Dysthymie

Definition, Ursachen und Behandlung

Hält eine depressive Verstimmung über einen längeren Zeitraum an, wird häufig zunächst an eine Depression gedacht. Manche Menschen schaffen es jedoch, ihren Alltag trotz der anhaltenden Symptome zu bewältigen. In solchen Fällen kann eine Dysthymie vorliegen – eine chronische, weniger stark ausgeprägte Form der Depression. Sie tritt häufig in der späten Adoleszenz auf. Beginnt die Erkrankung früh, kann sich die Dysthymie verfestigen. Wie jede Form der Depression sollte auch sie frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Was eine Dysthymie genau ist, welche Symptome auftreten können und welche Ursachen die Erkrankung hat, erklären wir in diesem Ratgeber.

Definition: Was ist eine Dysthymie?

Eine Dysthymie ist eine anhaltende, affektive Störung, bei der es zu einer chronischen psychischen Verstimmung bei den Betroffenen kommt. Diese verläuft jedoch schwächer als eine depressive Episode. Eine Dysthymie zeichnet sich durch eine kontinuierliche depressive Verstimmung über mehrere Jahre aus. Auch wenn diese Erkrankung das Leben der Betroffenen stark belastet, können sie ihren Alltag in der Regel dennoch bewältigen.

Definition: Was ist eine Dysthymie?

Wie unterscheidet sich eine Dysthymie von einer Depression?

Der Unterschied zwischen der Dysthymie und einer Depression liegt in der Dauer sowie der Intensität der Symptome. Während eine Dysthymie die chronische, mildere Form einer Depression ist, ist eine Depression eine Erkrankung, die in Episoden mit stärkeren Symptomen auftritt. International gibt es keine einheitliche Klassifikation für den Begriff der Dysthymie. Im ICD-10 zählt die Dysthymie zu den affektiven Störungen, die über mehrere Jahre andauern. Eine klassische depressive Episode hat eine Dauer von mindestens zwei Wochen.

Neben der ICD-10 Klassifikation besteht zudem die von der American Psychiatric Association herausgegebene DSM-5. Bei dieser wird die Dysthymie zusammen mit der schweren chronischen Depression unter der Diagnose der persistierenden depressiven Störung zusammengefasst. Das bedeutet, dass laut dieser Klassifikation eine Dysthymie und eine Depression keinen direkten Unterschied haben, sondern sich überschneiden können. Somit wird nach DSM-5 eine Dysthymie nicht als leichte depressive chronische Verstimmung definiert.

Symptome: Welche Anzeichen gibt es bei einer Dysthymie?

Symptome einer Dysthymie

Das Hauptmerkmal einer Dysthymie ist eine über mindestens zwei Jahre anhaltende leichte depressive Verstimmung. Hinzu können weitere Symptome kommen, die sich sowohl psychisch als auch physisch äußern können.

Psychische Symptome einer Dysthymie

  • Stimmungsschwankungen
  • Freudlosigkeit
  • Erschöpfung, Energie- und Antriebslosigkeit
  • Aufmerksamkeitsbeeinträchtigung
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • sich verändernde Denkmuster
  • Schuldgefühle
  • geringes Selbstwertgefühl und Gefühle der Unzulänglichkeit
  • sozialer Rückzug
  • ständiges Grübeln und Klagen
  • Hoffnungslosigkeit
  • Schwierigkeiten beim Treffen von Entscheidungen

Physische Symptome einer Dysthymie

  • Schlafstörungen oder übermäßiger Schlaf
  • Appetitlosigkeit oder Heißhunger
  • Druck auf dem Kopf
  • Atmungsstörungen
  • Herzbeschwerden
  • Herz-Kreislauf-Probleme
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • ständige Müdigkeit

Ursachen: Wie kommt es zu einer Dysthymie?

Bei der Entstehung einer Dysthymie spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Dazu zählen die genetische Veranlagung sowie Eigenschaften der Persönlichkeit. Außerdem können physische Aspekte wie Lichtmangel und belastende Lebensereignisse zu einer depressiven Stimmung und somit einer Dysthymie beitragen.

Menschen, deren Familienangehörige an einer Depression oder Dysthymie leiden, erkranken häufiger an solch einer Störung. Kommen belastende Lebensereignisse oder seelische Traumata hinzu, die nicht oder kaum bewältigt werden, kann eine Dysthymie bei prädisponierten Menschen ausbrechen.

Diagnose: Wie wird eine Dysthymie erkannt?

Menschen, die unter Symptomen wie lang anhaltender depressiver Verstimmung, negativen Gefühlen und körperlichen Beschwerden wie Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Problemen und Magen-Darm-Beschwerden leiden, könnten an einer Dysthymie erkrankt sein. Haben sie symptomfreie Intervalle von höchstens zwei Monaten, kann dies ein weiteres Indiz für eine dysthyme Verstimmung sein.

