Was ist Belastungsinkontinenz?

Symptome, Ursachen und Behandlungen bei Belastungsinkontinenz

Belastungsinkontinenz, auch als Stressinkontinenz bekannt, bezeichnet den unfreiwilligen Urinverlust während körperlicher Anstrengung, meist ohne das Gefühl eines dringenden Harndrangs. Dies kann beispielsweise beim Husten, Niesen, Heben oder Sport auftreten. Es handelt sich dabei um eine der häufigsten Formen von Harninkontinenz.

Neben der Belastungsinkontinenz gibt es sechs weitere Formen der Harninkontinenz, die physische, neurologische oder psychische Ursachen haben können. Bei der Belastungsinkontinenz zählt eine Schwäche der Blasenmuskulatur zu den häufigsten Ursachen. Da diese Art der lavierten Inkontinenz häufig Stress und Unbehagen im Alltag nach sich zieht, suchen Menschen, die mit einer Belastungsinkontinenz leben, häufig nach einer Verbesserung ihrer Symptome. Die St. Augustinus Gruppe bietet im Fachbereich Gynäkologie individuell angepasste Maßnahmen zur Behandlung von Belastungsinkontinenz und bietet den Patientinnen auch psychologische Unterstützung.

Eine Ärztin klärt über die Symptome einer Belastungsinkontinenz auf.

Was sind die Symptome einer Belastungsinkontinenz?

Die Symptome einer Belastungsinkontinenz umfassen typischerweise unwillkürlichen Harnverlust bei körperlicher Anstrengung, Husten, Niesen, Lachen, Pressen, schwerem Heben oder anderen Aktivitäten, die den Druck im Bauchraum erhöhen. Die austretenden Harnmengen sind dabei meist gering.

Zusätzlich zur Belastungsinkontinenz kann bei Frauen auch eine Mischform vorliegen, bei der sowohl die Belastungs- als auch die Dranginkontinenz auftreten. Bei der Dranginkontinenz verspüren die Betroffenen einen plötzlich auftretenden, starken Harndrang, der bei vielen Patientinnen zum Urinverlust führt.

Die Belastungsinkontinenz kann im Alltag erhebliche Einschränkungen mit sich bringen, etwa in der körperlichen Aktivität und dem Schlafverhalten, aber auch im sozialen Kontext mit anderen, wenn der ungewollte Harnverlust beispielsweise beim Lachen oder Niesen erfolgt. Stress und eine Belastungsinkontinenz gehen daher oft einher.

Eine Ärztin klärt über die Grade einer Belastungsinkontinenz auf.

Grade der Belastungsinkontinenz

Bei der Belastungsinkontinenz und deren Symptomen wird zwischen drei Schweregraden unterschieden:

  • Belastungsinkontinenz Grad 1: Leichter Harnverlust tritt auf, wenn schwere Dinge gehoben werden sowie beim Niesen oder Husten
  • Belastungsinkontinenz Grad 2: Leichter bis mittlerer Harnverlust tritt auf, wenn sich die Patientin abrupt bewegt, z. B. bei schnellem Wechsel von einer liegenden in eine sitzende Position.
  • Belastungsinkontinenz Grad 3: Mittlerer bis vollständiger Harnverlust tritt bei leichten Bewegungen oder sogar im Liegen ohne einen körperlichen Auslöser auf

Welcher Schweregrad bei einer Patientin vorliegt, kann eine Fachärztin oder ein Facharzt diagnostizieren. Hierfür wird eine gründliche Anamnese durchgeführt, um die Ursachen für eine Belastungsinkontinenz zu ermitteln und eine entsprechende Diagnose zu stellen. Anhand dieser kann anschließend über passende Therapieformen gesprochen werden. Bei allen Graden können konservative sowie medikamentöse Therapien der Belastungsinkontinenz angewandt werden. Nur bei Belastungsinkontinenz Grad 3 und wenn konservative sowie medikamentöse Behandlungsformen nicht anschlagen, kann das Fachpersonal im Gespräch mit der Patientin einen chirurgischen Eingriff in Erwägung ziehen.

Was sind die Ursachen für eine Belastungsinkontinenz?

