Dissoziale Persönlichkeitsstörung: Definition, Symptome und Therapien

Was bedeutet die Krankheit für Betroffene?

Die dissoziale Persönlichkeitsstörung, auch antisoziale Persönlichkeitsstörung genannt, ist eine komplexe Persönlichkeitsstörung, bei der Betroffene häufig soziale Normen missachten und Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen erleben. Typisch für eine antisoziale Persönlichkeitsstörung sind auffällige Verhaltensweisen, eine geringe Frustrationstoleranz sowie Probleme in Beziehungen. In diesem Ratgeber erfahren Sie, was eine dissoziale Persönlichkeitsstörung ist, welche Symptome auftreten und wie Behandlungsmöglichkeiten aussehen können.

Definition: Was ist eine dissoziale Persönlichkeitsstörung?

Die dissoziale Persönlichkeitsstörung ist eine Art der Persönlichkeitsstörung. Menschen mit dieser Erkrankung haben häufig Schwierigkeiten, sich an Regeln zu halten und auf andere Menschen Rücksicht zu nehmen.

Typisch ist ein Verhalten, das immer wieder zu Konflikten im Alltag führt, zum Beispiel im Beruf, in Beziehungen oder im sozialen Umfeld. Dabei handelt es sich nicht um einzelne Situationen, sondern um ein Muster, das über längere Zeit besteht.

In der ICD, der internationalen Klassifikation von Krankheiten, wird die dissoziale Persönlichkeitsstörung als eigenständige psychische Störung eingeordnet. Diese Einordnung hilft Ärztinnen und Ärzten sowie Therapeutinnen und Therapeuten, eine eindeutige Diagnose zu stellen und eine passende Behandlung zu planen.

Sonderformen einer dissozialen Persönlichkeitsstörung

Im Zusammenhang mit der dissozialen Persönlichkeitsstörung werden häufig unterschiedliche Begriffe verwendet, um bestimmte Ausprägungen näher zu beschreiben. Dazu zählen vor allem:

  • Psychopathie: Diese Form beschreibt Personen, die nach außen oft unauffällig oder sogar charmant wirken. Gleichzeitig fällt es ihnen schwer, Mitgefühl zu empfinden, und sie nutzen andere Menschen gezielt für eigene Zwecke.
  • Soziopathie: Hier steht eher impulsives Verhalten im Vordergrund. Betroffene haben häufig Schwierigkeiten, sich an Regeln zu halten, und reagieren schneller gereizt oder unkontrolliert.

Beide Begriffe sind keine eigenständigen Diagnosen in der ICD, sondern beschreiben unterschiedliche Ausprägungen der antisozialen Persönlichkeitsstörung.

Wie häufig tritt eine dissoziale Persönlichkeitsstörung auf?

Die dissoziale Persönlichkeitsstörung kommt in der Bevölkerung eher selten vor. Fachleute gehen davon aus, dass etwa ein bis vier Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Die genauen Zahlen können je nach Studie etwas variieren.

Ursachen: Wie entsteht eine dissoziale Persönlichkeitsstörung?

Risikofaktoren und Ursachen einer dissozialen Persönlichkeitsstörung

Die genauen Ursachen einer dissozialen Persönlichkeitsstörung sind nicht abschließend geklärt. Nach aktuellem Kenntnisstand entsteht die Erkrankung nicht durch einen einzelnen Auslöser. Wahrscheinlicher ist ein Zusammenspiel aus biologischen Einflüssen und belastenden Erfahrungen im frühen Leben. Dazu können familiäre Vorbelastungen, Vernachlässigung, Gewalt und ein instabiles Umfeld in der Kindheit gehören. Diese Risikofaktoren bedeuten nicht automatisch, dass sich später eine dissoziale Verhaltensstörung entwickelt. Sie können das Risiko erhöhen, erklären eine Diagnose aber nie allein.

Was sind Symptome einer dissozialen Persönlichkeitsstörung?

Die Symptome einer dissozialen Persönlichkeitsstörung zeigen sich meist in einem länger bestehenden Muster. Betroffene Menschen haben häufig Schwierigkeiten, Regeln einzuhalten und das eigene Verhalten an soziale Normen anzupassen. Die Auffälligkeiten betreffen oft mehrere Lebensbereiche, zum Beispiel Beziehungen, Alltag und Beruf.

Typische Symptome einer dissoziale Persönlichkeitsstörung sind:

  • Missachtung von Regeln: Soziale Normen und gesetzliche Vorgaben werden wiederholt nicht eingehalten.
  • Geringe Empathie: Die Gefühle und Bedürfnisse anderer Menschen werden nur eingeschränkt wahrgenommen.
  • Impulsivität: Entscheidungen erfolgen oft spontan, ohne mögliche Folgen ausreichend zu bedenken.
  • Niedrige Frustrationstoleranz: Schon bei kleinen Belastungen kann es zu gereiztem oder aggressivem Verhalten kommen.
  • Schwierigkeiten in Beziehungen: Es fällt schwer, stabile und vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen oder aufrechtzuerhalten.
  • Fehlende Reue: Auch wenn andere Menschen zu Schaden kommen, wird das eigene Verhalten kaum hinterfragt.
  • Manipulation und Täuschung: Andere Personen werden gezielt beeinflusst, um eigene Ziele zu erreichen.
  • Geringes Verantwortungsgefühl: Verpflichtungen im Alltag, Beruf oder gegenüber anderen Personen werden häufig nicht eingehalten.

