Was ist eine somatoforme Störung?

Verborgene Ursachen für körperliche Beschwerden

Körperliche Beschwerden, die scheinbar keine organische Ursache haben, können für die Betroffenen eine enorme Belastung darstellen. Menschen mit einer somatoformen Störung erleben reale Symptome, die jedoch nicht durch eine erkennbare körperliche Erkrankung erklärt werden können. Stattdessen spielen psychische Faktoren eine große Rolle bei der Entstehung dieser Beschwerden. 

In diesem Text möchten wir Ihnen einen Überblick über die verschiedenen somatoformen Störungen geben. Wir erklären die Bedeutung des Begriffes „somatoform“ und welche unterschiedlichen Beschwerden bei einer solchen Störung auftreten können. Zudem gehen wir auf die häufigsten Symptome und Ursachen der somatoformen Störung ein und zeigen auf, wie die Erkrankung diagnostiziert und behandelt wird.

Definition: Was ist eine somatoforme Störung?

Der Begriff „somatoform“ setzt sich aus dem griechischen Wort „soma“ für Körper und dem lateinischen „forma“ für Form oder Gestalt zusammen. Eine somatoforme Störung beschreibt entsprechend einer Gruppe von psychischen Erkrankungen, bei denen die Betroffenen körperliche Symptome zeigen, die trotz umfangreicher medizinischer Untersuchungen keine erkennbare organische Ursache haben. 

Das bedeutet nicht, dass die Beschwerden, die mit der somatoformen Störung einhergehen, eingebildet sind. Ganz im Gegenteil: Die Symptome sind real, auch wenn ärztliche Untersuchungen keine körperlichen Ursachen ergeben. Dies kann für die betroffenen Menschen sehr belastend sein, vor allem, wenn sie mit dem Eindruck konfrontiert werden, dass ihre Beschwerden von medizinischen Fachkräften nicht ernst genommen werden.

Somatoforme Beschwerden treten häufig über Monate oder Jahre hinweg auf und führen zu erheblichen Einschränkungen im Alltag und der Lebensqualität. In vielen Fällen können die Symptome einer somatoformen Störung so stark sein, dass Betroffene arbeitsunfähig werden und somit nicht nur ihre soziale, sondern auch ihre berufliche Aktivität erheblich beeinträchtigt werden.

Konzept zur Unterstützung bei somatoformen Störungen in den Kliniken der St. Augustinus

Die St. Augustinus Gruppe setzt sich dafür ein, dass Betroffene sich jederzeit ernst genommen fühlen. In unseren Kliniken und durch unsere spezialisierten Fachärztinnen und Fachärzte wird jede somatoforme Störung gründlich untersucht und individuell behandelt. Wir verstehen, dass es für viele Menschen eine Herausforderung ist, mit somatoformen Beschwerden zu leben, und bieten eine respektvolle, empathische Betreuung, die auf die persönlichen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten eingeht. Unsere Expertise in der Behandlung somatoformer Störungen stellt sicher, dass physische und psychische Symptome gleichermaßen angegangen werden. In den Kliniken der St. Augustinus Gruppe finden Sie eine Anlaufstelle, die Ihre Gesundheit ganzheitlich betrachtet und Ihnen hilft, den Weg zur Besserung zu finden.

Ursachen einer somatoformen Störung

Die Entstehung einer somatoformen Störung kann verschiedene Ursachen haben. Diese lassen sich grob in drei Kategorien unterteilen:

Psychische Faktoren

Die Ursachen einer somatoformen Störung lassen sich auf verschiedene psychische Faktoren zurückführen. Dabei spielen sowohl vergangene Erfahrungen als auch aktuelle psychische Belastungen eine Rolle:

