Autismus bei Kindern

Anzeichen, Diagnose und Therapie der Entwicklungsstörung

Ihr Kind fällt im Kindergarten häufiger auf, weil es sich aus Gruppenspielen zurückzieht oder stark auf Gewohntes, wie einen festen Sitzplatz, besteht? Zu Hause reagiert es ungehalten auf kleine Veränderungen oder missversteht Gespräche, was zu Schwierigkeiten in der Kommunikation untereinander führen kann? Vielleicht fragen Sie sich, ob hinter diesen Beobachtungen mehr steckt.

Autismus bei Kindern zeigt sich nicht immer eindeutig. Autistische Kinder entwickeln sich in bestimmten Bereichen sehr schnell, während sie in anderen Schwierigkeiten haben. Dieser Ratgeber hilft Ihnen zu verstehen, was Autismus bei Kindern genau ist, wie sich die Erkrankung äußert und wie Autismus bei Kindern entsteht. Außerdem erfahren Sie mehr über Arten, Diagnose und die Behandlung von Autismus bei Kindern.

Autismus bei Kindern: Was ist das?

Autismus bei Kindern bezeichnet eine in der Regel angeborene neurologische Entwicklungsstörung, die sich auf die Verarbeitung von Informationen, die Kommunikation sowie die soziale Interaktion auswirkt. Fachlich spricht man von einer Autismus-Spektrum-Störung, kurz ASS. Der Begriff Spektrum verdeutlicht, dass die Ausprägung und der Schweregrad sehr unterschiedlich sein können.

Autismus ist dabei keine Störung, die ausschließlich im Kindesalter auftritt. In manchen Fällen erfolgt die Diagnose erst im Jugend- oder Erwachsenenalter, obwohl die Besonderheiten bereits seit der Kindheit bestehen. 

Wie häufig ist Autismus bei Kindern?

Internationale Untersuchungen gehen davon aus, dass etwa 2,24 bis 2,76 Prozent der drei bis 17 Jahre alten Kinder und Jugendlichen von einer Autismus-Spektrum-Störung betroffen sind. Jungen erhalten die Diagnose Autismus etwa zwei bis dreimal häufiger als Mädchen. Fachleute vermuten, dass Autismus bei Mädchen aufgrund weniger auffälliger Symptome und besserer Anpassungsstrategien oft seltener erkannt wird.

Formen von Autismus bei Kindern im Überblick

Früher unterschied man in der Medizin verschiedene klar abgegrenzte Arten von Autismus bei Kindern. Heute wird überwiegend von einer Autismus-Spektrum-Störung gesprochen. Damit wird betont, dass die Übergänge zwischen den einzelnen Formen von Autismus bei Kindern fließend sind und sich Ausprägung sowie Unterstützungsbedarf individuell unterscheiden.

Dennoch werden bestimmte Erscheinungsformen weiterhin beschrieben, um Symptome von Autismus bei Kindern besser einordnen zu können:

Frühkindlicher Autismus

Diese Form beginnt meist vor dem dritten Lebensjahr. Häufig zeigen sich deutliche Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung, im sozialen Verhalten und in der Interaktion. Manche betroffenen Kinder haben zusätzliche kognitive Einschränkungen.

Atypischer Autismus

Beim atypischen Autismus liegen zwar autistische Züge bei Kindern vor, jedoch werden nicht alle diagnostischen Kriterien der Erkrankung vollständig erfüllt. Auffälligkeiten können sich auch erst nach dem dritten Lebensjahr zeigen oder in einzelnen Bereichen weniger ausgeprägt sein.

Asperger-Autismus bei Kindern

Das Asperger-Syndrom wird ebenfalls dem Autismus-Spektrum zugeordnet. Betroffene Kinder verfügen meist über eine durchschnittliche oder hohe Intelligenz und eine altersgerechte Sprachentwicklung. Dennoch bestehen Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion, im Erfassen nonverbaler Signale oder im wechselseitigen Gespräch. Häufig entwickelt ein Kind mit dieser Art von Autismus sehr intensive Spezialinteressen und reagiert empfindlich auf Veränderungen oder Sinneseindrücke.