Die Belastungsinkontinenz wird in der Regel durch eine Schwächung oder Schädigung des Beckenbodens verursacht. Dies kann durch verschiedene Faktoren wie eine Blasenschwäche durch eine Schwangerschaft und Geburt, hormonelle Veränderungen, Übergewicht, chronischer Husten, altersbedingte Gewebeschwäche oder Operationen im Beckenbereich verursacht werden. Eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur kann den Druck auf die Harnblase nicht ausreichend kontrollieren, was zu unwillkürlichem Urinverlust führt.

Die Beckenbodenmuskulatur erstreckt sich vom vorderen Bauchraum bis zur Wirbelsäule und unterstützt die Blase, Gebärmutter und den Darm. Ist die Beckenbodenmuskulatur z. B. durch Schwangerschaften, Geburten, Übergewicht oder Verletzungen geschwächt, kann sie die Organe im Bauchraum nicht mehr in der korrekten Position halten, wodurch sich diese absenken. Eine abgesenkte Blase kann nicht nur zu einer sogenannten überaktiven Blase mit lavierter Inkontinenz führen, sondern auch zu einem Erschwerten Öffnen und Schließen der Blasenmuskulatur, die für das Zurückhalten und Leeren von Urin verantwortlich ist. Auch chirurgische Eingriffe können Verletzungen oder Veränderungen an der Beckenmuskulatur sowie Stress und eine Belastungsinkontinenz und deren Symptome nach sich ziehen, darunter die Hysterektomie bei Frauen. Darüber hinaus nimmt die Muskulatur im Alter zunehmend ab, wodurch die Beckenbodenmuskulatur ebenfalls an Kraft verlieren kann. Wie bei der Dranginkontinenz können auch bei der Belastungsinkontinenz Hormone als Ursache eine Rolle spielen, bspw. während der Menopause, in der weniger Östrogen produziert wird. Östrogene verbessern die Durchblutung und Elastizität der Blase, ein Mangel kann entsprechend zu einer Inkontinenz führen.

Wann sollte bei Belastungsinkontinenz ärztlicher Rat eingeholt werden?

Eine leichte Belastungsinkontinenz kann mit hohen Erfolgsaussichten konservativ behandelt werden, weshalb Patientinnen, die mit einer Inkontinenz leben, möglichst frühzeitig ihren Arzt oder ihre Ärztin aufsuchen sollten. Insbesondere, wenn sich die Inkontinenz durch eine Selbstbehandlung, mithilfe von Beckenbodentraining nicht verbessert oder sogar verschlechtert, sollten Patientinnen ärztlichen Unterstützung einholen.

Patientinnen, bei denen die Belastungsinkontinenz den Alltag einschränkt oder gar zu psychischen Problemen wie einer Depression oder sozialer Isolation durch Angst vor einem unkontrollierten Urinverlust führt, ist ebenfalls ein Arztbesuch anzuraten. Im besten Fall führen Sie ein sogenanntes Miktionsprotokoll, in das Sie die Inkontinenzform, Menge, den Auslöser und die Zeit eintragen. Diese Informationen können Ihren Arzt bzw. Ihre Ärztin bei der Anamnese und Diagnosestellung unterstützen und zur individuellen Behandlung der Belastungsinkontinenz anleiten.

Wie wird Belastungsinkontinenz behandelt?

Die Behandlung von Belastungsinkontinenz zielt darauf ab, die Beckenbodenmuskulatur zu stärken. Dies kann durch Beckenbodentraining und gegebenenfalls Gewichtsabnahme erreicht werden. In einigen Fällen kann auch eine medikamentöse Behandlung hilfreich sein. Ein operativer Eingriff stellt jedoch eine Ausnahme dar.

Zu den konservativen Maßnahmen bei Belastungsinkontinenz zählen das Beckenbodentraining, die Gewichtsreduktion, Biofeedback und Vaginalkonen sowie Elektrostimulation. Bei Östrogenmangel helfen Vaginalzäpfchen oder -cremes mit Östrogen. Auch Inkontinenzprodukte können den Alltag für Menschen mit Belastungsinkontinenz erleichtern. Zur Verfügung stehen Inkontinenzeinlagen, -vorlagen, -Slips und -Pants. Bei schwerer Belastungsinkontinenz ab Grad 3 ist auch eine chirurgische Behandlung denkbar, sollten sowohl die konservativen als auch medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten keine oder nur eine geringe Wirkung zeigen. Hierzu gehören die MUS-Operation, Kolposuspension, ein künstlicher Schließmuskel sowie eine Unterspritzung der Harnröhre. Individuell passende Therapien für eine Belastungsinkontinenz finden betroffene Frauen z. B. im Kontinenz- und Beckenboden-Zentrum der St. Augustinus Gruppe.

