Persönlichkeitsstörungen: Arten und Definition

Die Symptome verschiedener Arten von Persönlichkeitsstörungen

Jeder Mensch ist mit seiner Persönlichkeit und seinen Verhaltensmustern einzigartig. Weichen diese jedoch stark von gesellschaftlich erwarteten Normen ab und führen zu Problemen in sozialen Beziehungen oder im Schul- und Arbeitsleben, kann eine Art der Persönlichkeitsstörung ursächlich sein. Diese zeigt sich bei den meisten Betroffenen im Jugend- bis Erwachsenenalter und kann die Lebensqualität je nach Ausprägung negativ beeinflussen.

Was genau eine Persönlichkeitsstörung ist und welche Persönlichkeitsstörungen es gibt, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Definition: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?

Bei einer Persönlichkeitsstörung handelt es sich um eine psychische Störung, bei der bestimmte Persönlichkeitsmerkmale der Betroffenen auffallend stark ausgeprägt sind, sodass sich diese mit ihren Verhaltensweisen nicht mehr entsprechend an das soziale Umfeld anpassen können. Diese Maladaption wiederum wirkt sich negativ auf das Leben der Betroffenen aus, beispielsweise in der Schule, bei der Arbeit oder im Freundes- und Familienkreis. Zu den Persönlichkeitsstörungen gehören beispielsweise die schizoide, histrionische und dissoziale Störung.

Welche Persönlichkeitsstörungen gibt es?

Das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5-TR) sowie die International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems (ICD-10) unterscheiden zwischen zehn Arten einer Persönlichkeitsstörung, die anhand definierter Kriterien diagnostiziert werden. 

Insgesamt leben derzeit rund neun Prozent der Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung, wobei die meisten Störungen gleich häufig bei allen Geschlechtern auftreten, während die antisoziale Persönlichkeitsstörung dreimal häufiger männliche Personen betrifft. Darüber hinaus können die Arten von Persönlichkeitsstörungen in Phasen und einer variierenden Intensität auftreten. Bei den meisten Betroffenen verbessern sich diese im Laufe des Lebens.

Die zehn Arten der Persönlichkeitsstörungen werden in drei Cluster aufgeteilt: 

  • Cluster A (sonderbar, exzentrisch) enthält die paranoide, schizoide und schizotypische Persönlichkeitsstörung,
  • Cluster B (dramatisch, emotional, launisch) die dissoziale, histrionische, narzisstische und Borderline-Persönlichkeitsstörung,
  • Cluster C (ängstlich, furchtsam) die ängstlich-vermeidende, abhängige bzw. asthenische und die zwanghafte (anankastische) Persönlichkeitsstörung.

Diese Arten der Persönlichkeitsstörungen können einzeln oder auch als kombinierte Typen auftreten. Auch sind Begleiterkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen möglich.

Welche Arten von Persönlichkeitsstörungen gibt es?

Ursachen: Wie entstehen Persönlichkeitsstörungen?

Nach dem derzeitigen Kenntnisstand der Forschung entwickeln sich die verschiedenen Arten an Persönlichkeitsstörungen aufgrund eines Zusammenspiels verschiedener Faktoren:

  • Genetik, d. h. durch Veranlagung bestimmter Persönlichkeitsmerkmale
  • Biologie, beispielsweise einer Veränderung der Wirkungsweise des Gehirns
  • Psychosoziale Einflüsse, etwa nach einem seelischen Trauma in der Kindheit oder stark negativ prägenden zwischenmenschlichen Erfahrungen

Insgesamt gehen Forschende davon aus, dass die genetischen und biologischen sowie psychosozialen Einflüsse der Umwelt einen gleich großen Anteil an der Entstehung einer Persönlichkeitsstörung einnehmen.

Symptome: Welche Anzeichen für Persönlichkeitsstörungen gibt es?

Da bei den Betroffenen einer Persönlichkeitsstörung genetische und biologische Faktoren vorliegen, können die ersten Anzeichen einer Persönlichkeitsstörung bereits im Kindes- und Jugendalter auftreten. Bei den meisten Menschen manifestieren sich diese jedoch erst im Jugend- und frühen Erwachsenenalter. Wie lange diese andauern, variiert von Mensch zu Mensch.

Je nach Art der Persönlichkeitsstörung können verschiedene Symptome auftreten. Diese betreffen in der Regel das Selbstbild und die Identität der Patientinnen und Patienten sowie die zwischenmenschlichen Beziehungen:

  • eine schwankende Persönlichkeit je nach Umfeld, schwankendes Selbstbewusstsein sowie variierende Werte und Verhalten
  • Schwierigkeiten, mit anderen Menschen enge Beziehungen einzugehen
  • fehlende Empathie anderen gegenüber
  • das Bedürfnis, jederzeit im Mittelpunkt stehen zu müssen
  • extreme Wutausbrüche
  • das häufig grundlos auftretende Gefühl, von anderen betrogen oder ausgenutzt zu werden
  • häufige und starke Stimmungsschwankungen
  • soziale Ängste, die es u. a. erschweren, Freundschaften zu finden und zu pflegen
  • das Aufschieben von Bedürfnissen
  • das Gefühl, trotz Problemen alles unter Kontrolle zu haben und dass das eigene Verhalten adäquat sei
  • das Zuweisen von Schuld auf andere für die entstandenen Probleme statt des eigenen Verhaltens und der eigenen Gefühle
  • widersprüchliches Verhalten

Gleichzeitig können auch weitere psychische und körperliche Erkrankungen wie Depressionen, Angst- und Essstörungen, Diabetes mellitus sowie das posttraumatische Belastungssyndrom (PTBS) auftreten.