Seltene tiefgreifende Entwicklungsstörungen

Zu den seltenen Formen von Autismus zählen das Rett-Syndrom sowie die desintegrative Störung im Kindesalter. Bei beiden kommt es nach zunächst unauffälliger Entwicklung zu einem Verlust bereits erworbener Fähigkeiten. Diese Störungen unterscheiden sich im Verlauf und in den Ursachen von anderen Formen der Autismus-Spektrum-Störung, wurden jedoch früher dem Autismus-Spektrum zugeordnet.

Ursachen: Wie entsteht Autismus bei Kindern?

Die Ursachen von Autismus bei Kindern liegen vor allem im genetischen Bereich. Studien zeigen, dass Autismus-Spektrum-Störungen zu ca. 90 Prozent vererbt werden. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein einzelnes „Autismus-Gen“, sondern um ein komplexes Zusammenspiel vieler genetischer Faktoren. Forschende haben inzwischen über 100 Gene identifiziert, die mit Autismus in Verbindung stehen.

Autismus entsteht bei Kindern somit nicht durch die Erziehung oder bestimmte familiäre Umstände. Vielmehr gehen Fachleute davon aus, dass neurobiologische Besonderheiten bereits vor der Geburt angelegt sind oder sich in den ersten Lebensjahren entwickeln. Wie stark sich Merkmale von Autismus bei Kindern ausprägen, kann individuell sehr unterschiedlich sein. Umweltbedingungen gelten zwar nicht als Hauptursache, können jedoch Einfluss auf die Entwicklung und den Verlauf nehmen.

Autismus bei Kindern – wie äußert sich die Erkrankung?

Autismus bei Kindern kann sich in unterschiedlichen Bereichen der Entwicklung zeigen. Typische Anzeichen für Autismus bei Kindern betreffen vor allem die soziale Interaktion, die Kommunikation und wiederkehrende Verhaltensweisen wie wiederholende Bewegungen oder ein starkes Festhalten an Abläufen. Wie deutlich sich diese Symptome von Autismus bei Kindern ausprägen, kann dabei sehr unterschiedlich sein.

Typische Auffälligkeiten können sein:

  • eingeschränkter oder vermeidender Blickkontakt
  • geringes Interesse an Gleichaltrigen
  • verzögerte oder ungewöhnliche Sprachentwicklung
  • wörtliches Verstehen von Aussagen
  • starkes Bedürfnis nach festen Routinen
  • intensive Beschäftigung mit speziellen Themen, wie Zahlenreihen oder bestimmten Sachgebieten

Wenn man Autismus bei Kindern erkennen möchte, sollte man diese Merkmale nicht isoliert betrachten. Zeigen sich jedoch mehrere Symptome über einen längeren Zeitraum oder machen Sie sich Sorgen um die Entwicklung Ihres Kindes, kann eine fachliche Abklärung durch eine geeignete Anlaufstelle hilfreich und entlastend sein. 

Typisches Verhalten und Wahrnehmung bei autistischen Kindern

Ein Kind mit Autismus nimmt seine Umwelt oft anders wahr. Sinneseindrücke werden häufig intensiver oder abgeschwächt verarbeitet.

Im Alltag kann sich das zum Beispiel so zeigen:

  • starke Reaktionen auf Geräusche, Licht oder Gerüche
  • Ablehnung bestimmter Kleidung oder Nahrungsmittel aufgrund von Konsistenz
  • Überforderung in größeren Gruppen
  • schnelle Reizüberflutung
  • Rückzug bei emotionaler Überlastung

Auch wiederholende Bewegungen wie Schaukeln mit dem Körper oder Händeflattern kommen vor. Diese Verhaltensweisen helfen manchen Kindern, Reize zu verarbeiten oder sich selbst zu regulieren. Gleichzeitig verfügen viele Kinder mit autistischen Zügen über besondere Stärken, etwa eine ausgeprägte Detailwahrnehmung oder außergewöhnliches Wissen in Spezialgebieten.

