Die Bezeichnung dissoziative Störungen dient per Definition als Oberbegriff für psychiatrische Krankheitsbilder, bei denen es zu einer krankhaften Abspaltung von normalerweise zusammenhängenden psychischen Funktionen kommt. Betroffen sein können unter anderem Bewusstsein, Erinnerungen, Wahrnehmungen des eigenen Körpers oder das Erleben der eigenen Identität.
Dissoziationen sind grundsätzlich nicht ungewöhnlich. Auch im Alltag können psychisch gesunde Menschen zeitweise in Gedanken versunken sein oder ihre Umgebung nur eingeschränkt wahrnehmen. Von einer dissoziativen Störung spricht man jedoch erst dann, wenn diese Abspaltungsprozesse deutlich ausgeprägt sind, wiederholt auftreten und das Erleben der eigenen Person oder von Ereignissen nachhaltig verändern.
Dissoziative Störungen beziehen sich somit auf einen anhaltenden psychischen Zustand, bei dem innere Vorgänge nicht mehr integriert verarbeitet werden können. In der medizinischen Klassifikation werden diese Erkrankungen unter den dissoziativen Störungen im ICD-10 geführt und klar von alltäglichen, vorübergehenden Bewusstseinsveränderungen abgegrenzt.