Konservative Behandlungen

Leichte bis mittelschwere Belastungsinkontinenzen, also Grad 1 und 2, können häufig gut mit konservativen Behandlungsmöglichkeiten therapiert werden. Hierzu zählen:

  • Beckenbodentraining: Beim Beckenbodentraining geht es darum, den Schließmuskel der Blase sowie die Beckenbodenmuskulatur durch gymnastische Übungen zu kräftigen. Die Wirkung kann mit Vaginalkonen bei Frauen sowie der Elektrostimulation verstärkt werden.
  • Biofeedback: Mit einem Gerät, das in den Körper eingeführt wird, kann die Intensität der Kontraktion beim Beckenbodentraining überprüft und visualisiert werden. Patientinnen können auf diese Weise ihren Erfolg protokollieren und mithilfe des Biofeedbacks ihre Trainingsergebnisse steigern.
  • Gewichtsreduktion: Sollte Übergewicht bestehen, kann auch eine Gewichtsreduktion zu einem geringeren Druck auf den Bauchraum beitragen. Das geringere Gewicht und der verringerte Druck entlasten die Beckenbodenmuskulatur, die weniger Gewicht ausbalancieren muss. Ebenfalls wichtig sind eine gesunde Ernährungsweise sowie passende Trinkgewohnheiten, um die Blasenfunktion zu regulieren.
  • Blasentraining: Beim Blasentraining lernen Patientinnen, den Harn länger zu kontrollieren, bevor sie die Toilette aufsuchen. Zunächst beginnen die Intervalle in kleinen Zeitabständen, z. B. 30 Minuten nach der Flüssigkeitsaufnahme. Diese Intervalle werden stetig verlängert, wodurch sich die Kontrolle über den Harnfluss verbessern kann.
  • Inkontinenzprodukte: Inkontinenzeinlagen, -vorlagen, -Slips und -Pants können Patientinnen in ihrem Alltag unterstützen.

Darüber hinaus können Sie das Risiko einer lavierten Inkontinenz verringern, indem Sie schweres Heben, Pressen und Ziehen vermeiden, den Koffein- und Alkoholkonsum einschränken, sich bewegen, um Ihre Muskeln zu stärken sowie regelmäßig die Blase zu entleeren, um eine Überdehnung dieser zu verhindern.

Medikamentöse Behandlungen

Schlagen konservative Methoden bei einer Belastungsinkontinenz nicht an oder zeigen diese Methoden eine zu geringe Wirkung, können unterstützend Medikamente eingesetzt werden:

  • Duloxetin: Medikamente mit dem Wirkstoff Duloxetin können den Blasenschließmuskel stärken und so die Symptome einer Belastungsinkontinenz verbessern.
  • Anticholinergika und Beta-3-Agonisten: Diese Wirkstoffe können eine überaktive Blasenmuskulatur entspannen und den Harndrang verringern. Sie sind insbesondere bei einer Mischform mit Dranginkontinenz wirksam.
  • Östrogenpräparate: Liegt ein Östrogenmangel vor, z. B. in der Menopause, kann dieser mithilfe von Östrogenprodukten wie Zäpfchen oder Cremes behandelt werden. Diese können die Harnröhrenfunktion und Gewebeelastizität der Blase unterstützen.
  • Botulinumtoxin: Botulinumtoxin, allgemein bekannt als Botox, kann eine überaktive Blasenmuskulatur hemmen und Belastungsinkontinenz-Symptome reduzieren.

Wie alle medikamentösen Behandlungen sollten diese zuvor mit einem Facharzt bzw. einer Fachärztin abgesprochen und individuell auf die Patientin zugeschnitten werden.

