffene Brust durch Abpumpen mit einer Milchpumpe, um den Druck zu nehmen. Zusätzliches Abpumpen über den Bedarf Ihres Babys hinaus wird dagegen nicht generell empfohlen, da es die Milchproduktion weiter anregt und den Stau unterhalten kann.

Welche Schmerzmittel sind in der Stillzeit möglich?

Gegen Schmerzen können Sie Ibuprofen einnehmen. Es geht nur in geringen Mengen in die Muttermilch über und ist kurzzeitig in der Stillzeit geeignet. Besprechen Sie die Einnahme im Zweifel mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke.

Ruhe und Unterstützung

Gönnen Sie sich so viel Ruhe wie möglich und holen Sie sich Unterstützung im Alltag. Ein Milchstau ist kein Zeichen dafür, dass Sie etwas falsch gemacht haben. Schonung und ein ungestörtes Stillen helfen dem Milchfluss oft mehr als jede einzelne Maßnahme.

Welche Hausmittel sind belegt?

Kühlende Auflagen wie Quarkwickel oder Kohlblätter können Schwellung und Schmerzen lindern. Dass sie den Milchstau selbst auflösen, ist dagegen nicht belegt. Auch für Nahrungsergänzungsmittel wie Lecithin gibt es keinen wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis. Als lindernde Begleitung sind solche Hausmittel in Ordnung, die eigentliche Behandlung bleibt das häufige, effektive Stillen.

Milchstau vorbeugen

Wie können Sie einem Milchstau vorbeugen?

Ganz verhindern lässt sich ein Milchstau nicht immer. Einige Gewohnheiten senken aber das Risiko:

  • Nach Bedarf stillen: Regelmäßiges Anlegen hält den Milchfluss gleichmäßig in Gang.
  • Auf gutes Anlegen achten: Erfasst Ihr Baby Brustwarze und Warzenhof richtig, wird die Brust besser entleert.
  • Druck vermeiden: Tragen Sie einen gut sitzenden Still-BH und achten Sie darauf, dass Kleidung und Tragetücher nicht einschneiden.
  • Milchmenge nicht unnötig steigern: Pumpen Sie nur so viel ab, wie zur Entlastung nötig ist, damit die Milchbildung nicht zusätzlich angekurbelt wird.

Ab wann sollten Sie ärztlichen Rat einholen?

Wann Sie mit einem Milchstau zum Arzt gehen sollten, hängt vor allem vom Verlauf ab. Bessern sich die Beschwerden nach 24 bis 48 Stunden nicht oder verschlechtern sie sich sogar, sollten Sie ärztlichen Rat einholen, denn dann können Bakterien beteiligt sein. Die meisten Milchstaus klingen aber schon mit den beschriebenen Maßnahmen von selbst ab.

Wenden Sie sich zügig an Ihre Hebamme, eine Stillberatung oder eine gynäkologische Praxis, wenn eines dieser Warnzeichen auftritt:

  • Fieber, Schüttelfrost oder grippeähnliche Beschwerden: Steigt die Temperatur über 38,4 °C oder kommen Schüttelfrost und grippeähnliche Beschwerden hinzu, sprechen diese Anzeichen für eine Brustentzündung.
  • Stark zunehmende Schmerzen oder eine wachsende Rötung: Die Entzündung breitet sich möglicherweise aus.
  • Eine Verhärtung, die bleibt: Lässt sich ein Knoten über mehrere Tage nicht lösen oder kehrt er immer wieder an derselben Stelle zurück, gehört er ärztlich untersucht.

Auch dann gilt: Sie müssen in aller Regel nicht abstillen. Ein abruptes Abstillen erhöht sogar die Gefahr weiterer Staus. Bei einer bakteriellen Brustentzündung gibt es zudem Antibiotika, die Sie während des Stillens einnehmen können. Wenn Beschwerden in der Brust immer wieder auftreten oder Sie unsicher sind, ist das ein guter Grund, mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt zu sprechen. 

