Milchstau in der Brust – erkennen und behandeln

Wenn ein Milchstau in der Stillzeit zu Schmerzen führt

In der Anfangsphase braucht es meist etwas Zeit, bis sich Mutter und Baby aufeinander eingespielt haben. Das gilt insbesondere für die Stillzeit, bis das Anlegen funktioniert und der Milchfluss in Schwung kommt. Daher ist es auch nicht ungewöhnlich, dass Frauen zu Beginn Schmerzen beim Stillen haben können und möglicherweise mit Stillbeschwerden wie einem Milchstau konfrontiert sind. In den meisten Fällen können Sie einen Milchstau selbst gut behandeln und lösen. Treten beim Milchstau verstärkt Symptome wie Fieber und Schmerzen auf, sollten Sie sich ärztlichen Rat einholen.

Der Fachbereich Geburtshilfe als Teilbereich der Gynäkologie in den Kliniken der St. Augustinus Gruppe kümmert sich nicht nur vor und während der Entbindung fürsorglich um Ihre Betreuung. Auch danach sorgt das medizinische Fachpersonal noch dafür, dass es Ihnen und Ihrem Baby an nichts fehlt. Haben Sie Anzeichen, die auf einen Milchstau hindeuten und Symptome, die nicht abklingen? Unser erfahrenes Expertenteam aus Ärztinnen und Ärzten, Hebammen, Geburtshelferinnen und Geburtshelfern sowie Stillberaterinnen und -beratern arbeitet eng zusammen, um für Sie die beste Behandlung zu finden.

Wie entsteht ein Milchstau?

Eine Hebamme hilft einer Frau durch die richtige Stillposition einen Milchstau zu verhindern.

Bei einem Milchstau bildet sich eine Verstopfung in den Milchkanälen. Die Brust kann vom Baby nicht ausreichend geleert werden und die angestaute Muttermilch verursacht Schmerzen. Ursachen für einen Milchstau sind in den meisten Fällen mechanischer Natur: An der Brustwarze hat sich ein durch Milch entstandener Fetttropf gebildet, der den Austritt von Flüssigkeit verhindert oder Fettablagerungen bzw. abgestorbene Zellen blockieren im Inneren der Brust die Milchgänge. Das kann passieren, wenn die Brust Druck ausgesetzt ist z. B. durch enge Kleidung oder Schlafen auf dem Bauch.


Wie ein Milchstau entsteht, kann mehrere Ursachen und Gründe haben. Typische Ursachen, die zu einem Milchstau führen, sind z. B.:

  • Das Baby ist nicht richtig angelegt.
  • Die optimale Stillposition ist noch nicht gefunden.
  • Das Baby saugt nicht kräftig genug, trinkt zu selten oder zu kurz.
  • Die Brustwarzen sind wund.
  • Die Kleidung im Brustbereich sitzt zu eng.
  • Beim Schlafen drückt das Kissen auf die Brust.
  • Milcheinschuss oder eine übermäßig starke Milchbildung
  • Zugluft oder zu kalte Wickel führen zu Blockaden in den Milchkanälen.
  • Zu schnelles Abstillen kann, muss aber nicht zwingend eine Ursache für einen Milchstau sein.

Ein Milchstau kann zur Ursache auch Stress und Überlastung haben: Stresshormone können sich negativ auf die Milchproduktion und den Milchfluss auswirken. In den seltensten Fällen sind sie aber die einzigen Gründe dafür, dass ein Milchstau entsteht. Um einschätzen zu können, ob es sich um einen Milchstau handelt, ist es wichtig, über Anzeichen informiert zu sein und zu wissen, wie sich ein Milchstau äußert.

Wie äußert sich ein Milchstau?

Die meisten Frauen erkennen intuitiv, wenn sich ein Milchstau bildet. Neben Schmerzen und Spannungsgefühl in der Brust sind typische Anzeichen eines Milchstaus in der Regel Rötungen auf der Brust und stellenweise Schwellungen oder Verhärtungen. Die betroffenen Stellen können sich zudem warm anfühlen.

