„Die Gläubigen müssen die Kirche zu ihrer Sache machen“

Augustinus Forum diskutiert über Strukturen, Macht und neue Wege

(10.06.2022) Der Wunsch nach mehr Transparenz und Rechenschaft in der Kirche. Die innere Unabhängigkeit der Gläubigen. Die zornige Trauer vieler Katholiken, dass die Kirche hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt: Über diese und viele weitere Aspekte der Amtskirche sprachen am Mittwochabend beim Augustinus Forum im Alexius/Josef Krankenhaus hochkarätige Gäste auf der Bühne. Thema der vom Journalisten Joachim Frank moderierten Diskussion zwischen der Dogmatikerin Prof. Julia Knop, dem Exegeten Prof. Thomas Söding und Pfarrer Franz Meurer war die „Kirche im tiefen Umbruch – Warum ich bleibe und mich für Veränderungen engagiere". In der gut gefüllten Mehrzweckhalle des psychiatrischen Krankenhauses wurde nicht nur auf der Bühne lebhaft diskutiert, sondern im Anschluss auch mit dem Publikum. Denn das Format findet wieder in Präsenz statt – sehr zur Freude der Stiftung der Neusser Augustinerinnen – Cor unum als Veranstalterin.

Der Tenor in der stimmungsvoll ausgestatteten Halle war einhellig: Zwischen der Institution Kirche und dem Evangelium werden eklatante Widersprüche wahrgenommen. Thomas Söding, Exeget an der Ruhr-Universität Bochum und Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken fragte, wie die Kirche in eine solche Lage kommen konnte und formulierte zugleich eine Bitte: „Räumt auf, macht euch sprachfähig – man erwartet, dass wir liefern!" Ähnlich argumentierte Pfarrer Franz Meurer aus Köln: „Wir müssen im Gespräch mit der Gesellschaft sein und angefragt werden“, so der engagierte Gemeindeleiter. Er hat mit Geistlichen zusammengearbeitet, die später wegen Missbrauchs angeklagt wurden, er leidet auch an seiner Kirche und ihren Strukturen. „Sie können in der Gemeinde nur demokratisch entscheiden, sonst sind die Leute weg!“ Eine „riesige Kluft zwischen der Botschaft und dem eigenen Verhalten“, stellte auch Julia Knop, Dogmatikerin an der Universität Erfurt, fest. Die Vorsitzende der AG Katholische Dogmatik und Fundamentaltheologie des deutschen Sprachraums meinte aber auch: „Meine Katholizität hängt nicht an einem Bischof oder am System Kirche. Souveränität im Glauben und spirituelle Autonomie sollte es auch ohne die Krise der Kirche geben. „Daher hätten gerade junge Menschen eine Heranführung an den Glauben verdient. Sie erwarteten zurecht Formate, die ihnen gerecht werden.

Verantwortungsübernahme auch für schlimmste Verbrechen wie sexuelle Übergriffe in der „Täterorganisation Kirche“, Rechenschaft vor denen, für die kirchliche Aufgaben wahrgenommen werden, sowie Transparenz und Kontrolle – das sind Anliegen, die von der katholischen Kirche dringend erwartet werden, waren sich die Diskutanten einig. „Die Kirche muss wieder das Netzwerk von Menschen werden, denen das Gotteswerk wichtig ist“, formulierte Thomas Söding und schloss mit versöhnlichen Worten: „Die Kirche hat in ihrer Geschichte meist relativ intelligent auf Veränderungen reagiert. In zehn Jahren wird sie gelernt haben, was synodal bedeutet: Die Kooperation zwischen kirchlichem Leitungsamt und allen anderen.“ Vom Publikum bekamen die Diskussionsteilnehmer und der Leiter des Augustinus Forums, Dr. Michael Schlagheck, kräftigen Applaus – für anregende Gedanken und viele gute Ideen, wie eine Kirche im tiefen Umbruch auch eine Zukunft hat.

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Suppenküche der St. Augustinus Gruppe blickt auf herausforderndes Jahr zurück

(21.12.2022) Der Bedarf ist in diesem Jahr noch einmal gewaltig gewachsen: In Spitzenzeiten warteten 70 Männer und Frauen auf eine warme Mahlzeit der Suppenküche vor dem Haus St. Agnes an der Nordkanalallee – jeden Tag. „Die Folgen des Krieges in der Ukraine sind auch bei uns deutlich zu spüren“, sagt Magdalena Hackl, Geschäftsführerin der Behindertenhilfe der St. Augustinus Gruppe, die die Suppenküche gemeinsam mit der Seniorenhilfe und dem Alexius/Josef Krankenhaus betreibt. Trotz Energiekrise und gestiegener Lebensmittelpreise ist das Team an 365 Tagen im Jahr für die Menschen in Not da. 22 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sind täglich im Einsatz.

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Assistierter Suizid: St. Augustinus Gruppe stellt Positionspapier vor

(21.11.2022) Als das Bundesverfassungsgericht am Aschermittwoch 2020 den Strafgesetzbuch-Paragraphen 217 für verfassungswidrig erklärte, war dies ein Paukenschlag: Das Recht auf selbstbestimmtes Sterben schließe auch das Recht ein, hierzu die Hilfe Dritter in Anspruch zu nehmen. Das beschränkt sich nicht auf bestimmte Motive wie schwere Krankheiten, sondern sei in jeder Phase menschlicher Existenz zuzulassen.

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Augustinus Forum zum Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine

(10.11.2022) Es war ein emotionaler Moment, als zum Ende des Augustinus Forums die Hymne der Ukraine in der Mehrzweckhalle des Alexius/Josef Krankenhauses erklang. Ein Streichquartett der Musikschule Neuss spielte zunächst die ukrainische und dann die Europahymne – rund 350 Zuhörerinnen und Zuhörer standen und applaudierten anschließend anhaltend.

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