  • Chronischer Stress und Überlastung: Anhaltende psychische Belastungen wie Probleme im Beruf, in der Familie oder in der Partnerschaft können zu einer starken Überlastung des Organismus führen. Diese Stressfaktoren wirken sich negativ auf die psychische Gesundheit aus und können zur Entstehung von somatoformen Beschwerden beitragen, wenn der Körper die psychischen Belastungen in körperlichen Symptomen ausdrückt.
  • Traumata: Frühe traumatische Erlebnisse, wie Vernachlässigung, Missbrauch oder andere schwerwiegende Ereignisse in der Kindheit oder Jugend, können dazu führen, dass Betroffene ihre Gefühle nicht direkt verarbeiten. Stattdessen finden diese verdrängten Emotionen ihren Ausdruck in körperlichen Beschwerden. Die somatoforme Störung wird so zum Ausdruck ungelöster psychischer Konflikte.
  • Unverarbeitete Gefühle: Verdrängte Emotionen wie Ängste, Wut oder Ärger finden häufig ihren Weg in den Körper. Diese unverarbeiteten Gefühle äußern sich als somatoforme Beschwerden wie Schmerzen oder Verdauungsprobleme. Der Körper fungiert als Ausdruck für psychische Belastungen, die nicht direkt angesprochen werden können.
  • Komorbiditäten: Somatoforme Störungen treten häufig zusammen mit anderen psychischen Erkrankungen wie Angsterkrankungen oder Depressionen auf. Diese Komorbiditäten verstärken oft die körperlichen Symptome, da der psychische Stress die Wahrnehmung der somatoformen Beschwerden intensiviert und aufrechterhält.

Soziale Erziehungsfaktoren

Zusätzlich zu psychischen und biologischen Faktoren können auch soziale und erzieherische Einflüsse zur Entstehung von somatoformen Störungen beitragen. Besonders die Erfahrungen im frühen Leben und der Umgang mit Gefühlen in der Familie können die Entwicklung körperlicher Symptome als Ausdruck von emotionalem Stress beeinflussen:

  • Erziehungsstil: Ein Erziehungsumfeld, in dem Gefühle nicht zugelassen oder unterdrückt wurden, kann dazu führen, dass emotionale Bedürfnisse nicht richtig verarbeitet werden. In solchen Fällen kann Zuwendung häufig nur in Verbindung mit Krankheiten erfahren werden, was dazu führt, dass körperliche Symptome als einzige Möglichkeit wahrgenommen werden, Aufmerksamkeit oder Unterstützung zu erhalten.
  • Modelllernen: Werden Krankheiten im Umfeld des Kindes als Mittel für Zuwendung oder Aufmerksamkeit genutzt, können Kinder dieses Verhalten übernehmen und dazu neigen, körperliche Beschwerden als emotionalen Ausdruck zu verwenden. Das kann die Entwicklung von somatoformen Störungen begünstigen.

Biologische Faktoren

Insbesondere Veränderungen in der Körperwahrnehmung, der Schmerzverarbeitung und genetische Veranlagungen können die Anfälligkeit für körperliche Beschwerden ohne erkennbare organische Ursache erhöhen und zu einer somatoformen Störung führen:

  • Erhöhte Körpersensibilität: Menschen mit somatoformen Störungen haben oft eine verstärkte Körperwahrnehmung, wodurch sie körperliche Empfindungen intensiver wahrnehmen und diese möglicherweise falsch interpretieren. Diese übermäßige Fokussierung auf körperliche Symptome kann dazu führen, dass harmlose Empfindungen als Anzeichen für ernsthafte Krankheiten wahrgenommen werden, was die somatoformen Beschwerden verstärken kann.
  • Genetische Veranlagung: Es gibt eine genetische Komponente, die die Anfälligkeit für stressbedingte körperliche Symptome erhöht. Wenn eine familiäre Häufung von psychischen Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen besteht, kann dies das Risiko für die Entwicklung von somatoformen Störungen begünstigen.
  • Veränderte Schmerzverarbeitung: Bei Menschen mit somatoformen Störungen wird die Schmerzverarbeitung im Gehirn oft anders gesteuert als bei anderen. Chronischer Stress oder psychische Belastungen können diese veränderte Schmerzverarbeitung beeinflussen, wodurch Schmerzsignale stärker oder verzerrt wahrgenommen werden. Dies kann die somatoformen Beschwerden aufrechterhalten und verstärken.