Häufig treten zusätzlich Begleiterkrankungen auf. Menschen mit einer antisozialen Persönlichkeitsstörung entwickeln zum Beispiel Depressionen, Angststörungen oder Probleme im Umgang mit Alkohol und Drogen. Für die Diagnose und die weitere Behandlung ist es wichtig, diese Zusammenhänge zu berücksichtigen.

Symptome einer dissozialen Persönlichkeitsstörung

Wie verläuft eine dissoziale Persönlichkeitsstörung?

Die dissoziale Persönlichkeitsstörung entwickelt sich meist schrittweise und beginnt häufig bereits in der Kindheit oder Jugend. Erste Auffälligkeiten zeigen sich oft in Form einer dissozialen Verhaltensstörung. Im weiteren Verlauf können sich daraus stabile Muster entwickeln, die das Denken und Verhalten im Erwachsenenalter prägen.

Für viele Betroffene ist der Verlauf langfristig. Die typischen Verhaltensweisen bleiben über Jahre bestehen und wirken sich auf verschiedene Lebensbereiche aus, zum Beispiel auf Beziehungen, den Beruf oder den Umgang mit anderen Menschen. Ohne eine passende Therapie können sich diese Schwierigkeiten verstärken.

Mit zunehmendem Alter verändert sich die Erkrankung jedoch bei einigen Personen. Impulsives oder aggressives Verhalten kann abnehmen, während andere Merkmale der dissozialen Persönlichkeit weiterhin bestehen bleiben. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können dazu beitragen, den Verlauf positiv zu beeinflussen.

Diagnose: Wie wird eine dissoziale Persönlichkeitsstörung festgestellt?

Anamnese für eine dissoziale Persönlichkeitsstörung

Die Diagnose einer dissozialen Persönlichkeitsstörung erfolgt durch erfahrene Ärztinnen und Ärzte oder Therapeutinnen und Therapeuten. Grundlage ist eine umfassende Einschätzung der persönlichen Entwicklung, des Erlebens und des Verhaltens. Dabei kommen verschiedene Bausteine zum Einsatz:

  • Ausführliches Gespräch: Die aktuelle Lebenssituation sowie frühere Erfahrungen, zum Beispiel aus der Kindheit, werden gemeinsam besprochen.
  • Diagnostische Kriterien: Fachleute orientieren sich an den Vorgaben der ICD, um die dissoziale Persönlichkeitsstörung eindeutig einzuordnen.
  • Fragebögen und Interviews: Standardisierte Verfahren unterstützen dabei, typische Merkmale systematisch zu erfassen.
  • Einbezug des Umfelds: Wenn möglich, werden auch Informationen von Angehörigen berücksichtigt, um ein vollständigeres Bild zu erhalten.

Ausschlaggebend ist zudem die Abgrenzung zu anderen psychischen Erkrankungen. Da ähnliche Verhaltensweisen auch bei anderen Störungen auftreten können, prüfen Fachpersonen sorgfältig, ob tatsächlich eine antisoziale Persönlichkeitsstörung vorliegt oder eine andere psychische Erkrankung.

Wie behandelt man eine dissoziale Persönlichkeitsstörung?

Eine dissoziale Persönlichkeitsstörung wird in der Regel mit verschiedenen therapeutischen Ansätzen behandelt. Ziel ist es, den Umgang mit eigenen Verhaltensweisen zu reflektieren und langfristig zu verändern, insbesondere im Kontakt mit anderen Menschen und im sozialen Umfeld.

Dabei kommen unterschiedliche Maßnahmen zum Einsatz. Psychotherapeutische Verfahren helfen, typische Muster der dissozialen Persönlichkeit zu erkennen und alternative Handlungsweisen zu entwickeln. Ergänzend können soziale Unterstützungsangebote sinnvoll sein, etwa um den Alltag zu strukturieren oder Beziehungen stabiler zu gestalten. In bestimmten Fällen werden auch Medikamente eingesetzt, zum Beispiel wenn zusätzliche psychische Erkrankungen vorliegen. Je nach individueller Situation greifen diese Ansätze unterschiedlich ineinander und entfalten ihre Wirkung auf verschiedene Weise.