Operative Eingriffe

Bei einer schweren Belastungsinkontinenz kann neben der konservativen und medikamentösen Behandlung ein chirurgischer Eingriff angeraten werden, beispielsweise wenn Medikamente zu Neben- oder Wechselwirkungen oder zu Allergien führen. Die häufigsten operativen Eingriffe sind:

  • Midurethrale Schlingenoperation: Bei der midurethrale Schlingenoperationen (MUS) wird minimalinvasiv oder unter einer örtlichen Betäubung ein Kunststoffband unter der Harnröhre hindurch und durch die Bauchdecke nach außen geführt. Dieses Bändchen verringert die Belastung des Schließmuskels bei den Inkontinenzursachen wie Husten, Niesen oder schwerem Heben.
  • Burch-Kolposuspension: Bei der Kolposuspension wird der Blasenhals, d. h. der obere Teil der Blase, angehoben und fixiert. Auch dieser chirurgische Eingriff kann minimalinvasiv durchgeführt werden.
  • Unterspritzung der Harnröhre: Bei der Unterspritzung der Harnröhre wird eine Hydrokolloidlösung ringförmig in die Schleimhaut der Harnröhre gespritzt, was zu einer Verengung dieser führt. Durch die Verengung kann weniger Urin abgegeben werden, was ebenfalls mit einer verbesserten Inkontinenz einhergeht.
  • Künstlicher Schließmuskel: Ist der Schließmuskel der Blase stark geschädigt oder irreversibel geschwächt, kann ein künstliches Schließmuskelimplantat eingesetzt werden. Dieses verschließt die Harnröhre. Gleichzeitig kann durch eine Pumpe, die im Hodensack oder der Vulvalippe angebracht ist, das Wasserlassen kontrollieren.

Vor allen chirurgischen Eingriffen gilt es, ausführliche Gespräche zwischen dem Ärzteteam sowie den Patientinnen zu führen. So kann die passende Belastungsinkontinenz-Therapie bei Frauen und Männer gewählt und Chancen sowie Risiken abgewogen werden. Um die Erfolgschance einer Blasenschwäche-OP zu erhöhen und Komplikationen wie Entzündungen zu vermeiden, ist eine umfassende Nachsorge entscheidend.

Kliniken der St. Augustinus Gruppe mit Schwerpunkt Gynäkologie

Wir beantworten Ihre Fragen rund um Belastungsinkontinenz

FAQ

Leiden viele Menschen an Belastungsinkontinenz?

Fast die Hälfte der Männer mit Inkontinenz leidet unter Belastungsinkontinenz. Etwa 39 Prozent haben Mischinkontinenz, bei der sowohl Belastungs- als auch Dranginkontinenz auftreten. 12 Prozent der Männer sind von Dranginkontinenz betroffen. Es ist bekannt, dass ältere Menschen häufig aufgrund von Inkontinenz in Pflegeeinrichtungen aufgenommen werden.

Sind Frauen von Inkontinenz öfter betroffen als Männer?

Frauen sind häufiger von Inkontinenz betroffen als Männer. In Deutschland sind etwa 25 Prozent der Frauen und 11 Prozent der Männer von Inkontinenz betroffen. Die Prävalenz von Inkontinenz bei Frauen steigt mit dem Alter und erreicht bei Frauen über 80 Jahren bis zu 40 Prozent.

Wie kommt es zu einer Belastungsinkontinenz?

Belastungsinkontinenz entsteht durch einen unzureichenden Verschluss der Harnröhre und/oder eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur. Infolgedessen kommt es bei körperlicher Belastung wie Sport, Treppensteigen, Niesen, Husten oder Lachen zu unkontrolliertem Urinverlust, der von ein paar Tropfen bis hin zu einem größeren Schwall reichen kann.

Welcher Arzt ist für Belastungsinkontinenz zuständig?

Bei Inkontinenzproblemen sind verschiedene Bereiche zuständig. Als erste Anlaufstelle gelten Urologinnen und Urologen. Bei Frauen kann auch die Gynäkologie involviert sein, da Inkontinenz oft mit gynäkologischen Problemen zusammenhängt. Darüber hinaus können auch Fachabteilungen für Geriatrie oder Neurologie beteiligt sein.

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