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Geflüchtete besser in den Blick nehmen: Pflegepersonal will Eltern stärken

Europaweites Projekt wird für Deutschland in Neuss koordiniert

Mangelnde Deutschkenntnisse, fehlendes Wissen um die Abläufe im deutschen Gesundheitssystem oder Probleme im kulturellen Umgang miteinander: Geflüchtete stehen hierzulande vor vielen Hürden.
Gerade wenn Kinder erkranken und in die Klinik müssen, wird es oft schwierig für alle Beteiligten. Das internationale Projekt „IENE-8“, das für die Bundesrepublik aus Neuss verantwortet wird, setzt mit Blick auf Flüchtlingsfamilien an ganz verschiedenen Punkten an. Es will dem wachsenden Bedarf an psychologischer Unterstützung von geflüchteten Vätern und Müttern Rechnung tragen.

„Um geflüchtete Familien adäquat unterstützen zu können, ist zunächst einmal viel Wissen für ihre Situation notwendig“, erklärt Dr. Andrea Kuckert-Wöstheinrich, Leiterin des Bereichs Forschung und innovative Projekte bei der St. Augustinus Gruppe. „Deswegen entwickeln wir einen Lehrplan für Pflegefachpersonen, weitere Angehörige der Gesundheitsberufe und Freiwillige, die ein besseres Bewusstsein für die Lage gerade geflüchteter Familien bekommen sollen.“ Neben klassischen Fragen der gesundheitlichen Versorgung ihrer Kinder gehe es bei den oft jungen Eltern beispielsweise um das Vertrauen in die eigene Fähigkeit Vater oder Mutter zu sein. Oder es gehe darum, fluchtbedingte Veränderungen bei den Kindern zu erkennen und adäquat darauf zu reagieren. „Auch bei der stationären Behandlung eines geflüchteten Kindes kann der Therapieverlauf durch soziale, emotionale, sprachliche und organisatorische Überforderung der Eltern nachhaltig beeinflusst werden“, weiß Dr. Kuckert-Wöstheinrich.

„Die Beispiele zeigen einerseits, dass Pflegefachpersonen im Umgang mit Geflüchteten besonders sensibel sein sollten. Andererseits wollen wir die Eltern mit Fluchtbiografie aber in die Lage versetzen, dass sie selbst ihre elterlichen Pflichten auch unter den besonderen Bedingungen wahrnehmen können.“ Ziel des Projekts „IENE-8“ sei es daher zunächst Angehörige der Gesundheitsberufe fit zu machen, damit sie die Erziehungskompetenzen der geflüchteten Eltern fördern und Geflüchtete psychologisch unterstützen können. „Mit verschiedenen Methoden, die wir auch in Neuss mitentwickeln, erwerben die Teilnehmer dann Wissen und Kompetenzen in Bezug auf die Versorgung dieser Eltern“, erläutert Dr. Kuckert-Wöstheinrich. Der Lehrplan wird unter anderem in Englisch, Italienisch, Griechisch und Rumänisch übersetzt. Jedes Partnerland soll Anfang 2020 für die Angehörigen der Gesundheitsberufe und für freiwillige Helfer Fortbildungen anbieten – für Deutschland werden diese dann in Neuss bei der St. Augustinus Gruppe stattfinden.