Ab wann zum Arzt bei Milchstau?

Milchstau in den Kliniken der St. Augustinus Gruppe behandeln lassen

Unterstützung beim Stillen mit Milchstau

In unseren beiden Geburtskliniken arbeiten Hebammen, Still- und Laktationsberaterinnen sowie die Teams der Geburtshilfe und der Gynäkologie eng zusammen. Bei einem hartnäckigen Milchstau, einer beginnenden Brustentzündung oder anderen Stillproblemen schauen wir uns die Brust an, zeigen Ihnen die passende Anlegetechnik und begleiten Sie, bis sich die Beschwerden gelöst haben. Daraus entsteht für Sie eine Betreuung, die auf Ihre Stillsituation zugeschnitten ist.

Gerade in den ersten Wochen mit Ihrem Baby sollen Sie mit Ihren Fragen nicht auf sich gestellt sein – auch über die ersten Tage nach der Geburt hinaus. Dazu zählen auch Themen wie Schmerzen im Wochenbett oder Blasenentzündung in der Stillzeit. Unsere Betreuung im Wochenbett und die Stillberatung bleiben für Sie ansprechbar, wenn Sie zu Hause unsicher werden. So sehen wir Sie nicht als einen Befund, sondern als Menschen mit einem Anliegen, das sich gut lösen lässt.

Kliniken und Krankenhäuser der St. Augustinus Gruppe mit Schwerpunkt Geburtshilfe


Wir beantworten Ihre Fragen rund um den Milchstau

Wie lange dauert ein Milchstau?

Mit häufigem Anlegen ist ein Milchstau meist nach wenigen Tagen überstanden. Verlässlich vorhersagen lässt sich das aber nicht. Viele Stillende erleben in derselben Stillzeit mehr als einen Milchstau, vor allem wenn die Brust über längere Zeit nicht gut entleert wird. Eine Hebamme oder eine Stillberatung begleitet Sie dabei die gesamte Stillzeit über, nicht erst bei Beschwerden.

Darf ich bei einem Milchstau weiterstillen?

Ja, und Sie sollten es sogar. Ein Milchstau löst sich nur, wenn die Milch wieder abfließt. Ihr Baby nimmt dabei keinen Schaden, auch nicht bei einer Brustentzündung. Wer stattdessen abrupt abstillt, riskiert neue Staus. Selbst wenn ein Antibiotikum nötig wird, gibt es Wirkstoffe, die sich mit dem Stillen vertragen.

Was hilft sofort gegen einen Milchstau?

Am schnellsten wirkt es, Ihr Baby anzulegen, sobald es Hunger zeigt. Zwischen den Mahlzeiten lindert eine kühlende Auflage Schwellung und Schmerzen, ein locker sitzender BH nimmt Druck von der Brust. Ein Mittel, das den Milchstau in Minuten auflöst, gibt es allerdings nicht. Kräftiges Massieren beschleunigt nichts, sondern reizt das Gewebe zusätzlich.

Kann ein Milchstau von allein weggehen?

Von ganz allein nicht. Was den Stau auflöst, ist die Milch, die wieder abfließt, und dafür braucht es regelmäßiges Stillen. Geschieht das, verschwindet ein Milchstau häufig ohne weiteres Zutun. Bleibt die Verhärtung dagegen bestehen oder kommen Fieber und ein deutliches Krankheitsgefühl dazu, sollten Sie nicht länger abwarten.

Was kann ich nachts gegen einen Milchstau tun?

Legen Sie Ihr Baby auch nachts nach Bedarf an, das entlastet die Brust am besten. Nach dem Stillen kann eine kühlende Auflage Schwellung und Schmerzen lindern. Ein lockerer Still-BH nimmt Druck von der Brust. Kommen Fieber oder ein starkes Krankheitsgefühl hinzu, wenden Sie sich an den ärztlichen Bereitschaftsdienst.

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