Autismus bei Kindern – so erfolgt die Diagnose

Eine frühzeitige Diagnose von Autismus bei Kindern schafft die Grundlage für passende Unterstützungsangebote und gezielte Förderung. Die Diagnose von Fachpersonal erfolgt dabei meist schrittweise und basiert auf mehreren Bausteinen, wie: 

  • einem ausführlichen Gespräch mit den Eltern und dem Kind zur bisherigen Entwicklung, insbesondere zur Sprachentwicklung, zum Sozialverhalten und zu beobachteten Auffälligkeiten
  • standardisierten Fragebögen und strukturierten Interviews zur systematischen Erfassung von Merkmalen
  • einer gezielten Beobachtung des Verhaltens in Spiel- oder Gesprächssituationen, bei der soziale Interaktion und Kommunikation beurteilt werden
  • der Einbeziehung von Rückmeldungen aus Kindergarten oder Schule, da sich Autismus bei Kindern in verschiedenen Alltagssituationen zeigt

Je nach Befund können weitere Untersuchungen folgen, um andere Ursachen auszuschließen oder häufige begleitende Störungen wie ADHS, Angststörungen oder neurologische Erkrankungen zu erkennen.

Wer diagnostiziert Autismus bei Kindern?

Die Abklärung erfolgt in der Regel durch Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder durch speziell qualifizierte Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Auch sozialpädiatrische Zentren oder spezialisierte Ambulanzen führen entsprechende Untersuchungen durch. Die Diagnostik setzt Erfahrung im Umgang mit Autismus-Spektrum-Störungen voraus. Standardisierte Interview- und Beobachtungsverfahren kommen dabei ebenso zum Einsatz wie entwicklungspsychologische Tests. Der Fokus sollte dabei auf einer ganzheitlichen Betrachtung liegen, die sowohl medizinische als auch psychosoziale Aspekte berücksichtigt.

Ab wann kann man Autismus bei Kindern feststellen?

Ab wann kann man Autismus bei Kindern feststellen?

Viele Eltern fragen sich: Ab wann kann man Autismus bei Kindern feststellen? Eine Diagnose für Autismus bei Kindern ist in der Regel nicht vor dem 18. Lebensmonat möglich. In den ersten Lebensmonaten entwickeln sich soziale Fähigkeiten, Sprachen und Interaktion sehr unterschiedlich. Vorübergehende Auffälligkeiten können Teil einer normalen Entwicklung sein und erlauben noch keine verlässliche Einordnung. 

Erste Anzeichen für Autismus bei Kindern lassen sich zwar bereits früh erkennen, doch für die Diagnose müssen typische Symptome über einen längeren Zeitraum und in verschiedenen Situationen beobachtet werden. In vielen Fällen wird Autismus daher erst im Kindergarten- oder Schulalter erkannt. Bei milderen Ausprägungen oder beim Asperger-Autismus bei Kindern erfolgt die Diagnosestellung mitunter noch später.

Mögliche Therapien von Autismus bei Kindern

Eine Therapie von Autismus verfolgt bei Kindern das Ziel, die individuelle Entwicklung zu fördern und die Teilhabe am Alltag zu erleichtern. Im Mittelpunkt stehen die Verbesserung der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie die Unterstützung des Kindes im Umgang mit belastenden oder stark ausgeprägten Verhaltensmustern. Da sich Autismus bei Kindern sehr unterschiedlich zeigt, wird die Behandlung stets individuell geplant. Dabei werden sowohl Symptome als auch Stärken, Begabungen und mögliche Begleitstörungen berücksichtigt.

Grundsätzlich umfasst die Behandlung von Autismus bei Kindern häufig folgende Bausteine:

  • verhaltenstherapeutische Verfahren, die soziale Fähigkeiten, Kommunikation und alltagspraktische Kompetenzen trainieren
  • Elterntrainings und Beratung, um Strategien für den Umgang mit autistischen Verhaltensweisen im Alltag zu vermitteln
  • heilpädagogische oder logopädische Unterstützung bei Sprach- und Entwicklungsverzögerungen
  • bei Bedarf psychotherapeutische Begleitung, etwa bei Ängsten oder Depressionen
  • in bestimmten Fällen eine medikamentöse Behandlung, wenn zusätzliche Störungen wie starke Unruhe oder ausgeprägte Impulsivität vorliegen

Die Therapie sollte möglichst früh beginnen und langfristig angelegt sein. Neben der Förderung des Kindes spielt auch die Entlastung der Familie eine Rolle. 

Tipps zur Alltagserleichterung von autistischen Kindern und Jugendlichen

Der Alltag kann für ein autistisches Kind mitunter sehr fordernd sein. Eine klare Struktur und ein verständnisvolles Umfeld tragen dazu bei, Überforderung zu reduzieren und Sicherheit zu vermitteln.

