Lena Schiffer, Sekretärin
Johanna Etienne Krankenhaus
Ein Schlaganfall kann weitreichende Folgen haben. Deshalb kommt es bei der Behandlung eines Schlaganfalls auf jede Minute an. Als Teil der Ambulanz ist die Stroke Unit eine Spezialstation der neurologischen Klinik, die auf Patientinnen und Patienten mit akuten Schlaganfällen spezialisiert ist. Neben der Akutbehandlung des Schlaganfalls, z. B. mit Hilfe einer Thrombektomie oder Thrombolyse, findet auf der Schlaganfallstation auch eine intensive Überwachung (Monitoring) der Patientinnen und Patienten statt.
Eng verbunden mit der Stroke Unit ist auch die Frührehabilitation, die nach einem Schlaganfall oder einer anderen neurologischen Erkrankung von einem interdisziplinären Team angeboten wird. Mit Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten sowie Logopädinnen und Logopäden und anderem therapeutischen Training werden mögliche Einschränkungen wie Schluckstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen oder motorische Störungen behandelt. Das multiprofessionelle Team aus Ärztinnen und Ärzten, Pflegekräften sowie Therapeutinnen und Therapeuten behandelt Patientinnen und Patienten mit akutem Schlaganfall mit hoher Kompetenz und Expertise. Auf diese Weise möchten wir die Überlebenschancen der Betroffene steigern und das Ausmaß von Folgeschäden verringern.
Per Definition ist eine Stroke Unit eine spezialisierte Abteilung in einem Krankenhaus oder Klinikum. Die Stroke Unit vereint ein interdisziplinäres Team, das bei einem Schlaganfall schnell entscheidet, was zu tun ist und die Behandlung während und nach der Akutphase übernimmt.
Was bedeutet es, wenn Einrichtungen über eine Stroke Unit verfügen? Kliniken oder Krankenhäuser mit einer Stroke Unit innerhalb des Fachbereichs Neurologie haben die Möglichkeit, Patientinnen und Patienten mit einem akuten Schlaganfall intensiv zu betreuen. Während der Akutphase ist die Lage der Schlaganfallpatientinnen und Schlaganfallpatienten meist noch sehr instabil, was eine intensive Versorgung notwendig macht.
Durch die Behandlung soll eine möglichst rasche Verbesserung des Gesundheitszustands eintreten, und es sollen eine Verschlechterung des Zustands sowie mögliche Folgen des Schlaganfalls, etwa motorische oder logopädische Störungen, vermieden werden.
Auf der Stroke Station arbeitet ein multiprofessionelles Team aus ärztlichen und pflegerischen Mitarbeitenden zusammen mit Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten, Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten sowie Logopädinnen und Logopäden und Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern.
Die ersten Stunden nach einem Schlaganfall entscheiden über das Ausmaß der Schäden am Gehirn. Je mehr Zeit bis zur Behandlung des Schlaganfalls verloren geht, desto mehr Lebensqualität kann für die betroffenen Patientinnen und Patienten auf dem Spiel stehen. Einige Arten der Therapie können zudem nur in einem bestimmten Zeitraum nach einem Schlaganfall angewendet werden.
Deshalb ist es wichtig, zu wissen, wie sich ein Schlaganfall äußert und was bei den ersten Anzeichen zu tun ist.
Ein Schlaganfall entsteht durch eine mangelhafte Durchblutung des Gehirns, häufig verursacht durch den Verschluss eines Gefäßes (Arterie) im Gehirn – dieser wird auch als Hirninfarkt bezeichnet und macht etwa 80 bis 85 Prozent der Schlaganfälle aus.
Pro Jahr erleiden etwa 270 000 Patientinnen und Patienten in Deutschland einen Schlaganfall. Das macht den Schlaganfall zur dritthäufigsten Todesursache nach dem Herzinfarkt oder Krebserkrankungen. Zudem sind Schlaganfälle die häufigste Ursache für Invalidität im Erwachsenenalter.
Ein akuter Schlaganfall ist ein Notfall, bei dem man sofort den Rettungsdienst unter der 112 anrufen sollte – dabei zählt jede Stunde und Minute. Der sogenannte FAST-Test gehört zur Grundausbildung des Rettungspersonals, kann aber auch von Laien durchgeführt werden. Mit dem Test lassen sich die meisten Schlaganfälle innerhalb weniger Sekunden feststellen.