So behandelt man eine dissoziale Persönlichkeitsstörung

Psychotherapie

Bei der Behandlung einer dissozialen Persönlichkeitsstörung nimmt die Psychotherapie einen wichtigen Platz ein. Sie unterstützt Patientinnen und Patienten dabei, eigene Denk- und Verhaltensweisen besser zu verstehen und neue Wege im Umgang mit anderen Menschen zu entwickeln. Die Psychotherapie setzt an unterschiedlichen Bereichen an, die für den Alltag und den Umgang mit anderen Menschen wichtig sind:

  • Klare Ziele im Alltag: Die Therapie setzt an konkreten Situationen an, etwa bei Konflikten, Regelverstößen oder im Umgang mit Verantwortung.
  • Verhaltensmuster erkennen: Patientinnen und Patienten lernen, typische Auslöser und wiederkehrende Reaktionen besser zu verstehen.
  • Impulse besser steuern: Ein Bestandteil der Psychotherapie ist der Umgang mit impulsiven oder aggressiven Reaktionen.
  • Beziehungen gestalten: Die Therapie unterstützt dabei, soziale Situationen besser einzuschätzen und verlässlicher mit anderen Menschen umzugehen.
  • Begleiterkrankungen berücksichtigen: Zusätzliche psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Probleme mit Alkohol und Drogen werden in die Behandlung einbezogen.
  • Verlässliche Zusammenarbeit: Eine klare und kontinuierliche therapeutische Beziehung kann dazu beitragen, Veränderungen langfristig umzusetzen.

Soziotherapie

Soziotherapie kann eine Ergänzung in der Behandlung einer dissozialen Persönlichkeitsstörung sein, wenn Unterstützung im Alltag notwendig ist. Soziotherapie ergänzt die Psychotherapie, ersetzt sie jedoch nicht. Im Alltag kann Soziotherapie an verschiedenen Punkten ansetzen:

  • Tagesstruktur aufbauen: Feste Abläufe können dabei helfen, den Alltag verlässlicher zu gestalten und Termine einzuhalten.
  • Behandlung begleiten: Sie bietet Unterstützung dabei, Kontakte zu Ärztinnen und Ärzten sowie Therapeutinnen und Therapeuten aufrechtzuerhalten und Angebote wahrzunehmen.
  • Soziale Situationen ordnen: Konflikte im sozialen Umfeld können früher erkannt und besser eingeordnet werden.
  • Verbindlichkeit stärken: Absprachen werden klarer eingehalten und Verantwortung im Alltag schrittweise übernommen.
  • Motivation fördern: Die Bereitschaft zur Mitarbeit wird gestärkt und Unterstützung verlässlich gestaltet.
  • Teilhabe verbessern: Ziel ist es, den Alltag besser zu bewältigen und die soziale Teilhabe zu fördern.

Medikamentöse Therapie

Eine medikamentöse Therapie gehört nicht zu den Standardverfahren bei einer dissozialen Persönlichkeitsstörung. Es gibt kein Medikament, das gezielt die antisoziale Persönlichkeitsstörung selbst behandelt. Medikamente kommen daher vor allem dann zum Einsatz, wenn zusätzliche psychische Erkrankungen oder einzelne Beschwerden vorliegen.

Dazu zählen zum Beispiel Depressionen, Angststörungen oder Probleme im Umgang mit Alkohol und Drogen. In solchen Fällen können Medikamente dazu beitragen, diese Begleiterkrankungen zu lindern und die Teilnahme an einer weiterführenden Therapie zu erleichtern. Auch bei starker innerer Anspannung oder ausgeprägter Impulsivität kann in Einzelfällen eine medikamentöse Unterstützung sinnvoll sein. Welche Medikamente infrage kommen, wird immer individuell entschieden und eng ärztlich begleitet.

Dissoziale Persönlichkeitsstörung in den Kliniken der St. Augustinus Gruppe behandeln lassen

Behandlung bei der St. Augustinus Gruppe

Die Behandlung einer dissozialen Persönlichkeitsstörung erfordert ein individuell abgestimmtes therapeutisches Konzept. Dabei werden sowohl die typischen Verhaltensweisen als auch mögliche begleitende psychische Erkrankungen berücksichtigt.

In den Kliniken der St. Augustinus Gruppe erfolgt die Therapieplanung in enger Abstimmung mit einem interdisziplinären Team aus Psychiatrie, Psychotherapie und weiteren medizinischen Fachbereichen. So kann die Behandlung gezielt auf die persönliche Situation der Patientinnen und Patienten ausgerichtet werden.

Durch diese Zusammenarbeit lassen sich auffällige Verhaltensmuster sowie begleitende Belastungen wie Angststörungen oder Depressionen gemeinsam berücksichtigen. Nach einer sorgfältigen Diagnose wird ein individueller Therapieplan erstellt, der darauf abzielt, den Alltag zu stabilisieren, den Umgang mit dem eigenen Verhalten zu verbessern und die Lebensqualität langfristig zu fördern.

Kliniken der St. Augustinus Gruppe mit Schwerpunkt Psychiatrie

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