Über die genannten Ursachen hinaus bestimmen spezifische aufrechterhaltende Faktoren, ob die Störung chronisch verläuft oder abklingt. Der Teufelskreis der Angst ist ein solcher Faktor, der eng mit den psychischen Belastungen und der körperlichen Wahrnehmung zusammenhängt: Die Sorge vor schweren Erkrankungen führt zu einer selektiven Körperfokussierung, die harmlose Missempfindungen verstärkt und den Stresspegel weiter erhöht. Ergänzt wird dieser Mechanismus durch Vermeidungsverhalten. Während Schonverhalten die Körperwahrnehmung verzerrt, verfestigt die ständige Suche nach organischen Ursachen die Überzeugung, körperlich krank zu sein.

Was sind Ursachen einer somatoformen Störung?

Was sind Symptome einer somatoformen Störung?

Welche Symptome zeigen sich bei somatoformen Störungen?

Die Symptome einer somatoformen Störung umfassen sowohl körperliche als auch psychische Beschwerden. Während die körperlichen Symptome oft ohne eine klare organische Ursache auftreten, sind die psychischen Beschwerden eng mit den körperlichen Empfindungen verknüpft. Beide Aspekte beeinflussen die Lebensqualität der Betroffenen erheblich und sollten daher in der Diagnose und Behandlung gleichermaßen berücksichtigt werden.

Körperliche Beschwerden bei somatoformen Störungen

Somatoforme Störungen äußern sich durch verschiedene körperliche Symptome, die häufig über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten bestehen. Typisch sind dabei Beschwerden, die in unterschiedlichen Körperbereichen auftreten. Im Folgenden werden die Hauptsymptome und betroffenen Körperbereiche aufgeführt, die häufig bei somatoformen Störungen vorkommen:

Chronische Beschwerden:

Ein häufiges Symptom bei somatoformen Störungen sind chronische Schmerzen, wie Rückenbeschwerden, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen oder Bauchschmerzen. Diese Schmerzen treten ohne erkennbare organische Ursache auf und können zu langfristigen Beeinträchtigungen führen.

Herz-Kreislauf-System:

Zu den typischen Beschwerden im Bereich des Herz-Kreislauf-Systems zählen Herzstechen, Herzstolpern, Blutdruckschwankungen oder das Gefühl von Enge in der Brust. Diese Symptome können oft zu Ängsten führen, da sie häufig mit ernsthaften gesundheitlichen Problemen wie einem Herzinfarkt verwechselt werden.

Magen-Darm-Trakt:

Betroffene haben häufig Magen-Darm-Beschwerden, die durch Übelkeit, Durchfall, Verstopfung oder Reizdarmsymptome geprägt sind. Auch Reizmagen und ständige Verdauungsprobleme sind typische Symptome, die oft mit keiner organischen Ursache erklärt werden können.

Atmung:

Kurzatmigkeit, das Gefühl von Atemnot oder auch Hyperventilation und ein häufig auftretender "Kloß im Hals" gehören zu den häufigen somatoformen Symptomen im Bereich der Atmung. Diese Beschwerden können den Alltag der Betroffenen stark einschränken und sind oft mit Angst verbunden.

Urogenitaltrakt:

Symptome wie eine Reizblase, Unterbauchschmerzen oder Schmerzen beim Wasserlassen gehören ebenfalls zu den häufigen somatoformen Beschwerden. Diese Symptome können das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen und sind bei der somatoformen Störung schwer durch medizinische Tests zu erklären.

Neurologische Symptome:

Zu den häufig auftretenden neurologischen Symptomen zählen Schwindel, Taubheitsgefühle, Kribbeln oder auch Sehstörungen. Diese Beschwerden treten ohne eine organische Ursache auf und führen zu erheblichem Stress und Unklarheit für die Betroffenen.

Psychische Beschwerden bei somatoformen Störungen

Die beschriebenen somatoformen Beschwerden können die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken. Diese körperlichen Beschwerden gehen oft mit weiteren psychischen Begleitsymptomen und spezifischen Charakteristika der Störung einher, die die Symptome noch verstärken können:

Starke psychische Belastung:

Die körperlichen Symptome stellen für die Betroffenen oft eine enorme emotionale Last dar, da sie die tiefe Überzeugung hegen, an einer schwerwiegenden, unentdeckten Krankheit erkrankt zu sein. Häufig geht diese Belastung mit der ständigen Angst einher, dass eine falsche medizinische Einschätzung vorliegt oder eine lebensbedrohliche Ursache übersehen wird.