Diagnose: Wie werden die verschiedenen Arten einer Persönlichkeitsstörung festgestellt?

Wie werden die verschiedenen Arten von Persönlichkeitsstörungen diagnostiziert?

Eine Persönlichkeitsstörung wird häufig erst dann diagnostiziert, wenn andere psychische Erkrankungen vorliegen oder wenn Außenstehende auf auffälliges Verhalten hinweisen. Aufgrund der Begleiterkrankungen werden die verschiedenen Arten der Persönlichkeitsstörung häufig nicht erkannt, wodurch weniger Betroffene behandelt werden können.

Für die Diagnose von Persönlichkeitsstörungen richten sich die Ärztinnen und Ärzte nach den Kriterien des DSM und ICD. Diese enthalten Kriterien für das Erleben und Verhalten der Betroffenen, darunter die Kognition, Affektivität, Impulskontrolle sowie die Gestaltung der zwischenmenschlichen Beziehungen. Mindestens zwei dieser Faktoren müssen sich stark auf das Leben der Betroffenen und ihre sozialen Interaktionen auswirken sowie ein klinisch bedeutsames Leiden bzw. Beeinträchtigungen hervorrufen. Zudem müssen diese Faktoren über einen längeren Zeitraum andauern, mindestens seit dem Jugend- oder frühen Erwachsenenalter bestehen und nicht auf andere Erkrankungen, Substanzmissbrauch oder Verletzungen des Gehirns zurückzuführen sein.

Zusätzlich zu der ausführlichen Anamnese können eine neurologische und körperliche Untersuchung hinzugezogen werden, um andere Erkrankungen auszuschließen. Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, bei der Diagnose einer oder mehrerer parallel auftretender Arten an Persönlichkeitsstörungen ein Ärztinnen- und Ärzteteam aus verschiedenen Fachbereichen hinzuzuziehen.

Behandlung: Wie wird eine Persönlichkeitsstörung behandelt?

Da Persönlichkeitsstörungen mit weiteren psychischen und physischen Erkrankungen einhergehen können, sollten diese in einem ganzheitlichen Konzept ebenfalls adressiert werden. Darüber hinaus kann eine zeitnahe Behandlung das Risiko für Folgen wie Verletzungen durch Unfälle oder körperliche Auseinandersetzungen, ungeplante Schwangerschaften durch ein riskantes Sexualverhalten, Herausforderungen im Sozialleben und Beruf sowie Suizidversuche bei den Patientinnen und Patienten verringern.

Zur Behandlung der vorliegenden Erkrankungen können eine Psychotherapie als Einzel-, Gruppen- oder Familientherapie sowie für psychische Begleiterkrankungen wie Depressionen Medikamente zum Einsatz kommen. Bei 40 bis 60 Prozent der Patientinnen und Patienten bleiben die Symptome durch die Therapie in den nächsten Jahren stabil. Dies hängt jedoch stark von den Individuen ab und ihrem Wunsch, etwas an ihrer Situation und ihren Verhaltensweisen zu verändern, um aktiv bei der Psychotherapie mitzuwirken.

Persönlichkeitsstörungen – exzellente Therapiemethoden in den Kliniken der St. Augustinus Gruppe

Die Behandlung einer oder mehrerer Arten von Persönlichkeitsstörungen mit oder ohne Begleiterkrankungen erfordert eine ganzheitliche Herangehensweise. Aus diesem Grund steht Patientinnen und Patienten der St. Augustinus Gruppe ein interdisziplinäres Expertenteam aus den Fachbereichen der Psychiatrie, Psychotherapie und Ernährungstherapie zur Seite. 

Nach der ausführlichen Diagnose erstellen die Ärztinnen und Ärzte ein individuelles Behandlungskonzept, das zusätzlich auf weitere Erkrankungen wie eine Angststörung, Essstörung, bipolare Störung, Alkoholkrankheit oder Psychosomatik eingeht. Auf diese Weise können die Patientinnen und Patienten nachhaltig Veränderungen in ihrem Leben vornehmen sowie ihre beruflichen und sozialen Beziehungen verbessern.

Behandlung verschiedener Arten von Persönlichkeitsstörungen in den Kliniken der St. Augustinus Gruppe

Kliniken der St. Augustinus Gruppe mit Schwerpunkt Psychiatrie

Das sagen unsere Expertinnen und Experten zum Thema Persönlichkeitsstörungen

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