Bei Verdacht können sich Betroffene an eine Psychiaterin oder einen Psychiater sowie eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten wenden. In einem Gespräch werden körperliche und seelische Beschwerden, der Zeitraum, in dem die Symptome auftauchen, andere, mögliche familiäre Erkrankungen und weitere Indikatoren in Erfahrung gebracht.

Bei der Anamnese werden nicht immer nur Patientinnen und Patienten selbst befragt, sondern auch ihre Angehörigen. Anhand von Tests wie des Beck-Depressions-Inventars (BDI) und der Hamilton Depression Scale (HAMD-Score) kann zudem die Schwere der Depression ermittelt werden.

Therapie: Wie wird eine Dysthymie behandelt?

Zur Behandlung einer Dysthymie können Medikamente wie Antidepressiva sowie eine Psychotherapie, bei der es mehrere Möglichkeiten gibt, Anwendung finden. Weitere Maßnahmen wie Sport und soziale Unterstützung können ergänzend eingesetzt werden. Da es sich um eine chronische Erkrankung handelt, hat die Therapie ebenfalls eine längere Dauer. Eine Kombination aus medikamentöser Behandlung und Psychotherapie kann die Beschwerden deutlich lindern.

Medikamentöse Therapie

Bei einer Dysthymie haben sich unter den Medikamenten Antidepressiva wie die selektiven Serotonin-Reuptake-Inhibitoren (SSRI) sowie Monoaminoxidasehemmer (MAO-Hemmer) als besonders wirksam und relativ gut verträglich erwiesen.

Psychotherapie

Die Behandlung einer Dysthymie kann durch unterschiedliche psychotherapeutische Verfahren erfolgen. Hierzu zählen die kognitiv-behaviorale Psychotherapie (Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy, CBASP), der tiefenpsychologische Therapieansatz sowie die Verhaltenstherapie.

  • CBASP: Diese ist die einzige Form der Psychotherapie, die speziell zur Behandlung von chronischen Depressionen entwickelt wurde. Sie vereint behaviorale, kognitive, psychodynamische sowie interpersonelle Strategien. Angewandt wird diese Therapieform bei frühkindlichen Traumatisierungen, die zur Dysthymie geführt haben, sowie bei weiteren psychischen Begleiterkrankungen und wenn die Behandlung mit Medikamenten nicht angeschlagen hat.
  • Tiefenpsychologischer Therapieansatz: Der tiefenpsychologische Therapieansatz geht auf bestimmte Konflikte aus früheren Lebensphasen ein, die Betroffene nicht angemessen bewältigen konnten. Im therapeutischen Gespräch werden diese Konflikte identifiziert und auf den eigenen Lebensverlauf bezogen. Dieses Verständnis hilft, die aktuelle depressive Verstimmung ebenfalls zu verstehen.
  • Verhaltenstherapie: Bei der Verhaltenstherapie lernen Betroffene, ungünstige Verhaltensmuster und Denkgewohnheiten zu identifizieren und andere günstigere Verhaltensweisen zu entwickeln und auszuüben. In kleinen Schritten lernen Patientinnen und Patienten, ihren Alltag besser zu bewältigen. Durch Gespräche über depressive Selbstzweifel, Selbstanklagen und negative Ansichten können Betroffene ihre dysthyme Stimmung gegen eine neutrale oder positive Haltung eintauschen.

Ergänzende Maßnahmen

Neben einer medikamentösen Behandlung und Psychotherapie können zudem Sport und Bewegung helfen, die Stimmung zu verbessern. Aber auch Entspannungstechniken, Achtsamkeit und Kreativität können neben sozialer Unterstützung durch Freundinnen und Freunde sowie Familie und Struktur im Alltag zur Verbesserung einer Dysthymie beitragen.

Dysthymie – umfassende Therapie in den Kliniken der St. Augustinus Gruppe

Die Kliniken der St. Augustinus Gruppe bieten eine umfassende und individuelle Behandlung von Dysthymie mit einer interdisziplinären Herangehensweise und modernsten Therapien. Im Fachbereich Psychiatrie stehen spezialisierte Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und -therapeuten bereit, um den Betroffenen für jede Form von Depression die optimale Therapie anbieten zu können. 

Patientinnen und Patienten erhalten an den Standorten der St. Augustinus Gruppe eine kompetente Beratung sowie eine ambulante und stationäre Psychotherapie. Unsere spezialisierten Psychotherapeutinnen und -therapeuten, Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie sowie Ergotherapeutinnen und -therapeuten verstehen die Erkrankung und berücksichtigen nicht nur Geist und Seele, sondern auch den Körper und helfen so Betroffenen ihre dysthyme Stimmung im Alltag zu bewältigen.

Behandlung einer Dysthymie in den Kliniken der St. Augustinus Gruppe

Kliniken der St. Augustinus Gruppe mit Schwerpunkt Psychiatrie

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