Frauen sind oftmals in der zweiten oder dritten Woche nach der Geburt von einem Milchstau betroffen, wenn die Stillbeziehung zwischen Mutter und Baby noch nicht optimal eingespielt ist. Grundsätzlich können Frauen aber in jedem Abschnitt des Stillens einen Milchstau der Brust entwickeln – unabhängig davon, ob sie einen Säugling oder schon ein etwas älteres Baby stillen.
Typische Symptome eines Milchstaus der Brust sind:

  • stellenweise Rötungen
  • Brust fühlt sich an betroffenen Stellen warm an
  • Schwellungen oder Verhärtungen
  • Druckempfindlichkeit und Spannungsgefühl
  • Brust-Schmerzen, auch nach dem Milchstau möglich
  • leichtes Fieber

Wichtig zu beachten

Handelt es sich um einen Milchstau, sind die Symptome lokal begrenzt auf die Brust. Kommen andere Symptome wie schnell ansteigendes Fieber oder Schüttelfrost hinzu, kann das ein Anzeichen für eine beginnende Brustentzündung (Mastitis) sein. In diesem Fall sollten sie unbedingt eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.

Was kann man bei einem Milchstau tun?

Hat die Brust einen Milchstau entwickelt, gibt es verschiedene Methoden, die helfen können, Symptome zu lindern oder den Stau zu lösen. Die Schmerzen in der Brust können durch Wärme minimiert werden: Ein warmer Waschlappen, eine warme Dusche oder eine Wärmflasche auf den schmerzenden Stellen in Kombination mit einer Brustmassage sind besonders wirkungsvoll. Sowohl bei anhaltenden Beschwerden als auch grundsätzlich ist es ratsam, die Symptome mit medizinischem Fachpersonal, den Hebammen oder der Stillberatung abzuklären.

Eine Frau massiert sich die Brust, um einen Milchstau zu lösen.

Was Sie selbst bei einem Milchstau tun können

Wenn Sie beim Stillen vermuten, dass sich ein Milchstau gebildet hat, sollten Sie frühzeitig mit Maßnahmen zur Behandlung beginnen. So können Sie in der Regel verhindern, dass eine Entzündung in der Brust entsteht.

Häufiges Stillen

Weiterstillen alle paar Stunden ist die beste Möglichkeit, den Druck und die Schmerzen in der Brust zu lindern. Wenn Sie beim Milchstau weiterhin stillen, kann die gestaute Milch besser abfließen und die Milchmenge sich den Bedürfnissen des Säuglings anpassen – je öfter, desto besser. Daher ist es sinnvoll, die Stillmahlzeiten zu erhöhen. Legen Sie Ihr Baby alle zwei bis drei Stunden am besten abwechselnd an beiden Brüsten an, damit sie gleichmäßig entleert werden.

Stillposition verändern

Damit die Brust bestmöglich von allen Seiten geleert wird, kann es hilfreich sein, häufig die Stillposition zu wechseln. Dort, wo das Kinn des Babys anliegt, entsteht die größte Saugkraft und damit der stärkste Sog. Eine empfohlene Position ist der Vierfüßlerstand. Die Milch kann so in der natürlichen Gravitationsrichtung fließen. Zusätzlich können Sie leichten Druck gegen verhärtete Stellen geben und sie auf natürliche Weise lösen, wenn Sie das Baby so drehen, dass der Kiefer dagegen drückt.

Milch ausstreichen

Lassen Sie die überschüssige Milch durch Ausstreichen abfließen. Ist der Säugling nach dem Stillen satt oder müde, doch Sie haben das Gefühl, dass die Brust noch nicht leer ist, können Sie versuchen die Muttermilch auszustreichen. Dafür sollten Frauen die Brust zunächst mit den Händen massieren. Danach die Brust im sogenannten C-Griff halten und die Milch langsam ausstreichen.

Milch abpumpen

Babys sind zwar schon die besten „Pumpen“, aber wenn durch einen Milchstau die Brüste zu voll sind, kann das Kind die Brustwarze oftmals nicht gut fassen und dementsprechend nicht ganz austrinken. In diesem Fall kann nach den Stillmahlzeiten zusätzliches Abpumpen hilfreich sein. Bei einem Milchstau spezielle Pumpen zu nutzen, hat zum einen den Vorteil, dass das Entleeren schneller und effizienter vonstattengeht als beim Ausstreichen. Zum anderen können Sie direkt in ein Fläschchen abpumpen, sodass die überschüssige Muttermilch nicht verloren geht.