Folgende Maßnahmen können im Alltag von Kindern und Jugendlichen mit Autismus unterstützen:

Reizreduktion:

Starkem Lärm, grellem Licht oder großen Menschenmengen sollten Sie möglichst aus dem Weg gehen, um Überforderung zu vermeiden.

Vorbereitung:

Kündigen Sie Abläufe vorher an und erklären Sie Veränderungen rechtzeitig, damit sich das Kind auf neue Situationen einstellen kann.

Zeit geben:

Planen Sie ausreichend Zeit ein, um Übergänge ruhig und ohne zusätzlichen Druck zu gestalten.

Struktur:

Etablieren Sie feste Routinen, die Orientierung und Verlässlichkeit im Alltag vermitteln.

Stärken nutzen:

Wertschätzen Sie Spezialinteressen und nutzen Sie diese gezielt in Lern- oder Alltagssituationen.

Transparenz im Umfeld:

Informieren Sie Lehrkräfte und Betreuungspersonen über individuelle Merkmale des Autismus, damit sich das soziale Umfeld entsprechend anpassen kann.

Hilfe für Eltern von autistischen Kindern

Nach der Diagnose von Autismus bei Kindern stehen viele organisatorische und praktische Fragen im Raum. Eltern suchen Orientierung zu Fördermöglichkeiten, schulischer Unterstützung und geeigneten Therapieangeboten. Hilfreich ist zunächst eine umfassende Information über Symptome, Entwicklungsverläufe und individuelle Förderansätze bei Autismus. Fachärztinnen und Fachärzte sowie spezialisierte Ambulanzen beraten zu geeigneten Therapieformen und begleiten die weiteren Schritte.

Hilfestellungen für Eltern im Überblick:

  • Elterntrainings: Hier werden konkrete Strategien für den Umgang mit Alltagssituationen vermittelt und Kommunikationsmöglichkeiten eingeübt.
  • Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen betroffenen Familien kann entlasten und neue Perspektiven eröffnen.
  • Sozialpädiatrische Zentren und Autismus-Ambulanzen: Diese Einrichtungen unterstützen bei der Koordination von Therapien und bei Fragen zu Nachteilsausgleichen oder geeigneten Schul- und Betreuungsformen.
  • Enge Zusammenarbeit mit pädagogischen Fachkräften: Lehrkräfte und Erziehende sollten über individuelle Merkmale des Autismus bei Ihrem Kind informiert sein, damit Förderung und schulische Anforderungen angepasst werden können.

Eine gute Vernetzung zwischen Familie, therapeutischem Team und Bildungseinrichtungen schafft verlässliche Strukturen. So können Entwicklungsschritte gezielt begleitet und die Fähigkeiten des autistischen Kindes bestmöglich unterstützt werden.

 Autismus bei Kindern: Hilfe und Tipps für Eltern

Begleitung und Unterstützung von Kindern mit Autismus durch die St. Augustinus Gruppe

Kinder mit Autismus und ihre Familien benötigen eine Begleitung, die fachliche Kompetenz mit Einfühlungsvermögen verbindet. An dieser Stelle kommt das Team der St. Augustinus Gruppe ins Spiel. Unsere Kliniken für Psychiatrie, Psychosomatik und Neurologie arbeiten eng mit den Bereichen Logopädie und Ergotherapie zusammen, um eine umfassende Unterstützung zu ermöglichen.

Nach einer sorgfältigen Diagnose des Autismus bei Ihrem Kind erstellen wir einen individuellen Behandlungsplan, der die jeweiligen Merkmale des Autismus und die persönliche Entwicklung Ihres Kindes berücksichtigt. Während das Team der Logopädie die Sprachentwicklung fördern kann, unterstützt die Ergotherapie bei Wahrnehmung und Alltagsbewältigung. Unsere psychotherapeutische Begleitung hilft autistischen Kindern im Umgang mit emotionalen Belastungen und sozialen Schwierigkeiten.

Die enge Zusammenarbeit der Fachbereiche schafft verlässliche Strukturen für Kinder und ihre Familien. Fachliche Expertise und menschliche Zuwendung stehen bei uns gleichermaßen im Mittelpunkt.

Kliniken der St. Augustinus Gruppe mit Schwerpunkt Psychiatrie

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