F– A – S – T steht für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit):
Die Ursachen für Schlaganfälle sind unterschiedlich, unter anderem zählen dazu:
Sobald die Patientinnen und Patienten auf der Stroke Unit im Krankenhaus ankommen, beginnen die Ärztinnen und Ärzte umgehend mit der Diagnostik und beraten über die notwendige Behandlung. Je nach Situation kann etwa eine medikamentöse Behandlung (Thrombolyse) oder ein minimal-invasiver Eingriff (Thrombektomie) durchgeführt werden. Im Anschluss an die Akutphase beginnt das Team der Schlaganfallstation so früh wie möglich mit der Rehabilitation, um möglichen Einschränkungen durch den Schlaganfall vorzubeugen oder sie zu lindern.
Die Behandlung auf der Stroke Unit umfasst eine intensive Diagnostik, Therapie und Versorgung, darunter:
Das Zentrum der neurologischen Klinik unter Leitung von Prof. Dr. Jan Sobesky ist schon seit zehn Jahren als Stroke Unit zertifiziert. 2020 hat die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft dem Klinikum eine noch höhere Zertifizierung ausgestellt: das einer überregionalen Stroke Unit. Auf unserer Schlaganfallstation sind rund um die Uhr zwei neurologische Ärzte für die Patientinnen und Patienten mit neurologischen Notfällen da, einer davon nur für die Schlaganfallversorgung.
Zu den Aufgaben der Stroke Unit gehört die unmittelbare Therapie des Schlaganfalls, etwa die Auflösung eines Blutgerinnsels mit Hilfe von Medikamenten (Thrombolyse) oder die mechanische Rekanalisation (Thrombektomie) im Rahmen der interventionellen Neuroradiologie.
Auch das Monitoring, also die engmaschige Überwachung der Patientinnen und Patienten, wird auf der Stroke Station durchgeführt. Dort klärt das Team sofort und umfassend die Ursachen und plant die Behandlung:
Bei schweren Blutungen wird auch die Neurochirurgie hinzugezogen.
Das multiprofessionelle Team der Stroke Unit kann mittels Thrombektomie Blutgerinnsel aus dem Gehirn entfernen. Über einen kleinen Schnitt in der Leiste wird ein dünner Katheterschlauch bis hin zu den Hirngefäßen geführt. Das Gerinnsel, das die Blutzufuhr zum Gehirn blockiert, wird dort abgetragen. Dieses Verfahren kann Patientinnen und Patienten mit einem Schlaganfall das Leben retten und verhindern, dass das Geschehen sie körperlich und geistig nachhaltig einschränkt. Nach einem Schlaganfall eröffnet nur ein frühzeitiges Eintreffen auf der Stroke Unit gute Möglichkeiten für eine erfolgreiche Therapie.
Nicht immer wird auf der Schlaganfallstation ein mechanisches Verfahren eingesetzt. Bei etwa 15 Prozent der Schlaganfallpatientinnen und Schlaganfallpatienten kann das verstopfte Hirngefäß mit einem Medikament wieder eröffnet werden. Diese Form der Therapie nennt man Thrombolyse. Die Wahl der Behandlung hängt von der Art des Schlaganfalls, des zugrundeliegenden Gefäßverschlusses, der Begleitmedikation der Betroffenen und dem Zeitpunkt des Eintreffens auf der Stroke Unit ab.
in Neuss
FAQ
Die Akutphase bei einem Schlaganfall dauert etwa ein bis fünf Tage. Während dieser Zeit bleiben die Patientinnen und Patienten auf der Stroke Unit. Danach erfolgt üblicherweise die rehabilitierende Weiterbehandlung in einer geeigneten Abteilung oder Spezialstation.
Stroke Units unterliegen strengen Zertifizierungskriterien und müssen hohen personellen, technischen, strukturellen, baulichen sowie fachlich-inhaltlichen Standards entsprechen. Die Zertifizierung durch die Deutsche Schlaganfallgesellschaft garantiert dabei die höchstmögliche Qualität. Ziel der Auszeichnung ist es, die Qualität von Schlaganfallstationen zu fördern, sie in einem unabhängigen Zertifizierungsverfahren nachzuweisen und transparent nach außen darzulegen.