Fokus auf den Körper:

Betroffene von somatoformen Störungen neigen dazu, ihren Körper übermäßig zu beobachten und auf körperliche Symptome zu achten. Diese ständige Selbstbeobachtung kann die Beschwerden intensivieren und führt zu einer verstärkten Konzentration auf den eigenen Körper.

Psychische Begleitsymptome:

Häufig treten psychische Begleitsymptome wie Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit oder Depressionen auf, die durch die chronischen Beschwerden und den ständigen Stress verstärkt werden.

Beeinträchtigung des Alltags:

Die somatoformen Symptome führen häufig zu einer erheblichen Einschränkung des alltäglichen Lebens, was sich in minimierten sozialen Kontakten, einer zunehmenden sozialen Isolation und der Unfähigkeit, alltägliche Aufgaben zu bewältigen, äußern kann. In vielen Fällen werden Betroffene aufgrund der somatoformen Störung arbeitsunfähig und ziehen sich aus dem Berufsleben sowie dem sozialen Umfeld zurück, was die psychische Belastung weiter verstärken kann.

Arten der somatoforme Störung nach ICD-10 F45

Die somatoforme Störung ist ein Oberbegriff für eine Reihe von psychischen Erkrankungen, bei denen Betroffene körperliche Symptome erleben, die sich trotz gründlicher medizinischer Untersuchungen nicht durch eine organische Ursache erklären lassen. Die Ausprägungen der somatoformen Störung werden im ICD-10, dem internationalen Klassifikationssystem für Krankheiten, unter der Kategorie F45 aufgeführt. Ein Überblick zur Klassifizierung:

Welche Arten der somatoformen Störung nach ICD-10 F45 gibt es?

F45.0 Somatisierungsstörung:

Bei einer Somatisierungsstörung treten über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren wiederholt wechselnde körperliche Symptome wie Schmerzen, Übelkeit oder Müdigkeit ohne organische Ursache auf, was häufig zu zahlreichen Arztbesuchen führt.

F45.1 Undifferenzierte Somatisierungsstörung:

Eine undifferenzierte Somatisierungsstörung liegt vor, wenn körperliche Beschwerden über mindestens sechs Monate bestehen, diese aber nicht alle Kriterien der Somatisierungsstörung erfüllen.

F45.2 Hypochondrische Störung:

Kennzeichnend für eine hypochondrische Störung ist die feste Überzeugung oder übermäßige Sorge, an einer schweren körperlichen erkrankt zu sein, selbst wenn medizinische Untersuchungen keinen entsprechenden Befund liefern.

F45.3 Somatoforme autonome Funktionsstörung:

Die somatoforme autonome Funktionsstörung äußert sich durch Beschwerden wie Herzklopfen, Atemnot oder Schweißausbrüche, die einem bestimmten Organsystem zugeordnet werden, obwohl keine organische Beeinträchtigung vorliegt.

F45.4 Anhaltende somatoforme Schmerzstörung:

Unter einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung versteht man chronische Schmerzen, beispielsweise im Rücken oder Kopf, die nicht durch physiologische Prozesse erklärbar sind und oft in Verbindung mit emotionalen Konflikten stehen.

F45.8 Sonstige somatoforme Störungen:

Als sonstige somatoforme Störungen werden funktionelle Beschwerden wie Schluckbeschwerden oder Juckreiz klassifiziert, die sich keiner spezifischen Diagnose zuordnen lassen und nicht über das vegetative Nervensystem vermittelt werden.

F45.9 Somatoforme Störung, nicht näher bezeichnet:

Die Diagnose einer nicht näher bezeichneten somatoformen Störung wird gestellt, wenn die vorliegenden Beschwerden zwar eindeutig somatoform sind, aber keiner der anderen Kategorien präzise zugeordnet werden können.