Vor dem Stillen wärmen

Wärme sorgt für Entspannung und öffnet die Milchgänge, was wiederum den Milchfluss anregt. Am besten wärmen Mütter die Brust vor dem Stillen für einige Minuten mithilfe von Kompressen, Wärmepads oder -kissen an. Besonders feuchte Wärme z. B. durch eine warme Dusche oder feuchtwarme Umschläge hilft sehr gut. Außerdem kann Wärme bei der Schmerzlinderung unterstützen.

Nach dem Stillen kühlen

Nach dem Stillen, Abpumpen oder Ausstreichen empfinden viele Frauen Kälte als sehr wohltuend und als Beschwerdelinderung. Die Kälte sorgt dafür, dass der Körper nicht gleich wieder in die Milchproduktion geht. Die Gefäße in der Brust ziehen sich zusammen, was das Spannungsgefühl, Schwellungen und Schmerzen verringerten. Kühlende Brustwickel oder Kompressen sowie gekühlte Gel-Pads sind ratsame Kältespender.

Ruhe einhalten

Versuchen Sie Stress zu vermeiden und geben Sie Ihrem Körper Ruhe. Auch auf schweres Tragen oder Heben sollten Sie verzichten. Das ist im Familienleben mit einem Säugling und möglicherweise noch weiteren Kindern oftmals nicht so leicht umzusetzen. Allerdings braucht der Körper jetzt Entspannung, um Energie zu sammeln und den Milchstau zu beheben. Partner, Familie und Freunde können eine gute Unterstützung in dieser Zeit sein.

Behutsame Brustmassage

Eine sanfte Brustmassage kann das Brustgewebe lockern und durch einen Milchstau entstandene Knoten oder Verhärtungen lösen. Massieren Sie von der Brustwarze bis zu dem Knoten, wo der Milchstau sitzt. Die Knoten sollten aber nicht zu grob angefasst oder energisch ausgedrückt werden. Das wäre kontraproduktiv, denn der Milchstau löst sich so meist nicht und es können sich entzündliche Abszesse bilden.

Diese Hausmittel können Symptome eines Milchstaus lindern

Es gibt verschiedene Hausmittel, die während und nach dem Milchstau dabei helfen können, Schmerzen und andere Symptome zu lindern:

  • Kirschkernkissen, Wärmflasche, warmer Waschlappen oder Kompressen
  • gekühlte Quarkwickel wirken entzündungshemmend (Brustwarze frei lassen)
  • Gelpacks aus dem Kühlschrank
  • frische, gekühlte Weißkohlblätter oder Retterspitz wirken ebenfalls entzündungshemmend

Was ist aber, wenn sich der Milchstau nicht selbst lösen lässt? Was sollten Betroffene tun, wenn sich die Symptome des Milchstaus nicht lindern lassen? Wann ist es ratsam, sich Hilfe bei der Hebamme oder Stillberaterinnen und -beratern zu holen oder wann sollte man bei einem Milchstau zum Arzt oder zur Ärztin gehen?

Milchstau: ab wann Sie zum Arzt gehen sollten

Besteht der Verdacht auf einen Milchstau in der Brust, sollte unmittelbar mit der Behandlung durch Hausmittel und bewährte Methoden begonnen werden. In den meisten Fällen tritt bereits nach 24 Stunden Linderung ein und die Beschwerden sollten abklingen. Ist auch nach 48 Stunden noch keine Verbesserung in Sicht oder kommen weitere Symptome wie Fieber oder Schüttelfrost hinzu, deutete das auf eine beginnende Brustentzündung (Mastitis) hin. Diese kann sehr schmerzhaft sein und sollte unbedingt ärztlich behandelt werden.

In der Regel helfen die oben genannten Methoden und Hausmittel sehr gut dabei, den Milchstau zu lösen und die Beschwerden zu verringern. Ist der Milchstau nach 48 Stunden noch nicht abgeklungen, sind vermutlich Bakterien im Spiel. Entzünden sich die blockierten Milchgänge, kann sich aus einem Milchstau der Brust eine Mastitis entwickeln. In der Stillzeit eine Brustentzündung und einen Milchstau voneinander zu unterscheiden, ist nicht ganz einfach. Die Anzeichen ähneln sich und Frauen können zudem auch mehrmals hintereinander einen Milchstau haben, ohne dass es sich um eine Brustentzündung handelt oder sich eine bildet.