Diagnostik: Wie wird eine somatoforme Störung festgestellt?

Den Weg zur Diagnose einer somatoformen Störung ebnet ein mehrstufiges Verfahren. Dabei kombinieren Fachärztinnen und Fachärzte körperliche Untersuchungen mit psychologischen Analysen, um ein klares Bild der Beschwerdelage zu gewinnen. Schritte zur Feststellung einer somatoformen Störung sind:

  • Gründliche körperliche Untersuchung: Die Diagnose einer somatoformen Störung erfolgt in erster Linie durch das Ausschlussverfahren. Dabei stellen Ärztinnen und Ärzte sicher, dass die körperlichen Beschwerden der Betroffenen nicht durch eine organische Ursache erklärt werden können. Hierzu werden verschiedene medizinische Tests und Untersuchungen durchgeführt, wie etwa Laboruntersuchungen oder Ultraschall, um körperliche Erkrankungen auszuschließen. 
  • Anamnese: Durch eine gezielte Anamnese klärt die Ärztin oder der Arzt, ob die Symptome bereits seit sechs Monaten den Alltag bestimmen. Auch die familiäre und persönliche Krankheitsgeschichte wird berücksichtigt, um die Diagnose abzusichern.
  • Psychische Analyse: Um die psychischen Zusammenhänge zu erkennen, wird eine Analyse der aktuellen psychischen Belastungen und Lebensumstände durchgeführt. Die Ärztin oder der Arzt untersucht, wie stark Stressfaktoren, wie berufliche oder familiäre Probleme, mit den körperlichen Symptomen in Verbindung stehen und ob psychische Belastungen die Beschwerden verstärken.
  • Psychologische Tests: Zur Absicherung der somatoformen Störung können spezifische psychologische Tests eingesetzt werden. Hierbei kommen Fragebögen und die Verhaltensbeobachtung zum Einsatz, um die Symptome besser einordnen und die Diagnose absichern zu können.

Erst durch das Ineinandergreifen von medizinischen Befunden, der persönlichen Krankheitsgeschichte und psychologischen Erkenntnissen lässt sich die Diagnose einer somatoformen Störung sicherstellen. Diese ganzheitliche Betrachtung bietet den Betroffenen eine langfristige Perspektive auf Linderung durch verschiedene Therapien und Behandlungen ihrer somatoformen Störung.

Diagnostik von somatoformen Störungen durch zahlreiche Tests

Therapie und Behandlung von somatoformen Störungen

Wie kann man eine somatoforme Störung behandeln?

Nach der Diagnose einer somatoformen Störung ist die Therapie der nächste Schritt. In der Regel erfolgt die Behandlung ambulant, kann jedoch bei einem entsprechenden Schweregrad oder einer starken Beeinträchtigung im Alltag auch im Rahmen eines stationären Klinikaufenthalts durchgeführt werden.

Ärztinnen und Ärzte bzw. Therapeutinnen und Therapeuten konzentrieren sich beim Behandeln einer somatoformen Störung auf den Zusammenhang zwischen psychischen Faktoren und den körperlichen Symptomen und haben zum Ziel, Beschwerden zu lindern sowie Schonverhalten und wiederholte Arztbesuche zu reduzieren. Zu den Kernkomponenten der Behandlung gehören:

Psychotherapie

Die Psychotherapie ist eine bewährte Methode zur Behandlung von somatoformen Störungen und zielt darauf ab, die psychischen Ursachen der körperlichen Beschwerden zu identifizieren und zu behandeln. Zu den Therapieansätzen zählen:

  • Kognitive Verhaltenstherapie: Dieser Ansatz fokussiert sich auf die Identifikation und Veränderung ungünstiger Gedankenmuster über den eigenen Körper, wie etwa den Glauben, eine unheilbare Krankheit zu haben. Das Ziel ist es, den Stress und die Angst vor körperlichen Symptomen zu reduzieren und realistische Denkmuster zu entwickeln.
  • Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie: Diese Methode hilft, unbewusste seelische Konflikte zu erkennen und zu bearbeiten, die sich in körperlichen Beschwerden äußern. Sie geht davon aus, dass unbewältigte emotionale Belastungen oft über den Körper zum Ausdruck kommen und hilft, diese zu lösen.