Diese Anzeichen können auf eine Mastitis hindeuten und sollten von medizinischem Fachpersonal behandelt werden:

  • Spätestens nach 48 Stunden sollte der Milchstau abgeklungen sein.
  • Kommen zu den Anzeichen Ihres Milchstaus noch verstärkt Schmerzen, Fieber (38,5 Grad oder mehr) oder Schüttelfrost hinzu, ist das ein Hinweis auf eine angehende Mastitis.
  • Die Symptome eines Milchstaus sollten nach ein paar bis max. 24 Stunden Linderung zeigen.
  • Bei einer Brustentzündung kommen meist grippeähnliche Symptome hinzu, wodurch sie sich zusätzlich schwach und sehr krank fühlen.

Achten Sie auf die Zeichen Ihres Körpers und wenn Sie das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt, suchen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf.

Medizinische Behandlung, Beratung und Betreuung – vertrauen Sie den Experten

Eine Frau lässt Symptome einer Mastitis aufgrund eines Milchstaus behandeln.

Ein Milchstau mit starken Symptomen kann Müttern und ihren Babys das Leben schwer machen. Eine daraus resultierende Brustentzündung kann zudem noch sehr schmerzhaft und gefährlich sein. Die Ärztinnen und Ärzte sowie Hebammen, Geburtshelferinnen und -helfer und die Stillberaterinnen   und -berater der St. Augustinus Gruppe behandeln und betreuen Betroffene ganzheitlich und fürsorglich. Die Expertenteams der Fachbereiche Gynäkologie und Geburtshilfe bieten ein breites Spektrum an Therapiemöglichkeiten, um die Beschwerden eines Milchstaus zu verringern und zu verhindern, dass sich daraus eine Brustentzündung bildet. Aber auch vor und während der Entbindung arbeitet das medizinische Fachpersonal mit Expertise und Empathie im Umgang mit Betroffenen: In dieser besonderen Zeit sollen Patientinnen sowie Säuglinge die effektivste Behandlung bekommen, die genau auf ihre Bedürfnisse passt.


Wir beantworten Ihre Fragen rund um den Umgang mit einem Milchstau

Wie kann man einem Milchstau vorbeugen?

So kann man einem erneuten oder überhaupt einem Milchstau vorbeugen:

  • Baby regelmäßig anlegen (acht bis zwölfmal in 24 Stunden)
  • dem Körper Ruhe gönnen und Stress vermeiden
  • häufig Handtücher und Stilleinlagen wechseln
  • zu enge Kleidung vor allem im Brustbereich vermeiden
  • überschüssige Milch ausstreichen oder abpumpen
  • milchbildende Getränke bei viel vorhandener Milch weglassen
  • öfter die Stillposition wechseln
  • Brustmassage auch ohne Milchstau fördert den Milchfluss

Wie lange dauert ein Milchstau?

Das ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Wenn Symptome eines Milchstaus auftreten, dann geschieht das bei den meisten Müttern einige Tage oder Wochen nach der Geburt, denn in der ersten Zeit haben sie häufig mit Stillbeschwerden zu kämpfen. In der Regel sollte der Milchstau innerhalb von ein bis drei Tagen abklingen, wenn sich Mutter und Säugling an das Stillen gewöhnt haben und der Körper die ideale Milchbildung eingestellt hat.

Kann ein Milchstau von allein weggehen?

Hat sich ein Milchstau in den Milchkanälen der Brust gebildet, muss dieser unmittelbar behandelt werden. In der Regel können Frauen die Symptome eines Milchstaus selbst gut lindern und dafür sorgen, dass sich der Milchstau löst. Dafür gibt es verschiedenen Hausmittel und Techniken wie häufiges Stillen, Stillposition wechseln, wärmen oder kühlen der Brust. Nur so kann man verhindern, dass sich aus dem Milchstau eine schmerzhafte Brustentzündung (Mastitis) entwickelt, die ärztlich behandelt werden muss.

Das sagen unsere Experten zum Thema Milchstau