Beide Therapieansätze fördern die Entwicklung von Bewältigungsstrategien, den Abbau von Ängsten und Stress und tragen zur Wiedergewinnung der Lebensqualität bei, indem die Patientinnen und Patienten lernen, ihre Symptome besser zu verstehen und zu kontrollieren.

Entspannungsverfahren und Körpertherapie

Entspannungsverfahren und Körpertherapie ergänzen die Psychotherapie und helfen dabei, körperliche Anspannung und Stress zu reduzieren, die die somatoformen Beschwerden verstärken können. Zu den häufig angewandten Verfahren gehören:

  • Progressive Muskelentspannung: Diese Methode zielt darauf ab, körperliche Spannungen gezielt zu lösen und die körperliche Entspannung zu fördern.
  • Yoga und Meditation: Diese Methoden kombinieren körperliche Übungen mit geistiger Achtsamkeit und können das Wohlbefinden fördern.

Körpertherapeutische Ansätze: Hierzu zählen beispielsweise Ergotherapie oder Tanztherapie, die den Patientinnen und Patienten helfen, körperliche Schonhaltungen abzubauen und die Körperwahrnehmung zu verbessern.

Medikamentöse Unterstützung

In einigen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung die Therapie bei somatoformen Störungen unterstützend begleiten, insbesondere wenn gleichzeitig Depressionen oder Angststörungen vorliegen. Häufig kommen dabei bestimmte Antidepressiva zum Einsatz, die die Schmerzwahrnehmung positiv beeinflussen können. Zudem gibt es spezielle, für somatoforme Störungen zugelassene Wirkstoffe, die zur allgemeinen Symptomlinderung beitragen.

Viele Betroffene stellen sich die Frage: Gehen somatoforme Störungen wieder weg? Eine frühzeitige Diagnose und Therapie bieten die besten Heilungschancen, auch wenn somatoforme Störungen oft phasenweise oder über längere Zeiträume hinweg auftreten. Durch die gezielte Behandlung der psychischen Ursachen und körperlichen Symptome können die Betroffenen lernen, ihre Beschwerden zu kontrollieren und die Lebensqualität zurückzugewinnen.

Somatoforme Störungen in den Kliniken der St. Augustinus Gruppe behandeln lassen

In den Kliniken der St. Augustinus Gruppe verfolgen wir bei der Behandlung somatoformer Störungen einen ganzheitlichen Ansatz. Unser Ziel ist es, sowohl Ihre körperlichen Beschwerden als auch die damit verbundenen psychischen Belastungen nachhaltig zu lindern. Dafür arbeiten unsere Fachbereiche – von der Neurologie über die Psychiatrie bis zur Psychosomatik – Hand in Hand.

Da jede somatoforme Störung so einzigartig ist wie der Mensch dahinter, gibt es bei uns keine Standardlösungen. Unsere spezialisierten Ärztinnen und Ärzten sowie Therapeutinnen und Therapeuten entwickeln für Sie einen individuellen Therapieplan, der Ihre persönlichen Lebensumstände einbezieht. Wir nehmen uns die Zeit, die zugrunde liegenden emotionalen Auslöser zu verstehen, um nicht nur Symptome zu lindern, sondern echte Ursachenarbeit zu leisten.

In einem Umfeld, das von Empathie und professioneller Expertise geprägt ist, finden Sie den nötigen Schutzraum für Ihre Genesung. Dabei legen wir großen Wert auf Transparenz: Wir beziehen Sie aktiv in jeden Behandlungsschritt ein. Der Weg zur Besserung mag herausfordernd sein, doch mit der ganzheitlichen Betreuung der St. Augustinus Gruppe erhalten Sie alle Ressourcen, um Ihre Lebensqualität zurückzugewinnen.

 Behandlung einer somatoformen Störung in Kliniken der St. Augustinus Gruppe

Kliniken der St. Augustinus Gruppe mit Schwerpunkt Psychiatrie

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